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Wider das Master-Desaster

Neues Wiki erleichtert die Suche nach Studiengang

Eine Regelstudienzeit von sechs Semestern im Bachelor, dann die nahtlose Anknüpfung an den Master seiner Wahl, ganz einfach. Keine Konflikte, keine Wartezeiten, kaum Konkurrenzdruck. Was sich in der Theorie so schön anhört, widerspricht den wahren Bedingungen an deutschen Hochschulen zurzeit in nahezu jederlei Hinsicht: undurchsichtige Bewerbungsanforderungen, extremer Bewerberandrang und häufige Orientierung an der vorrangig akademischen Herkunft lassen viele Studenten kläglich scheitern.

Wie so vielen erging es auch Matthias Ziener, dem Gründer des Internetportals Masterwiki. Ziener studierte an der Uni Magdeburg und schloss seinen Bachelor im Fach European Studies mit der Note 1,3 ab, wodurch ihm eigentlich alle Bereiche offen standen.

Ein Trugschluss, wie sich später herausstellen sollte. Von seiner Note bestärkt bewarb sich Ziener an der Universität Frankfurt/Oder für den Masterstudiengang International Business, überraschenderweise ohne Erfolg: „Mir blieb der Masterplatz trotz sehr guter Noten verwehrt. Nach persönlichem Nachhaken erfuhr ich, dass die Uni Frankfurt/Oder einfach keine Absolventen von interdisziplinären Studiengängen haben wollte. Dieses Wissen wäre für mich vor der Bewerbung äußerst hilfreich gewesen.“

Ähnlich erging es Lukas Keller, der ebenfalls seine ersten Studienjahre in Magdeburg verbrachte. Bei seiner Master-Bewerbung hatte er etliche Arbeitsproben zusammengestellt und eine 40-seitige Bewerbung losgeschickt. Die Antwort der Universität lautete wie folgt: „Ihre Bewerbung um einen Studienplatz wurde abgelehnt. Bitte sehen Sie davon ab, uns der Angabe von Gründen wegen zu kontaktieren.“

Durch die Absage musste Ziener zwangsläufig ein Semester Pause einlegen. In dieser Zeit brütete er über der Idee, eine Internetseite anzubieten, die einen roten Faden durch das unauflösbare Knäuel der hiesigen Master-Landschaft bringen und Bewerbungsfrust vermeiden sollte. Studenten müssten sich dabei mit ihren eigenen Erfahrungen gegenseitig helfen und ihren bisherigen Studienverlauf angeben. Nach etlichen nervenzehrenden Arbeits- und Programmierstunden wurde aus den guten Ideen schließlich ein  Online-Portal: „Als das Projekt dann mit einiger Verspätung im August dieses Jahres ins Leben gerufen wurde, war ich froh, dass diese ganze Programmiererei endlich ein Ende hatte. Nichtsdestotrotz war mir klar, dass die Seite wegen ständiger Studiengangaktualisierungen auch in Zukunft noch viel Zeit in Anspruch nehmen würde.“

Wie genau funktioniert masterwiki.de? „Nutzer können sich mit dieser strukturierten Informationssammlung zwei Fragen beantworten“, meint Ziener. „Erstens, für welchen Master sie sich mit ihrem Bachelor-Abschluss bewerben können, zweitens, welchen Bachelor-Abschluss man für den gewünschten Master überhaupt braucht. Außerdem haben die Studenten die Möglichkeit, sich über Ablehnungsgründe auszutauschen.“ Zieners System ermöglicht also eine weitreichende, strategische Planung durch den Hochschul-Dschungel.

Auch Ziener musste damals feststellen, dass seit Bologna das Fortsetzen des Studiums an anderen Orten schwierig ist, da bei vielen Masterstudien die Studenten der eigenen Hochschule bevorzugt werden. Wer nun also mit masterwiki.de besonders vorausschauend plant, kann schon als Abiturient gezielt seinen Bachelor aussuchen, um später beim Master keine Probleme zu haben.

Nach über dreimonatigem Bestehen gibt es auf masterwiki.de bereits mehr als 1.300 Einträge für erfolgreiche und gescheiterte Bachelor-Master-Kombinationen, jeden Tag kommen neue hinzu, für die Gründer ein Erfolg: „Natürlich ist die Internetseite noch relativ neu und unbekannt, daher bin ich auf die Hilfe und Erfahrungen von möglichst vielen Studenten angewiesen. Mit ein paar Klicks kann man den Studienkollegen von morgen helfen, das ist doch eine gute Sache“, meint Ziener.

Mit seinem Portal will der 24- Jährige auch eine verstärkte Transparenz der Auswahlverfahren erreichen und die jetzigen schwierigen Verhältnisse ändern. Mehr noch, durch die Offenlegung der genauen Bewerbungsvoraussetzungen soll Zieners Internetportal das schaffen, was eigentlich die Aufgabe der Bologna-Hochschulreform sein sollte: Durchschaubarkeit und klare Strukturen.

Über die für ihn nicht nachvollziehbare Absage in Frankfurt/Oder ärgert sich Ziener inzwischen nicht mehr. Er studiert seit September International Business in Maastricht: „Ich bin sehr zufrieden, Maastricht gehörte schon lange zu meinen Favoriten.“

Müsste sich Ziener erneut für einen Master-Studiengang bewerben, würde er anders vorgehen: Zum einen sich nicht nur auf eine einzige Bewerbung verlassen, zum anderen seine ständig wachsende Seite www.masterwiki.de nutzen, um durch die Erfahrungen anderer Studenten frustfrei den Wunsch-Master beginnen zu können.

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