Etwas verspätet schenkt Starregisseur Martin Scorsese der Kinolandschaft ein prächtiges Märchen, schließlich hätte seine Geschichte vom Waisenjungen Hugo Cabret doch so gut in die besinnliche Weihnachtszeit gepasst. Macht nichts, denn auch die jetzt noch sehr trüben Tage kann man nutzen, um sich in einem kuschligen Kinosessel von Scorsese ein bisschen Wärme ins Herz zaubern zu lassen.
Obwohl der zwölfjährige Hugo Cabret die Hauptfigur des gleichnamigen Films ist, erzählt dieser eigentlich die berührende Lebensgeschichte des Filmpioniers Georges Méliès. Zeit seines Lebens ist Méliès ein Tüftler und Bastler mit unbändiger Fantasie. Er tritt als Magier auf, bis er kurz vor der Jahrhundertwende das erste Mal bewegte Bilder auf einer Leinwand sieht und sich gänzlich dem Film verschreibt. In liebevollster Kleinarbeit produziert Méliès in wenigen Jahren über 500 Filme. Doch der zunehmenden und billigeren Konkurrenz entstehender Filmstudios ist er bald nicht mehr gewachsen und gibt sein Schaffen auf. Über den Ersten Weltkrieg geraten seine Werke in Vergessenheit, sodass er ab Mitte der 1920er Jahre seinen Lebensunterhalt mit einem kleinen Spielzeugladen auf einem Pariser Bahnhof verdienen muss. Hier kreuzen sich seine Wege mit denen von Hugo Cabret, der die gigantischen Uhren des Bahnhofs wartet und Méliès regelmäßig kleine Bauteile stiehlt. Doch die beiden verbindet weitaus mehr als der gemeinsame Arbeitsplatz.
Optisch ist „Hugo Cabret“ ein wahres Feuerwerk märchenhafter, bezaubernder Bilder wie aus einer anderen Welt und einer der wenigen Filme, die sich in 3D wirklich lohnen. Die Kulisse von Paris, Anfang der 30er-Jahre, in Einklang mit dem fantastischen Soundtrack nehmen den Zuschauer sofort mit auf die Reise zu den Ursprüngen des Kinos. Unverkennbar ist allen Szenen Martin Scorseses passionierte Liebe zum Film anzumerken und man selbst ist einmal mehr fasziniert von der Wirkung bewegter Bilder.
Auch die Story, basierend auf dem Kinderbuch „Die Entdeckung des Hugo Cabret“, behandelt anrührend die Suche nach Bestimmung und Lebensaufgabe jedes einzelnen Charakters. Dennoch verläuft der Film relativ langsam und hat bei mehr als zwei Stunden Laufzeit auch einige Längen. Die albernen Auftritte von Sacha Baron Cohen als Stationsaufseher sind der Geschichte wenig zuträglich und einige Logik-Fragen bleiben bis zum Schluss unbeantwortet.
Nichtsdestotrotz verlässt man den Kinosaal mit einem glückseligen Gefühl, berauscht und froh darüber, dass die eigenen Augen in den vergangenen zwei Stunden so viel Schönes sehen durften. Da hat das Logikzentrum im Gehirn kurz mal Sendepause.
Ab 9. Februar im Kino
Foto: Paramount

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