Würde es auffallen, wenn plötzlich ein Mensch aus unserer Mitte spurlos verschwände? Würden wir Fragen nach seinem Verbleib stellen? Oder wären wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt? Wir würden den Verlust vielleicht erst realisieren, wenn es schon zu spät ist. Wenn wir vor vollendeten Tatsachen stehen.
Margot wird vermisst. Ihre Wohnung wurde bereits anderweitig vermietet. An der Universität hat man sie auch schon lange nicht mehr gesehen. Allein Bob Dylan zeugt von ihrer Existenz. Doch ihre Freunde Gudrun, Max und Peter scheinen andere Probleme zu haben.
Die Schwangerschaft der Freundin, der schwüle Sommer in Wien und der hektische Betrieb eines Restaurants. Die Drei schwelgen in Erinnerungen und begeben sich allmählich auf die Suche nach ihrer Freundin Margot, der Studentin, der Alkoholikerin und der Wienfetischistin.
Was auf den ersten Blick als belletristischer Reiseführer für Wien daherkommt, entwickelt sich bei genauerer Betrachtung als eine Hommage an Ingeborg Bachmann. Intensive Beziehungsgeflechte und skizzenartige Szenenbilder führen den Leser in eine Welt der Melancholie, der Hoffnung und der Resignation. Mit Hilfe einer ungemein klugen und frischen Erzählperspektive gelingt es, die Spannung von einem Kapitel zum nächsten zu erhöhen, so dass man im letzten Drittel des Romans dem Schluss entgegen jagt. In der Hoffnung, eine Auflösung zu finden über das Schicksal Margots, der rätselhaften Erscheinung der Erzählerin und dem Sinn des Verschwindens.
Am Ende möchte man sich beinahe bei der aus dem oberöstereichischen Steyr stammenden Autorin bedanken, dass sie sich die Zeit nahm, uns den Wiener Mikrokosmos der vier Freunde zu zeigen. „Verlass die Stadt“ ist der Debütroman von Christina Maria Landerl, die am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierte.
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