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Eine Sprache für die ganze Welt

Esperanto sollte eine Sprache für ein besseres Miteinander sein - Ist das Projekt gescheitert?

Heute kommen zwischen den gastfreundlichen Mauern von Boulogne-sur-mer nicht Franzosen und Engländer, nicht Russen und Polen, sondern Menschen mit Menschen, zusammen.“ Diese Worte sprach Ludwid Lejzer Zamenhof, der Begründer der Plansprache, am ersten Esperanto-Weltkongress. Auch heute gilt noch das, was die Esperantisten einst miteinander verband.

Ich befinde mich im Villa-Keller in der Lessingstraße. Hier treffen sich jeden Dienstag ab 20 Uhr interessierte Menschen zum Sprachenabend. In gemütlicher Runde unterhalten sich die Leute auf Französisch, Spanisch, Englisch und unter anderem auch auf Esperanto.

An einem der Tische sitzt Alexander Hamann, einer der Gründer der Leipziger Esperanto-Sprachgruppe, die sich 2004 im Rahmen des Sprachenabends erstmals traf.

Zur Erklärung: Esperanto ist eine Plansprache, also ein bewusst geplantes und ausgearbeitetes Sprachprojekt. Es wurde im Jahr 1887 von dem polnischen Augenarzt Ludwik L. Zamenhof unter dem Pseudonym „Doktoro Esperanto“ (dt.: der hoffende Doktor) ins Leben gerufen. Zamenhof, der jüdischer Abstammung war, lebte im Ghetto der polnischen Stadt Bialystok und erlebte dort täglich Feindseligkeiten und Übergriffe zwischen den ansässigen ethnischen Gruppen. Das Ziel seiner künstlich erschaffenen Sprache war es, durch eine einheitliche Verständigung den Zusammenhalt der Völker zu erleichtern und Konflikten vorzubeugen.

Alexander Hamann erfuhr als Jugendlicher von der Plansprache, war von dem Grundgedanken sofort begeistert und begann, sich mit Hilfe von Online-Lernportalen und Lehrbüchern die Plansprache selbst beizubringen: „Esperanto ist wirklich ziemlich schnell erlernbar, alleine die gesamte Grammatik  passt auf eine einzige A4-Seite. Fast alle Wörter sind aus anderen romanischen Sprachen entnommen und bereits international bekannt. Wenn man sich jeden Tag eine Stunde mit der Sprache beschäftigt, kann man schon nach drei bis vier Monaten über alles Mögliche reden“, meint Hamann. Die schnelle Erlernbarkeit und der Gedanke, die Plansprache auch in Leipzig weiter zu verbreiten, führten ihn schließlich dazu, Esperanto beim Sprachenabend mit anzubieten. Interessierte ließen nicht lange auf sich warten, sodass um Alexander Hamann in kürzester Zeit eine achtköpfige, bunt gemischte Gruppe von  Studenten entstand, die alle die gleiche Begeisterung für Esperanto teilten.

André Müller, ein weiteres Mitglied der Gruppe und ebenfalls seit 2004 dabei, teilt die Ansichten seiner Freunde: „Durch Esperanto habe ich viele neue interessante Leute kennengelernt. Die Sprache wird weltweit zwar nur von ungefähr zwei Millionen Menschen gesprochen, aber gerade durch diese „kleine“ Anzahl entsteht zwischen den Sprechern eine große Solidarität. Die kleinen Esperanto-Sprachkreise zeichnen sich durch große Hilfsbereitschaft und familiäre Atmosphäre aus. Auch online sind die Communitys gegenüber Neulingen sehr freundlich. Der Grundgedanke der Plansprache lebt also durch die Sprecher weiter.“

Alexander, André und weitere Teilnehmer der Sprachgruppe verbessern durch Gespräche über Politik, Gesellschaft und alltägliche Probleme ständig ihre Sprachkenntnisse und wollen durch die Verbreitung von Esperanto in Leipzig die Plansprache am Leben erhalten und anderen Menschen näherbringen: „Die Grundidee der Lingvo internacia (dt.: internationale Sprache) muss erhalten bleiben! Welche Sprache auf der Welt setzt denn sonst so konsequent auf friedliches Beisammensein und Solidarität?“, bekräftigt Hamann. Für ihn ist der Sprachenabend im Villa-Keller mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Jakub, einer der Mitarbeiter des Sprachenabends, teilt die positiven Ansichten über den kulturellen Austausch: „Die Grundidee des Sprachenabends ist sehr gut. Ich spreche zwar kein Esperanto, aber ich weiß, dass es eine einzigartige Gelegenheit ist, neue Leute, Sprachen und Kulturen kennenzulernen. Wir versuchen mit diesem Projekt hier, immer neue junge Leute zu beteiligen, durch Hörensagen von Freunden verbreitet sich dann die Idee des Esperanto und anderer Sprachen fast wie von alleine.“ 

Gegen 23 Uhr wird es langsam leer im Villa-Keller, Alexander Hamann geht als einer der letzten. Er ist zufrieden, dass er die Plansprache mit am Leben erhalten kann: „So lange wenigstens noch eine Hand voll Menschen Esperanto sprechen, ist das Plansprachenprojekt nicht gescheitert.“ Weltweit finden regelmäßig Treffen von Esperantisten statt, vor allem Konzerte und Kongresse. Internationalität und das friedliche Beisammensein stehen dabei im Vordergrund.

Wer auch Esperanto lernen will, sollte einfach am Dienstag um 20 Uhr in den Villa-Keller, Lessingstraße 7, kommen.

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