Alle hier vorgestellten Modelle der Studienfinanzierung haben ihre Vor- und Nachteile. Eine Alternative zu diesen Klassikern böte das bedingungslose Grundeinkommen, das an sich kein genuines Konzept für Studienfinanzierung ist. Es ist vielmehr ein sozialpolitisches Konzept, das bereits seit Jahrzehnten diskutiert wird und zu dem verschiedene Modelle existieren. Grundsätzlich geht man dabei von Folgendem aus: Jedes Mitglied einer bestimmte Gemeinschaft beziehungweise der ganzen Gesellschaft bekommt in regelmäßigen Abständen vom Staat einen existenzsichernden Geldbetrag ausgezahlt. Dieser ist für alle gleich. Im Gegenzug fallen die meisten Leistungen des Sozialsystems, wie wir es kennen, weg. Für Studenten würde dies bedeuten, dass sie kein Bafög mehr bekämen. Andererseits hätten sie jeden Monat einen festen Geldbetrag zur Verfügung, ohne abhängig von Finanzspritzen aus dem Elternhaus zu sein. Auch Ne-benjobs wären nicht mehr unbedingt nötig.
„Wenn aber jeder fürs Nichtstun bezahlt wird, wer soll dann noch arbeiten?“, mag sich jetzt manch einer fragen. Anreiz dazu soll geschaffen werden, indem zusätzlich verdientes Geld niedrig besteuert wird. Finanziert würde das Grundeinkommen durch Einsparungen im Sozialsystem und durch erhöhte Steuern auf Konsumgüter.
Was zunächst wie Utopie klingt, wurde in manchen Ländern bereits ernsthaft diskutiert. So wurde in Omitara in Namibia ein Modellprojekt gestartet. Mit Zahlung des Grundeinkommens gingen dort Unterernährung, Kriminalität und auch Arbeitslosigkeit zurück.
In Deutschland haben sich viele Initiativen im „Netzwerk Grundeinkommen“ organisiert. Dessen Sprecherin Dorothee Schulte-Basta meint: „Es gibt in fast allen Parteien Befürworter des Grundeinkommens. Allerdings gibt es natürlich verschiedene Deutungen des Begriffs.“ Es sei also keine rein linke Idee, sondern ein Konzept, das die Zustimmung aller Bevölkerungsteile finden könne. „Das Grundeinkommen betont den Wert einer menschlichen Person und bislang missachteter Arbeit. Die Erziehung der eigenen Kinder und die Pflege von Familienangehörigen sollten zum Beispiel auch von der Gesellschaft honoriert werden“, so Schulte-Basta.
Christoph Butterwegge, Professor für Politikwissenschaft an der Uni Köln, sieht das anders. Dass jemand Geld vom Staat bekomme, obwohl er gar nicht bedürftig sei, werde die Bevölkerung nie akzeptieren. Außerdem bevorzuge das Grundeinkommen Wohlhabende. Unter- und Mittelschicht hätten nicht „die geringsten Vorteile zu erwarten, würde ihnen doch mehr ,Eigenverantwortung´ zugemutet und die Hauptlast der Kosten aufgebürdet“, so der Professor.
Davon unbeeindruckt, kündigte Mitte Oktober eine Arbeitsgruppe die Gründung einer „Europäischen Bürgerinitiative“ zur Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens an.
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