Ich bin ein Unbekannter, identitätslos, da nicht präsent. Ich bin uninformiert, komme nach der Zeit. Ich stehe außen, gehöre nicht dazu. Und doch habe ich mir mein Exil selbst gewählt. Ich bin nicht bei Facebook! Eine kommunikative Bankrotterklärung. Wer nicht dabei ist, kann nicht mitreden. Wo war wer mit wem wann? Wann ist irgendwo was los? Facebook-Abstinenz verursacht ein Informationsdefizit. Mein werter Redaktionskollege wird nicht müde, mich mit „Stand doch bei Facebook“ darauf hinzuweisen.
Meine Abwesenheit setzt mich unter latenten Rechtfertigungsdruck. Warum also bin ich nicht bei Facebook? Ich bin kein Dinosaurier, auch kein Technikfeind. Fernsehen gucke ich nicht in schwarz-weiß, sondern zeitversetzt. Der Laptop ist mindestens so lebensnotwendig wie Sauerstoff. Gern verweise ich ganz rational auf datenschutzrechtliche Bedenken, die sicherlich keine ganz unbedeutende Rolle spielen, denen man jedoch nicht ohne Berechtigung entgegenhalten könnte, dass ich ja selbst entscheiden kann, welche Daten ich veröffentliche. Und schließlich war ich ja auch bei Myspace und studivz, beides keine Datenschutzengel. (Im Übrigen, beider Abstieg begann jeweils kurz nach meinem späten Beitritt – nur so als Warnung.) Der letzte Grund meiner Facebook-Verweigerung ist eher ein diffuses Gefühl der Abneigung. Die Abhängigkeit der Kommunikation ganzer Altersgruppen von einem unüberschaubar großen, wild datensammelnden Wirtschaftsunternehmen, ein riesiges, wachsendes Machtpotential, das letztlich nicht seinen Mitgliedern, sondern vor allem den Marktinteressen unterworfen ist – das erzeugt, so naiv es klingen mag, Unbehagen, ein Gefühl der Bedrohung. Dem verweigere ich mich!
Vorerst zumindest. Mein Widerstand ist ein Kampf, den ich schon längst verloren habe. Ich weiß es. Kein glorreicher Sieg am Ende, kein Märtyrertod mit 72 Jungfrauen im Jenseits – wer immer sich diesen Stress antun will. Die Spinne hat mich längst in ihrem Netz gefangen, auch wenn die Fäden noch im Dunkeln liegen. Der soziale Druck ist spürbar. Es gibt kein Entrinnen. Und dennoch streife ich noch einmal die alte klapprige Rüstung über und reite gegen den Riesen der Moderne. Vorwärts, Rosinante! Nur noch ein kleines Stück.
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