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Kolumenwettstreit VIII

Hot Or Not

Die Frage die ich diesen Zeilen voranstellen möchte ist: Warum zum Teufel tragen Menschen Pullover die aussehen wie die Topflappen mei­ner Großmutter? Eine Er­klä­rung kann sein, dass es mittler­wei­le mehr Second-Hand-Läden als Bäckereien gibt. In den letzen bei­den Jahren ist die Dichte an Se­cond-Hand-Läden allein im Leip­­ziger Westen um gefühlte 500 Pro­zent gestiegen. In schönen La­den­lokalen, wie gemacht für Knei­pen, findet man mittlerweile die Mo­de der letzten Jahrzehnte, vor al­lem aber bunte, muffige Nylon­tei­le, die wohl noch nie besonders In gewesen sind.

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Kolumnenwettstreit X

Fernweh

Ich hab den Realitäts-Blues, eine post­vakationale Depression so­zu­sa­gen. Diese Traurigkeit, die im­mer nach schönen Urlauben ein­setzt – und eigentlich ist jeder Ur­laub schön, solange man nicht über­fallen, komplett ausgeraubt, ver­haftet oder ins Krankenhaus ein­geliefert wird. Aufgrund be­mer­kenswerter Ver­drängungs­me­cha­nismen im Gehirn sind aber we­niger schwerwiegende Un­an­nehm­lichkeiten schnell vergessen und zurück bleibt nur die Er­in­ne­rung an Sonne, Strand und die Leich­tigkeit des Seins.

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Kolumenwettstreit IX

Angst?

Wer kennt es nicht? Ein braunes Ge­sicht, schwarze Haare und ei­nen langen Bart. Ab und an sieht man es in der Stadt und schaut ihm auch mal gerne hinter her. Man könnte denken, ein Au­ßer­ir­di­scher. Seine Welt scheint un­be­greif­lich zu sein. Allein das Aus­se­hen schüchtert ein. Eine Be­geg­nung – unvorstellbar. Beobachten und sehen, was geschieht. An­sprech­en? Nein, auf keinen Fall. Weg­schauen? Geht auch nicht. Das Ob­jekt ist zu interessant. Nicht nur in der Stadt begegnet man ih­nen. Auch im Zug. ICE 165577 nach Wiesbaden.

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Die Fete

Geburtstagsfeten sind eine feine Sa­che. Es fängt an mit originellen Ein­ladungen, wie letztens zum „Tan­zen, turteln, Topf schlagen” bei einer alten Freundin. Nennen wir sie Luzie. Luzie habe ich lange nicht gesehen, der Abend ist frei, also auf geht's. Auf dem Weg be­geg­net mir die Erinnerung an frü­he­re Geburtstagsfeiern, vergnügte Nach­mittage mit Kuchen und Oran­genlimo, später im Ju­gend­raum der Biermix zu Rock aus den 80ern, heute entweder Ausgehen, ge­­­mütlicher WG-Budenzauber oder beides.

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Kolumenwettstreit VI

Partypeople

Ein zersprengtes Haus, davor schrei­­ende Menschen auf­ge­nom­men mit einer Handkamera. Schnitt. Eine zerstörte Land­schaft, wie­der Schnitt, jemand im An­zug sagt vier Worte, aus einer Re­de ge­ris­sen. Ein neuer Ac­tion­film? Nein, es sind die heute-Nach­richten, zer­schnip­selt wie eine Holly­wood­pro­duk­tion. Schnitt. Wir sehen eine Men­­schen­masse, vor ihnen ein gro­ßer Lautsprecherwagen aus dem in vol­ler Lautstärke Elektromusik wum­mert, hinter ihnen tanzende jun­ge Menschen, einige mit Bier in der Hand. Eine Raveparty oder der CSD?

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Kolumenwettstreit V

Diogenes

Letztens kaute ich kurz auf dem Gum­miknochen der Weisheit. Und das ausgerechnet im Stuk, wohin ich aufgrund silvesterlicher Vor­sät­ze nie wieder gehen wollte. Ein anderer naiver Vorsatz ließ mich den Abend dort nüchtern (!) zu­bringen. Dabei analysierte ich das Balzverhalten der al­ko­ho­li­sier­ten Besucher und stellte fest, dass sich Homo sapiens lip­ziensis auch im Zustand von ent­hem­mter alkoholischer Scham­lo­sig­keit oft schwer tut, zwi­schen­mensch­liche Bedürfnisse zu kom­mu­nizieren.

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Kolumenwettstreit IV

Allogrooming

2012: Viel Sport, mehr lernen, viel Obst und Gemüse, nicht mehr sinn­­los betrinken und nicht mehr läs­tern. Warum nicht mehr läs­tern? Lästern ist eine Unart, die längst als salonfähig gilt. In der Uni, im Freundeskreis, in den Me­dien: Überall wird geklatscht und ge­tratscht. Dabei ist die mo­ra­li­sche Lage eigentlich klar. Lästern ist keine Tugend! Lästere ich, ris­kie­re ich zum Beispiel mein gutes Karma und damit meinen kas­ten­tech­ni­schen Aufstieg. Lästere ich, ver­las­se ich den Edlen Achtfachen Pfad ins Nirvana.

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Kolumenwettstreit III

3 Jahre bis 30

Ich werde alt. Das merke ich im­mer öfter. Zum Beispiel, wenn ich die vielen 18- und 19-Jährigen auf dem Campus sehe. Dann fällt mir ein, dass ich nicht mehr dazu ge­­höre, dass mittlerweile die Mehr­­heit der Studenten jünger sein dürfte als ich. Und wenn ich mit ihnen rede und sie aktuelle You­tubeclips kennen und ich sie höchs­tens damit verblüffe, dass Ste­fan Raab früher auf Viva lief, schleicht sich die Gewissheit ein: Oh Gott, ich werde alt! So auch als ich dachte, einen neuen coo­len Radiosender gefunden zu ha­ben. Und dann merkte, dass es MDR 1 war.

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Kolumenwettstreit II

Flyerwirtschaft

Dinge, die ich hasse, der Tragödie erster Teil. Wer kennt das nicht, man radelt locker leicht zur ersten Vor­lesung am Morgen mit der schlim­men Voraussicht, dass dies ein ganz schrecklicher Tag werden wird. Nicht etwa der Vorlesung we­gen, in der man das Schreib­pult eh nur als Kopfkissenersatz miss­brauchen wird, sondern aus dem Wissen um das zwanghafte Mit­teilungsbedürfnis einiger Mit­men­schen heraus. Dabei beginnt der Kampf Mensch gegen Mensch, die scheinbar nur ein Fetzen Pa­pier voneinander trennt, direkt vor der Uni.

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Kolumnenwettstreit I

2012

„Oh Hunabku!”, rief ich aus, als ich im Buchladen stand, um einen Ka­len­der für dieses Jahr zu kau­fen. „Da wird ja der Kakao in der Mühle ver­rückt. Da kriegt ja der Mais ‘ne Mei­se, steigt im Preise. Da wird ja El Dorado zum Ort der Ver­schwie­gen­heit und alle Tor­til­las ver­­bren­nen leise!” Verzeihung lie­­be Le­ser­schaft, manchmal ver­gess ich mich, wenn Entsetzen heißer ge­ges­sen als hochgekocht wird und die vielen, verdorbenen Köche sich zu Brei schlagen. Über­allher sprang mich die Zahl an: 2012! Das letzte Jahr. Das Ende allen En­dens.

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