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Fence off

Antifaschistische Leipziger Kampagne kämpft gegen NPD-Zentrum in Lindenau

Sie springt einen förmlich an: An jedem Zeitungskiosk, in jeder Nachrichtensendung wird seit der Enttarnung der Neonazigruppe um Beate Zschäpe über die Bedrohung von rechts gesprochen. Dabei scheint es oft, als habe man eben diese lange Zeit unterschätzt oder nicht wahrnehmen wollen. Doch das war nicht überall so:

In Leipzig formierte sich im Februar die Kampagne „Fence off“, die vor Ort gegen rechte Umtriebe in der Messestadt kämpfen will. Ihr großes Ziel ist, „es der Naziszene so ungemütlich wie möglich zu machen“, erklärt Pressesprecherin Anita Dudow. „Sie überlegen sich dann nämlich gründlicher, ob sie ihre Propaganda in die Öffentlichkeit tragen oder sogar Leute angreifen“, so die 27-Jährige. Besonderen Anstoß nehmen die Aktivisten von „Fence off“ an den Geschehnissen in der Lindenauer Odermannstraße.

Dort, versteckt hinter einem grauen Zaun, eröffnete der NPD-Landtagsabgeordnete Winfried Petzold 2008 sein „Bürgerbüro“. Darüber hinaus soll dieser Ort laut „Fence off“ aber auch eine „Kaderschmiede für den rechten Nachwuchs“ sein. Denn neben Petzold residierten in der Odermannstraße auch Mitglieder des so genannten „Freien Netzes“, einer 2007 gegründeten losen Vereinigung „militanter Neonazis“, wie der Spiegel schreibt. Auch die „Blue Caps“, Hooligans des 1. FC Lok Leipzig, sollen sich in Lindenau heimisch gefühlt haben.

Zuletzt organisierte „Fence off“ am 26. November eine Demonstration gegen den Auftritt von Karl-Heinz Hoffmann in der Odermannstraße. Dieser gründete 1973 die Wehrsportgruppe (WSG) Hoffmann, eine rechtsextreme Organisation mit gewaltbereiten Mitgliedern, die beispielsweise den Saalschutz bei NPD-Veranstaltungen übernahm. Die Gruppe wurde 1980 als verfassungsfeindlich verboten und aufgelöst. Im selben Jahr zündete Gundolf Köhler, der Verbindungen zur  Wehrsportgruppe hatte, auf dem Oktoberfest eine Bombe. Es starben 13 Menschen, darunter Köhler selbst, über 200 weitere wurden verletzt.

Tommy Naumann ist der Chef der sächsischen Jungen Nationaldemokraten, einer Jugendorganisation der NPD. Auf die Frage, warum man ausgerechnet Hoffmann nach Leipzig eingeladen habe, antwortete er: „Die Veranstaltung ist auf keinen Fall eine Reaktion oder Provokation auf das aktuelle Zeitgeschehen. Herr Hoffmann wird nicht über die WSG sprechen oder Wehrsport allgemein bewerben.“ Zur Gegendemonstration von „Fence off“ hieß es lediglich: „Jeder Mensch muss tun, was er für richtig hält.“ Man habe allerdings überlegt, die Veranstaltung nicht in der Odermannstraße, dem Ziel der Demonstranten, abzuhalten. Letztendlich wurde der Vortrag Hoffmanns ganz abgesagt. An der Demonstration von „Fence off“ beteiligten sich knapp 500 Teilnehmer.

Bereits Mitte Oktober schien die antifaschistische Kampagne einen Erfolg vermelden zu können: Die Vertreter des „Freien Netzes“ seien aus der Odermannstraße 8 rausgeworfen worden. Der Eigentümer habe den Mietvertrag mit dem „Kulturverein Leipzig-West“, hinter dem die Neonazis steckten, nicht verlängert – „wohl nicht zuletzt wegen des anhaltenden Drucks, der gegen die Nazi-Aktivitäten vor Ort aufgebaut worden ist“, wie es auf der „Fence off“-Homepage heißt.

Naumann bestreitet das. Es habe keinen Auszug ganzer Gruppen gegeben, „lediglich einigen Einzelnen wurde nahe gelegt, dass sie sich nicht mehr in der Odermannstraße aufhalten sollen.“ Wen dieser Ausschluss betrifft und warum er erfolgte, dazu wollte sich Naumann jedoch nicht äußern.

„Fence off“ dürfte somit noch einige Arbeit vor sich haben. Das gilt auch für Juliane Nagel. Die Vertreterin der Linkspartei im Leipziger Stadtrat meldete für die Kampagne bereits mehrere Demonstrationen an: „Es lässt sich nur hoffen, dass die Neonazis durch einen in den Sächsischen Landtag eingebrachten Antrag, der das Verbot des 'Freien Netzes' verlangt und durch die derzeitig schwelende Debatte über die Ausmaße rechter Gewalt weiter geschwächt werden,“ so Nagel.

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