Battlefield 3 erhitzt die Gemüter von Jugendschützern und Spielern gleichermaßen. Wo die einen von Kriegsverherrlichung und stumpfsinniger Gewalt sprechen und ein bundesweites Verbot fordern, trafen PC-Spieler auf ein ganz anderes Problem: Origin. Die hauseigene Electronic Arts Software ist neben einer permanenten Internetverbindung zwingende Voraussetzung, um die PC-Version des Spiels starten zu können. Nach der Installation und Zustimmung zu der teilweise bedenklichen Endbenutzer-Lizenzvereinbarung (Eula) scannt Origin die Hardware, IP-Adresse, den Browsercache und persönlichen Verlauf im Internet. Wer dem nicht zustimmen will, kann das Spiel nicht spielen.
Bei solch kundenfeindlichem Verhalten von Electronic Arts werden die Unsicherheit und der Ruf nach zusätzlicher Sicherheit und Anonymität am PC und Internet natürlich größer. In der Tat gibt es Möglichkeiten, sich gegen die zunehmenden spionageähnlichen Methoden diverser Anbieter zur Wehr zu setzen.
In Leipzig setzt sich der Verein sublab für Anonymisierung und Sicherheit am PC ein. Thomas Jensch ist dort Mitglied. Er engagiert sich bei der Free Software Foundation Europe und hält zum Spannungsfeld Software und Gesellschaft auch Vorträge: „Heutzutage kann man beinahe durch alle Aktivitäten im Internet vollständig identifiziert werden“, meint Jensch, „primär anhand der IP-Adresse sowie der eigenen individuellen Browserkonfiguration – Cache, Cookies, Plug-Ins, Addons. Daher ist anonymes Surfen schwieriger, aber dennoch nicht unmöglich geworden.“
Die mitunter populärste, aber unsicherste Variante für anonymes Surfen ist das Ausweichen auf einen Proxy-Server. Der Proxy (übersetzt: Stellvertreter) übernimmt dabei die Kommunikationsschnittstelle in einem Netzwerk und spielt den Vermittler bei Anfragen, die er annimmt und über die eigene Adresse eine Verbindung zur anderen Webseite aufbaut. Das größte Risiko dabei ist die Ungewissheit, wer den Proxy-Server betreibt und dabei gleichzeitig die volle Kontrolle über die Sitzung hat, daher ist die Anonymität nicht garantiert.
Mitunter sind auch Modifikationen für die jeweiligen Internetbrowser von Vorteil, zum Beispiel für Firefox. Das Add-on „NoScript“ blockiert versteckte Scripte auf Internetseiten, „Priv3“ blockiert die „Gefällt mir“- Buttons der sozialen Netzwerke und „TrackMeNot“ anonymisiert gestellte Suchanfragen bei Google.
Eine der sichersten Methoden für anonymisiertes Surfen im Netz ist die Benutzung sogenannter VPN-Zugänge, die den Arbeitsmethoden der Proxys ähneln. VPN bedeutet virtuelle private Netze, sie verbinden den einzelnen Benutzer ausschließlich mit der Anschlussstelle des anderen Netzes, wodurch man im Gegensatz zum Proxy ohne Mittelsmann Teilnehmer des anderen Netzes ist. Durch die Verschlüsselung ist eine hohe Anonymität garantiert. VPN-Zugänge kosten zwar eine monatliche Gebühr von fünf bis zehn Euro, sind aber absolut legal.
Man kann auch am heimischen PC direkt ansetzen, meint Jensch: „Allgemein hängt die Sicherheit im Internet häufig auch direkt von der eigenen PC-Konfiguration ab. Durch sogenannte Virtualisierungssoftware kann man einen Computer im Computer erzeugen. Wie in einem Sandkasten ist Surfen mit diesem Betriebssystem im Fenster ohne Gefahren für das Hauptsystem möglich. Und wenn man sich doch Viren oder Trojaner einfängt, schließt man einfach das Fenster oder setzt das virtuelle System zurück.“
Jensch ist überzeugt, dass die Sicherheit und Stabilität des eigenen Systems eine wichtige Voraussetzung für sicheres und anonymes Surfen im Internet sind, daher empfiehlt er eher andere Programme als das bekannte Betriebssystem von Microsoft: „Windows 7 ist trotz mehrerer Updates immer noch anfällig für alle Arten von Schadsoftware und daher eher nur für Spiele geeignet. Zum Arbeiten empfehle ich als Betriebssystem GNU/Linux – mit Distributionen wie Ubuntu, Fedora oder Debian stehen hier Komplettpakete zur Verfügung, die sehr gut für Einsteiger geeignet sind, schick aussehen und durch einen logischen und vor allem sicheren Aufbau punkten.“
Studenten der Uni Leipzig haben generell den Vorteil, dass sie sich mit ihren individuellen Zugangsdaten in das Netzwerk einloggen und ihre Daten somit geschützt sind. Weiterhin besitzen sie eine verstärkte rechtliche Sicherheit.
Jensch meint: „Mit VPN-Netzwerken oder virtuellen Systemen kann man sich in der heutigen Zeit gegen Angriffe auf die Privatsphäre und Systemsicherheit schützen und seine Identität im Internet verschleiern. Wenn man dazu noch aufmerksam surft und die Augen offen hält, kann man vielen Gefahren rechtzeitig aus dem Weg gehen.“ Jensch und seine Kollegen werden ab Januar im sublab regelmäßig einen Stammtisch abhalten, bei dem man sich Schutz- und Anonymisierungsmaßnahmen im Internet gezielt aneignen kann.
Electronic Arts hat indes nach intensivem Druck durch die Spieler-Community die Eula leicht abgeändert, Origin durchleuchtet trotzdem immer noch die PCs der Nutzer. Den Großteil der Verbraucher scheint Origin allerdings nicht zu stören. Über zehn Millionen Exemplare gingen nach gut einem Monat über die Verkaufstheke.
Sublab e.V.: Karl-Heine-Straße 93 Plagwitz www.sublab.org
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