Kurz vor Weihnachten hat die sächsische Landesregierung ein Bildungspaket geschnürt. Mit mehr Studienplätzen, Referendarstellen und einem Bildungs-Campus Sachsen will sie den drohenden Lehrermangel der kommenden Jahren abwehren und die Qualität der Ausbildung verbessern.
Die Zahl der Studienanfängerplätze für Lehramtsstudenten soll in den kommenden Jahren von derzeit 1.000 auf 1.700 erhöht. Um dies zu erreichen, plant die schwarz-gelbe Koalition künftig, wieder eine Grundschullehrerausbildung in Chemnitz einzurichten.
Analog zu den Studienplätzen soll auch die Zahl der Referendarstellen von derzeit 900 auf 2.050 im Schuljahr 2014/15 erhöht werden. Knapp 100 nach Leistung ausgewählte Referendare werden zukünftig eine Übernahmegarantie erhalten. Bis 2015 will der Freistaat insgesamt 2.200 neue Pädagogen einstellen.
Neben den quantitativen Steigerungen möchte die Landesregierung auch die Qualität der Lehrerausbildung verbessern. Dazu ist eine Lehrerexzellenzinitiative geplant. Konkret soll ein "Bildungs-Campus Sachsen" unter Leitung der Universität Leipzig eingerichtet werden, der die Angebote der einzelnen Ausbildungsstandorte vernetzen soll. Das Kultusministerium geht davon aus, dass das Maßnahmenpaket insgesamt knapp 200 Millionen Euro kosten wird. Woher dieses Geld genommen wird, möchte die Regierung in den kommenden Haushaltsklausuren klären.
Steffen Flath, Fraktionsvorsitzender der CDU im sächsischen Landtag, bezeichnete das Bildungspaket als "ehrgeizig", wies jedoch zugleich daraufhin, dass es sich dabei um einen Kompromiss handele: "Sicher hätten sich Bildungspolitiker in dem einen oder anderen Bereich mehr gewünscht, während für Finanzpolitiker die Zugeständnisse an den Bildungsbereich wiederum zu weitgehend sind. Das Paket ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Es ist ein aber guter und tragbarer Kompromiss." Ähnlich fällt die Bewertung des FDP-Fraktionsvorsitzenden Holger Zastrow aus: "Mit dem Beschluss des Koalitionsausschusses beweisen wir erneut, dass wir in der Lage sind, gemeinsam die drängenden Probleme in Sachsen zu lösen."
Bis 2020 quittieren knapp 7.800 Lehrer in Sachsen aus Altergründen den Dienst. Opposition, Gewerkschaften und auch studentische Vertreter hatten der Landesregierung wiederholt vorgeworfen, die Augen vor dem Problem des drohenden Lehrermangels zu verschließen. Doch auch das jetzt vorgestellte "Bildungspaket 2020" stößt vielerorts auf Kritik. So äußerte Sabine Gerold, Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW: "Ich fühle mich sehr an vorweihnachtliche Zuckerwatte erinnert: Wenig Substanz wird groß aufgeschäumt. Das, was heute - mit vielen schönen Attributen versehen - als Bildungspaket präsentiert wurde, schmilzt bei näherem Hinsehen zu einem sehr kleinen Päckchen zusammen. Der einzige tatsächliche Zuwachs ist bei den Studienplätzen und den Stellen für den Vorbereitungsdienst zu erkennen." Der Rest des Bildungspakets bedeute unter dem Strich Stellenabbau, so Gerold.
Deutliche Unmutsbekundungen gab es seitens der Uni Leipzig zur geplanten Einführung der Grundschullehrerausbildung in Chemnitz: "Diese Entscheidung missachtet die an der Universität Leipzig bereits erfolgreich etablierten Strukturen im Bereich der Lehrerbildung. Sowohl die grundständige Ausbildung als auch die Fort- und Weiterbildung bieten wir auf qualitativ hochwertigem Niveau bereits für 500 Studienanfänger an", erklärte Claus Altmayer, Prorektor für Bildung und Internationales.
Rektorin Beate Schücking betonte den Führungsanspruch der Uni bei der sächsischen Lehramtsausbildung: "Wir sind das Zentrum für Lehrerbildung in Sachsen und wissen, welch hohen Bedarf an gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern das Land in den nächsten Jahren haben wird. Wir wären in der Lage, diesen Bedarf mit unserem vorhandenen Fächerspektrum umfassend abzudecken, wenn wir die entsprechende Unterstützung der Landesregierung erhielten. Schon jetzt übersteigen die Bewerbungen die Anzahl unserer Studienplätze um ein Vielfaches."
Doch auch in Chemnitz selbst gibt es Kritik an der geplanten Grundschullehrerausbildung. So äußerte der Studentenrat (Stura) der Technischen Universität (TU) in einer Pressemitteilung: "Es ist zweifelsfrei nötig, die bestehenden Kapazitäten zur LehrerInnenausbildung zu erhöhen, daher ist die vorgesehene Stärkung der Lehramtsausbildung in Dresden und Leipzig zu begrüßen. Inwieweit die Wiedereinführung in Chemnitz aber angesichts der, ebenfalls im Hochschulentwicklungsplan angekündigten, bevorstehenden massiven Kürzungen sinnvoll ist, bleibt fraglich, denn bereits jetzt fehlt es in Chemnitz an vielen Stellen an Lehrpersonal."
Dirk Leichsenring, Stura-Referent für Hochschulpolitik wies daraufhin, dass der Schwerpunkt der Chemnitzer Pädagogik auf der Erwachsenbildung liege und eine Wiedereinführung des Grundschullehramts einen erheblichen finanziellen und personellen Aufwand bedeuten würde. "Der schnelle Bedarf an Grundschullehrern wird daher nicht durch Chemnitzer Absolventen gedeckt werden können, da der Aufbau der Lehramtsausbildung längere Zeit dauern wird", so Leichsenring.
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