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Schlampen marschieren jetzt auch in Leipzig

Kurze Röcke, halbnackte Frauen und plakative Slogans - wer sich das vom Slutwalk, zu deutsch also vom Schlampenmarsch am Samstag in Leipzig erwartet hatte, wurde wahrhaftig enttäuscht. Bei bestem Sonnenwetter zogen zumeist normal gekleidete junge Frauen und Männer vom Connewitzer Kreuz in die Leipziger Innenstadt. Der von Frauenverbänden, aber auch dem StudentInnenRat der Uni Leipzig organisierte Marsch wandte sich gegen den, nach Ansicht der Teilnehmer in der Gesellschaft verbreiteten Sexismus und Rassismus. An der Demonstration beteiligten sich nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Veranstaltern etwa 400 Menschen. Die Stimmung unter den Demonstranten war fröhlich und ausgelassen.

Der Slutwalk ist der erste seiner Art in Leipzig. Ursprünglich stammt die Protestbewegung aus Kanada. Den Anlass für den ersten Slutwalk gab ein Polizist Anfang des Jahres in Toronto. Dieser empfahl Frauen öffentlich, sich „nicht wie Schlampen anzuziehen, um nicht Opfer” von sexueller Gewalt zu werden. Dies sorgte weltweit für Empörung. Nun ist die Protestwelle mit einiger Verzögerung auch in Leipzig angekommen. Corinna Marie Wolff, eine der Organisatorinnen des Slutwalk Leipzigs, ist froh, dass „wir das überhaupt gemacht haben. Mit Sicherheit haben wir heute Leute erreicht und zum Denken angeregt.”

„Es gibt einen Vergewaltigungsmythos, der von dem Polizisten aus Toronto losgetreten wurde. Natürlich gibt es eine Resonanz auf Kleidung und eine gewisse Verantwortung, aber ich möchte mir doch nicht durch das Begehren anderer Menschen vorschreiben lassen, was ich mir anzuziehen habe“, erläutert Wolff ihre persönliche Motivation. „Selbst wenn ich nackt durch die Stadt laufe, hat niemand das Recht, mich anzufassen.” Ähnlich sieht es auch die 33-jährige Demonstrantin Carmen Breitbach: „Es wird Zeit, dass sich etwas ändert!”

Die Protestierenden trugen Schilder mit Sprüchen wie 'Auf Sex kein Bock trotz Minirock', 'Bock auf Ficken – Nicht mir Dir' und 'It's a dress not a yes' mit sich. Auch in Redebeiträgen forderten die Teilnehmer des Slutwalks ein gesellschaftliches Umdenken in Bezug auf den stets verankerten Sexismus und Rassismus. Immer wieder betonten sie, dass sie auch von sexualisierter Gewalt und nicht nur von sexueller Gewalt sprechen. Diese Sichtweise – so erhoffen sich die Initiatoren des Slutwalks – soll nun auch in der Gesellschaft einziehen.

Um dieses Umdenken weiter zu fördern, möchten es die Organisatoren des Slutwalks nicht bei einer einmaligen Aktion beruhen lassen. „Wir bleiben in der Gruppe aktiv und natürlich weiterhin im Gespräch. Wir machen hoffentlich weitere Infoveranstaltungen”, antwortete Wolff.

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