Die deutschen Hochschulen werden in den kommenden Jahren jährlich knapp 75.000 Studienanfänger mehr verzeichnen als bisher erwartet. Dies geht aus einer aktuellen Prognose zur Entwicklung der Studentenzahlen hervor, die die Kultusministerkonferenz (KMK) Ende vergangener Woche veröffentlichte. Zwar sei das Maximum an Studienanfänger bereits 2011 erreicht worden, bis 2019 werden die Zahlen jedoch deutlich über 450.000 verbleiben, heißt es in der Prognose. Demnach soll das Niveau von 2010 (442.000) frühestens 2021 wieder unterschritten werden. Noch 2006 immatrikulierten sich lediglich 345.000 junge Menschen.
Mit der aktuellen Prognose korrigiert die KMK ihre eigenen Vorhersagen von 2009 deutlich nach oben. Allein für den Zeitraum von 2011 bis 2015 werden nunmehr insgesamt 357.000 Studenten zusätzlich erwartet. Als Ursachen für den Anstieg sehen die Autoren neben einem wachsenden Anteil an Schulabsolventen mit Hochschulreife, auch die Aussetzung der Wehrpflicht und den Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung über berufliche Qualifikation.
Für den Freistaat Sachsen werden für die Jahre bis 2025 stabile Studienanfängerzahlen zwischen 17.000 und 18.000 prognostiziert. Dies sind gegenüber der Vorhersage von 2009 jährlich jeweils knapp 3.500 Neuimmatrikulationen mehr. Angesichts der aktuellen Prognosen forderten die Hochschulexperten von SPD und Linke die sächsische Staatsregierung auf, von der geplante Kürzung von 1024 Stellen an den sächsischen bis 2020 Abstand zu nehmen.
Der freie Zusammenschluss von Studierendenschaften (FZS) mahnte die Politik an, auch für die notwendige finanzielle Ausstattung der Hochschulen zu sorgen. Nach Angaben des FZS fehlen bis 2020 noch rund 10 Milliarden Euro, um hinreichend Bachelor-Studienplätze zur Verfügung stellen zu können. Hinzu kämen die Masterstudienplätze, betont FZS-Vorstand Torsten Rekewitz: "Die Länder müssen jetzt schnell die finanziellen Weichen stellen, um den jährlich 450.000 Studienanfänger, die in den nächsten Jahren an die Hochschulen wollen, und den Studierenden, die nach ihrem Bachelorabschluss ein Masterstudium aufnehmen wollen, ausreichend Kapazitäten zu bieten. Und auch der Bund darf sich nicht länger aus der Verantwortung stehlen. Der Hochschulpakt muss angepasst werden und das Kooperationsverbot fallen, damit die Länder nicht alleine im Regen stehen." Zudem forderte Rekewitz, dass auch die Kapazitäten von Mensen und Wohnheimen den gesteigerten Prognosen angepasst werden müssten.
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