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Mögliches Umdenken in Dresden

SMWK bestätigt Rekordstudentenzahlen an sächsischen Hochschulen - Ministerin von Schorlemer deutet Kurskorrektur in der Hochschulpolitik an

"Hoch erfreut" zeigte sich das Sächsische Wissenschaftsministerium (SMWK) als es am Montag die Studentenzahlen 2011 für den Freistaat vermeldete. 111.635 Studenten, davon 21.478 Erstsemester, waren im vergangenen Jahr an den Hochschulen des Freistaates eingeschrieben, so viel wie nie zuvor. Am stärksten frequentiert waren dabei ingenieurswissenschaftliche Studiengänge mit über 30.000 Studenten.

Gestiegen ist vor allem der Anteil nichtsächsischer Studierender. Von den knapp 100.000 Studenten mit deutscher Staatsbürgerschaft stammten 46 Prozent nicht aus Sachsen. Die meisten von ihnen kommen aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Stark zugenommen hat jedoch auch die Zahl der westdeutschen Studienanfänger. Sie stieg 2011 von 3.304 auf 5.028.

Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer sieht in dem Zuzug von Studienanfänger vor allem hinsichtlich des demographischen Aspekts eine große Chance für Sachsen: "Wie die neuesten Zahlen zeigen, sind die sächsischen Hochschulen die Eingangspforte für junge engagierte, leistungsfähige und -willige Menschen in unserem Freistaat. Und da wir eines der demografisch ältesten Länder der Bundesrepublik Deutschland sind, benötigen wir diese Menschen dringender denn je."

Das SMWK erwartet, dass sich die hohen Studentenzahlen auch in den kommenden Jahren fortsetzen werden: "Anders als bisher angenommen, wird sich die hohe Auslastung in den nächsten Jahren weiter fortsetzen. Obwohl sich diese Entwicklung in den vergangenen Jahren bereits andeutete, war sie in diesem beachtlichen Umfang nicht von der Kultusministerkonferenz vorhergesagt."

Mit der gezeigten Überraschung über die gestiegenen Studentenzahlen steht das SMWK jedoch weitgehend allein da. Die Hochschulen des Landes, insbesondere die Universitäten in Leipzig und Dresden, Opposition und Studentenvertreter verweisen schon seit Monaten auf die deutlich erhöhten Immatrikulationszahlen und stellen damit die Sparpolitik der Landesregierung in Frage. Diese will bis 2020 knapp 1.000 Stellen an den sächsischen Hochschulen abbauen und hatte zur Begründung dieses Vorhaben bisher neben dem schrumpfenden Haushalt vor allem auf Prognosen sinkender Studierendenzahlen verwiesen.

Nun zeichnet sich möglicherweise ein Umdenken im SMWK ab. Von Schorlemer kommentiert die Zahlen abschließend mit dem vielsagenden Satz: "Die Hochschulpolitik des Freistaates Sachsen wird sich dieser neuen Situation annehmen und Antworten finden müssen."

Karl-Heinz Gerstenberg, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen hat konkrete Vorstellungen wie diese Antworten kurzfristig aussehen könnten: "Die Staatsregierung darf die Hochschulen mit dieser Überlast nicht allein lassen. Deshalb muss der geplante Stellenabbau gestoppt werden. Wenn es noch eines Beweises bedürft hätte, dass die für 2013 bis 2015 anstehenden Stellenkürzungen in Höhe von 100 pro Jahr ein Irrweg sind, so ist dieser jetzt erbracht." Das Allzeithoch an den sächsischen Hochschulen sei kein kurzfristiger Effekt, so Gerstenberg: "Die entsprechende Einsicht von Staatsministerin Sabine von Schorlemer kommt spät, aber nicht zu spät."

Ähnlich äußerte sich auch die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS). In ihrer Pressemitteilung vom Montag heißt es: "Am heutigen Tag konnte sich das Ministerium für Wissenschaft und Kunst den seit Monaten eigentlich bekannten Realitäten nicht mehr verschließen." Als Konsequenz fordert auch KSS-Sprecher Michael Moschke, die sofortige Aussetzung der geplanten Kürzungen sowie "eine ehrliche Bestandsanalyse des tatsächlichen personellen und finanziellen Bedarfs der Hochschulen".

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