Professoren, Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter müssen in Zukunft draußen bleiben, wenn sich der Studentenkreis „What about Economics?“ zur wöchentlichen Diskussion trifft. Durften bis vor kurzem noch alle Interessierten der Gesprächsrunde beiwohnen, ist sie jetzt nur für eingeschriebene Studenten offen. Ein Diskussionskreis von Studenten für Studenten – das ist soweit nichts Ungewöhnliches. Doch die plötzliche Zugangsbeschränkung stieß auf heftige Kritik.
Thomas Krause und Pablo Duarte, beide Wirtschaftsstudenten an der Uni Leipzig, hatten den Studienkreis Anfang dieses Semesters ins Leben gerufen. Er soll sowohl Themen und aktuelle Entwicklungen aufgreifen, die im universitären Stundenplan zu kurz kommen, als auch Raum zur kritischen Reflexion über die eigene Disziplin bieten. Auf die Referate der wöchentlich wechselnden Experten folgt jeweils eine Diskussion.
Offenbar war das Diskussionspotential bei den ersten Treffen jedoch größer als gedacht. Die Veranstalter begründen die Zugangsbeschränkung auf ihrer Website mit „Hinweisen von Studenten, die in der offenen Gesprächsrunde nicht das loswerden konnten, was sie wollten“, was jedoch dem Anliegen der Studenteninitiative widerspräche. Mit dem Ausschluss aller Nicht-Studenten möchten Krause und Duarte ihren Teilnehmern nun das Wort sichern.
Diese Begründung erscheint vielen Kritikern unglaubwürdig. Sebastian Thieme, Doktorand an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und somit vom Ausschluss betroffen, kann die Argumentation der Veranstalter nicht nachvollziehen. Er selbst habe eine sehr geordnete und disziplinierte Sitzung erlebt, die von einem Moderator geleitet wurde. Auch Dozent Georg Quaas berichtet, er habe nach den Veranstaltungen mit einigen Studenten gesprochen und dabei keine Beschwerden gehört. Sowohl Thieme als auch Quaas sehen durch die neue Regelung vor allem die Pluralität in der wissenschaftlichen Diskussion gefährdet. Letzterer gibt zu bedenken, dass der Ausschluss „diejenigen Referenten schützt, die sich auch bisher der öffentlichen Diskussion entzogen haben.“
Kritische Kommentatoren auf der Website des Studienkreises äußerten die Vermutung, es sei kein Zufall, dass die Regelung kurz vor dem Vortrag des Leipziger Professors Gunther Schnabl in Kraft getreten ist, dessen Ansichten als kontrovers gelten. Die Veranstalter weisen auf ihrem Blog jeglichen Zusammenhang zurück. Krause betont zudem, die teilweise bemängelte Löschung von kritischen Kommentaren auf der Website beträfe nur anonyme Beiträge. Kritische Stimmen mit Namen seien weiterhin online.
Die beiden Veranstalter meinten, dass der Diskussionskreis nach dem Ausschluss der Nicht-Studenten ihrem ursprünglichen Anliegen entsprechen würde. Sie räumten jedoch ein, dass sie dieses zu Beginn möglicherweise unklar kommuniziert hätten.
Der angesprochene Blog findet sich unter der Adresse: http://www.levwldiskussion.blogspot.com
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