Die Skala soll von März bis mindestens Juli 2012 vorübergehend geschlossen werden. Die Zweitspielstätte des Leipziger Schauspiels wird derzeit vor allem für dessen experimentellere Inszenierungen genutzt und ist hauptsächlich Anlaufpunkt für das jüngere Theaterpublikum. Das Gebäude in der Gottschedstraße ist marode. Die notwendigen Instandsetzungsarbeiten würden viel Geld kosten, das Stadt und Schauspiel derzeit nicht haben. Daher ist die Zukunft der Skala nach dem Juli kommenden Jahres noch offen.
Auch die Eröffnung einer Interimsspielstätte liegt derzeit offenbar auf Eis. Im Gespräch waren die Räume der ehemaligen Discothek „Schauhaus“ in unmittelbarer Nähe des Haupthauses des Centraltheaters. Für deren Ausbau hatte es im Sommer im Stadtrat noch fraktionsübergreifende Unterstützung gegeben. Derzeit lägen dem Haus diesbezüglich jedoch keine Handlungsanweisungen seitens der Stadt vor, erklärt Jan Torke, Pressesprecher des Centraltheaters.
Mit dem angekündigten Rückzug des bisherigen Intendanten Sebastian Hartmann, der seinen zum Ende der nächsten Spielzeit auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird, hat das Schauspiel noch eine zweite offene Baustelle. Die Suche nach einem Nachfolger mit zukunftsweisender künstlerischer Vision ist keine leichte Aufgabe, zumal Debatten um die finanzielle Ausstattung des Hauses der neuen Leitung und dem Stadtrat auch in Zukunft Sorgen bereiten werden.
Bis zur Spielzeit 2014/15 fehlen der Stadt 5,7 Millionen Euro, um die Eigenbetriebe Kultur, zu denen neben dem Centraltheater auch das Gewandhaus, die Oper und das „Theater der Jungen Welt“ zählen, ausreichend zu finanzieren. Oberbürgermeister Burkhard Jung, der nach Streitigkeiten mit Kulturbürgermeister Michael Faber im vergangenen Jahr derzeit für die Eigenbetriebe zuständig ist, hatte deshalb im März 2011 bei der Kulturberatungsfirma Actori ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse nun vorgestellt wurden.
Die Analysten kommen dabei zu der Einschätzung, dass die Eigenbetriebe bereits hoch effizient arbeiten würden und sich durch Optimierung und Kooperation kaum noch Geld sparen ließe. Die Kosten würden künftig auf Grund von Inflation und steigenden Personalausgaben durch neue Tarifabschlüsse weiter steigen. Deshalb könne nach Meinung der Gutachter eine dauerhafte Finanzierung der Häuser unter der Annahme eines konstanten Gesamtzuschusses für die Kultureinrichtungen nur durch mittel- oder langfristige Strukturentscheidungen sichergestellt werden. Solche Strukturmaßnahmen könnten beispielsweise die Streichung von Produktionen oder die Schließung einzelner Sparten sein.
Jung kündigte ein Bürgerforum an, um die Ergebnisse des Actori-Gutachtens und Entwicklungsszenarien für die kulturellen Eigenbetriebe der Stadt zu diskutieren. Bis die Ergebnisse des Forums verkündet und erste Maßnahmen in die Wege geleitet werden, können jedoch einige Monate verstreichen.
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