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Medizin für alle?

Sich einen Studienplatz erklagen: Sinnlos und unfair

Länger auf einen Studienplatz zu warten, als das Studium in der Regel dauert: Das scheint paradox, ist aber immer öfter der Fall. Nur weil man nicht den besten Abiturschnitt erreicht hat, soll man also auf sein Wunschstudium verzichten? Widerspricht das nicht der Verfassung, die jedem Bürger freie Berufswahl zusichert?

Jemand, der Arzt werden will, sollte also trotz eines mittelmäßigen Abiturs Medizin studieren dürfen, ohne ein halbes Leben lang darauf zu warten. Das klingt absolut logisch. Aber wie soll man das umsetzen bei der Masse an Bewerbern? Die Kapazitäten der Universitäten sind aufgebraucht, unzählige Bewerber müssen sich entweder gedulden oder anders orientieren. Und wenn man dann nach sechs Jahren immer noch keine Zusage bekommen hat? Weiter warten? Und wie lange soll man dann noch Geduld aufbringen?

Aber die eigentliche Frage ist doch: Warum bekommen andere den Vorzug? Freie Wahl des Berufs hat meiner Meinung nach nichts mit einem zugesagten Studienplatz innerhalb einer bestimmten Zeit zu tun. Wenn eine Universität ausgelastet ist, muss man sich nun mal umorientieren. Jeder Student hat das Recht, ausreichend ausgebildet zu werden. Es bringt doch nichts, wenn jeder Bewerber aufgenommen wird,  dann aber nicht mit den nötigen Mitteln auf den gewünschten Beruf vorbereitet wird. Das ist in meinen Augen der Gesetzesverstoß gegen die freie Berufswahl.

Wenn ein Abiturient mit einem Schnitt von 3,5 keinen Platz im Medizinstudiengang bekommt, dann sollte er sich nicht beschweren. Das muss nicht einmal bedeuten, dass er zu dumm für den Arztberuf ist, sondern, dass er sich nicht mit der ausreichenden Motivation um ein Medizinstudium gekümmert hat. Warum aber sollte ein Studienbewerber, der sich in der Schule um ein Spitzenabitur bemüht hat, seinen Platz räumen für einen Bewerber, der sechs Jahre gewartet hat?

Das Recht auf freie Berufswahl hatten beide – schon in der Schule. Aber auf der anderen Seite sollte nicht vergessen werden, dass durch den Wegfall der Wehrpflicht die Zahl der Bewerbungen auf Studienplätze explosionsartig nach oben geht. Und das wird in den nächsten Jahren auch nicht abflauen, da in immer mehr Bundesländern das Abitur nach zwölf Jahren absolviert werden kann und somit zwei Jahrgänge gleichzeitig mit der Schule fertig werden. Das ist auch nicht erst seit gestern bekannt. Darauf sollten sich die Bildungseinrichtungen, aber auch die Politik vorbereiten und dafür sorgen, dass die Kapazitäten der Universitäten erhöht werden. Wenn die Bundesrepublik dem Ruf einer Bildungsnation gerecht werden will, muss mehr Geld dafür fließen.

Das Einklagen in einen Studiengang ist meines Erachtens nach keine Art, sein Wunschstudium zu beginnen. Dadurch erhalten zwar ein paar Leute ihr Recht auf freie Berufswahl – wobei das ja nur die Ausbildung betrifft – allerdings muss die gleiche Anzahl auf ihr Recht verzichten. Das kann doch keine Lösung sein.

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