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Pharmazie vor dem Aus

Uni-Rektorat stellt Pläne zur Umsetzung der ersten Kürzungswelle vor

Die ersten Karten liegen auf dem Tisch: Das Rektorat der Universität Leipzig stellte auf der heutigen gemeinsamen Sitzung von Senat und Hochschulrat seine Pläne zur Umsetzung der ersten Kürzungswelle bis 2014 vor. Entsprechend den Forderungen des sächsischen Wissenschaftsministeriums (SMWK) muss die Hochschule 2013 und 2014 jeweils 24 Planstellen einsparen. Bis 2020 sollen insgesamt 169 Stellen entfallen.

"Die Pharmazie ist der große Brocken in dieser Kürzungsrunde", erläutert Rektorin Beate Schücking. Das Institut, das einzige seiner Art in Sachsen, soll komplett geschlossen werden. Dadurch würden 21 Stellen wegfallen. Die weiteren Kürzungen verteilen sich über mehrere Fakultäten: So sollen in der Philologie insgesamt sechs Stellen wegfallen, wobei wohl insbesondere die Komparatistik betroffen wäre. Die Fakultäten für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften (GKO), für Mathematik und Informatik, für Wirtschaftswissenschaften und für Sozialwissenschaften und Philosophie sollen jeweils zwei Stellen abgeben. Zudem sollen die Universitätsbibliothek sechs und die Zentralverwaltung sieben Stellen besteuern.

Kritik am SMWK

Vor der Bekanntgabe der Kürzungspläne stellte Thomas Lenk, Prorektor für Entwicklung und Entwicklung, das Entscheidungsinstrumentarium des Rektorats vor. Dabei kritisierte er zunächst die Kürzungsvorgaben des Landes: "Im Ergebnis sagen wir: 'Das was die Landesregierung vorhat, teilen wir nicht'." Lenks Hauptkritikpunkt waren die Studierendenprognosen des SMWK, die dem Hochschulentwicklungsplan (HEP) zugrunde liegen. So führte er an, dass die Differenz zwischen der vom SMWK prognostizierten und der tatsächlichen Studentenzahl in Sachsen 2011 knapp 16 Prozent beträgt. Im Falle der Uni Leipzig ist die Diskrepanz sogar noch größer: Statt der veranschlagten 4.275 Studienanfänger verzeichnete die Hochschule in diesem Jahr 7.126 Neuimmatrikulationen. "Ein deutliches Zeichen der Überlast", fand der Prorektor. Das Rektorat ziehe daher das Fazit, dass der geforderte Stellenabbau nicht vertretbar sei. Zugleich kritisierte Lenk die Ausgaben des Landes für Werbemaßnahmen wie "Pack dein Studium" und "Studieren in Fernost": "Die Werbung können wir uns sparen. In den nächsten fünf Jahren kommen die Studenten auch so."

Böse aufgestoßen ist dem Rektorat zudem der Zeitdruck, unter den es vom SMWK gesetzt wurde. Vor einem Monat ging in der Uni ein Schreiben ein, in dem die Hochschulleitung aufgefordert wurde, bis zum 22.12. die konkreten Stellenkürzungspläne für 2013 und 2014 vorzulegen. Dabei ist die Fertigstellung des uniinternen Hochschulentwicklungsplans, der die Richtung des künftigen Profils der Alma mater vorgeben und eigentlich die Grundlage jedweder Kürzungsüberlegungen bilden sollte, erst für das Ende des Wintersemesters geplant. Schücking kritisierte, dass die konkrete Benennung der zu streichenden Stellen logisch eigentlich erst der dritte Schritt sein dürfe. Denn auf den Hochschulentwicklungsplan müsse zunächst noch die Zielvereinbarung zwischen Uni und SMWK folgen.

"Strukturiertes Vorgehen"

Trotz aller Kritik entschied sich das Rektorat nicht - wie mehrfach von Studenten gefordert - zur totalen Verweigerung der Kürzungen, sondern für ein "strukturiertes Vorgehen", wie Lenk betonte. Als Grund dafür nannte er die Sorge, dass das Finanzministerium die Kürzungen im Falle einer Verweigerung einfach selbst vornehmen könnte.

Stattdessen entwickelte die Hochschulleitung ein Instrumentarium, mit dem sie Stärken und Schwächen der Uni evaluieren möchte und dass nicht nur zur Umsetzung der Stellenkürzungen genutzt werden, sondern auch künftig zur Hochschulsteuerung und Profilentwicklung dienen soll. Dabei werden die einzelnen Institute und Studiengänge mit einer Reihe von Indikatoren, wie etwa dem Verhältnis von Lehrkapazität und -bedarf, Forschungsaktivität oder regionalen Konkurrenzangeboten, bewertet. "Es geht nicht darum jemanden zu brandmarken: 'Du bist schlecht', sondern wir wollen gucken, wo sind wir zukunftsfähiger", erläutert Lenk das Anliegen des Instrumentariums, das, wie er selbst einräumte, noch verbesserungswürdig sei.

Dementsprechend weniger zukunftsfähig scheint offenbar die Pharmazie zu sein. "Wir haben an der Universität eine Einheit, die ich eigentlich nicht missen möchte", kommentierte Schücking die Schließungsankündigung. Allerdings sei das Institut von vornherein zu schwach ausgestattet gewesen. Zudem gäbe es in unmittelbarer Nachbarschaft, in Halle, ein mit 15 Professuren deutlich größeres und auch gut aufgestelltes Pharmazieinstitut, erläutert sie die Entscheidungsgründe.

Eine Schließung würde zugleich den Wegfall der Pharmaziestudiengänge bedeuten, die derzeit jährlich 46 Anfänger aufnehmen, von denen mehr als 80 Prozent ihr Studium erfolgreich abschließen. Da das Rektorat zumindest in der ersten Kürzungsrunde betriebsbedingte Kündigungen vermeiden will, zeigte Schücking Perspektiven für die betroffenen Mitarbeiter in anderen Fachbereichen, wie etwa der Biochemie, auf: "Die Jüngeren unter den Mitarbeitern werden nach der Abwicklung des Instituts an dieser Uni sinnvoll weiterbeschäftigt werden."

Politikwissenschaft bleibt erhalten

Durchatmen kann hingegen das Institut für Politikwissenschaft. Dieses soll nach den Plänen zwar eine Professur sowie eine Mitarbeiterstelle verlieren, bleibt damit jedoch weiter bestehen. Im Sommer hatte Schücking ein Moratorium über die drei dort laufenden Berufungsverfahren verhängt und damit Spekulationen über eine drohende Schließung des Instituts in Gang gesetzt. (student! berichtete). Die Rektorin betonte heute allerdings, dass sich die Politikwissenschaft künftig stärker der Lehramtsausbildung widmen müssen.

Die weitere Entwicklung der Kürzungspläne wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Am Nachmittag gab es im Senat hitzige Debatten über das weitere Vorgehen. Dabei stritten sich die Senatoren auch um die Frage, ob das Gremium dem Stellenabbau als Teil der Hochschulentwicklung zustimmen müsse - und damit diese Zustimmung auch verweigern könne - oder ob er lediglich Stellung beziehen darf. Die Debatte fand zu Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Am Donnerstag wird sich das Rektorat zu einer weiteren Beratung und eventuell auch Beschlussfassung der Kürzungspläne treffen.

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