Mit das Beste an unserer pluralistischen Kultur ist für mich die Möglichkeit, über alles rumnörgeln zu können. Besonders über Dinge, die eigentlich niemanden interessieren, so wie Curling oder Halle an der Saale. Oder eben über alte, dumme Gesetze. So habe ich neulich erst erfahren, dass es nach §173 StGB tatsächlich saftige Haftstrafen für blutsverwandte Erwachsene gibt, die einvernehmlichen Verkehr haben. Da nörgelte ich prompt. Ich bin da spießig: Aus so was soll der Staat die Finger raushalten! „Der einvernehmliche Inzest Erwachsener muss legal werden!“, rief ich und wollte schon Flyer ausdrucken. Wo ist der Stura, wenn man ihn mal braucht? Wieso gibt's dieses Gesetz überhaupt noch? Was ist jetzt mit der freien Liebe und so, werte 68er Generation? Von wegen mündige Erwachsene und Freiheit des eigenen Schlafzimmers? Ja, schon gut. Bin ja nicht wirklich böse auf euch. Konntet ja nicht alles auf einmal erledigen. Manche Dinge dauern halt. Schließlich wurde mir klar: Auch für den Inzest wird die Zeit noch kommen. Die sexuelle Befreiung wird davor nicht Halt machen. Der altbackene Ekel wird dem Trend weichen, so wie bei jungen Wessis, die im Osten studieren. Ich sag´s euch: Inzest ist das Schwulsein von morgen!
Letztlich braucht es neben den obligatorischen Demos bloß genug berührende Romane, Krankenhausserien und Musikvideos von Lady Gaga. Liebesgeschichten kommen nun mal immer gut an. Und warum auch nicht? Bedenken wegen Missbildungen durch gleiche Genpools oder allgemeine Widernatürlichkeit sind in Zeiten von Samenbanken und „Frauentausch“ wirklich bloß noch albern. Generationen nach uns werden von Bestsellern wie „Huckleberry und Heidi Finn“ zu Tränen gerührt und ein steinalter Sean Penn kriegt für „Mothermilk“ schon wieder einen Oscar. Dann werden sich alle jener Werke erinnern, die damals einfach ihrer Zeit voraus waren: Klassiker von heute wie „Angel Sanctuary“ und „Oldboy“. Nicht mehr lang und wir werden wieder ganz langweilig einen männlichen, weißen Hetero im Kanzleramt haben, sagen wir den Urenkel von Frau Merkel. Das ist aber nicht schlimm, denn dann wird seine Schwester, Angela die Dritte, die Oberbürgermeisterin Berlins werden und sagen: „Wir sind inzüchtig, und das ist auch gut so.“
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