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Hellenischer Dauerprotest

Sparzwänge und Hochschulreformen treiben griechische Studenten seit Monaten auf die Straße

Wer zu den rund 190.000 Studenten gehört, die in Griechenland eine der 36 staatlichen Hochschulen besuchen, hat in den vergangenen Monaten vermutlich mehr Zeit auf der Straße als im Hörsaal verbracht. Im Juni war es das Sparpaket der alten griechischen Regierung, das junge Akademiker zu Demonstranten machte, im August eine umstrittene Universitätsreform, die ein jahrzehntealtes Gesetz kippte und so die Gemüter erhitzte. Und auch Mitte November demonstrierten wieder Tausende gegen die Bildungspolitik und Perspektivlosigkeit in ihrem Land.

Ein Paradies war Griechenland für Studenten schon länger nicht. Das Bildungsministerium diktiert den Hochschulen die genaue Anzahl an Plätzen pro Studiengang. Wo und was man studiert, darüber entscheidet eine zentrale Zulassungsprüfung. Auf einen Studienplatz kommen häufig dutzende Bewerber. Und oft sind die begehrten Studiengänge dann nicht einmal primärer Wunsch jener gewesen, die sie letztlich belegen.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Griechen ihre Bildung relativ wenig kosten lassen: Weniger als fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes fließen in Schulen und Universitäten; damit liegt Griechenland – genau wie Deutschland – deutlich unter dem OECD-Schnitt (2008: 5,7 Prozent). Beenden die Griechen ihr Studium, finden immer weniger von ihnen Arbeit. Aktuell liegt die Arbeitslosenquote der Hochschulabsolventen bei etwa 30 Prozent. So verwundert es nicht, dass im Ländervergleich überdurchschnittlich viele junge Leute ein Studium im Ausland beginnen und häufig auch nicht wieder zurückkommen.

Diejenigen Studenten, die in ihrer Heimat geblieben sind, waren seit Sommer einer nochmaligen drastischen Verschärfung ihrer Situation ausgesetzt. Wie Spiegel Online unter Berufung auf den europäischen Hochschulverband berichtete, müssen Universitäten und Technische Hochschulen im Zuge des Sparprogramms der Regierung Papandreou auf 30 Prozent ihres Budgets verzichten.

„Die Uni ist nicht mehr wiederzuerkennen. Sie drehen an allen Ecken und Enden das Geld ab. Es gibt nicht mehr genug Dozenten. Plötzlich sind wir viel zu viele Studenten in den Kursen“, klagt ein Student der Technischen Hochschule in Athen. Die Hälfte der wichtigen Praxiskurse sei gestrichen worden. Tausende Studenten besetzten deswegen wochenlang den Syntagma-Platz im Zentrum von Athen und lieferten sich teilweise Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Kaum hatte sich die Aufregung etwas gelegt, sorgte eine Hochschulreform im August für neuen Zündstoff. Diese legte eine größere Eigenverantwortung der Unis in Sachen Einwerbung finanzieller Mittel fest, beendete die Mitbestimmung der Studenten und kippte das Uni-Asyl, das zuvor fast vier Jahrzehnte lang Bestand hatte.
1974 war dieses als Reaktion auf die blutige Niederschlagung eines Studentenaufstandes durch die damals herrschende Militärjunta geschaffen worden. Seitdem war es der Polizei nur mithilfe komplizierter und seltener Genehmigungsverfahren gestattet, Universitätsgelände zu betreten. Doch in den letzen Jahren häuften sich die Missbrauchsfälle durch gewalttätige Autonome.

In seltener Einigkeit schafften Sozialisten und Konservative die Regelung im August ab. Etwa 1.000 Studenten demonstrierten daraufhin vor dem Parlament und bezeichneten die Abschaffung als „Kriegsgrund“. Sie bewarfen einen Professor mit Eiern und besetzten landesweit hunderte Fakultäten. Auch Universitätsleitungen schlossen sich dem Protest an und setzten die eigentlich für Anfang September vorgesehene Prüfungsperiode aus.

An Anlässen zu Demonstrationen mangelte es den griechischen Studenten auch anschließend nicht. Mitte November gingen wegen des Jahrestages der Protestniederschlagung wieder tausende Studenten auf die Straßen und äußerten erneut ihren Unmut über Hochschulreform und Kürzungen. Und ein weiteres Sparpaket, diesmal unter der Regierung Papademos, ist wohl nur eine Frage der Zeit.

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