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„Für immer Liebe“

Oder doch nicht?

Der deutsche Titel „Für immer Liebe“ lässt eine Schnulze vermuten und ist nicht dazu geeignet, länger im Gedächtnis zu verweilen. Zudem besteht akute Verwechslungsgefahr mit Filmen wie „Alles aus Liebe“, „Alles für die Liebe“, „Tatsächlich Liebe“, „Lieber verliebt“ - also wieder mal unkreativer Einheitsbrei.

Der Originaltitel „The Vow“ (zu Deutsch: das Gelöbnis, der Schwur) ist da zwar nur unweit besser, wirkt aber immerhin geheimnisvoller und kommt dabei ganz ohne Liebe aus. Die missglückte Namensgebung ist besonders schade, verbirgt sich dahinter doch tatsächlich eine solide RomCom mit sehr viel mehr Rom(antik) als  Com(edy) und sogar ein bisschen Drama.

Paige (Rachel McAdams) und Leo (Channing Tatum) sind jung verheiratet und leben in Chicago. Paige ist Kunststudentin, Leo besitzt ein Tonstudio. Sie haben zwar nicht viel zum Leben, sind aber glücklich. Als das Pärchen eines Winterabends gemeinsam das Kino verlässt, freut es sich zunächst über den vielen frisch gefallenen Schnee, der jedoch schon wenige Minuten später einen folgenschweren Autounfall verursachen wird. Paige ist dabei das Opfer und erleidet so starke Kopfverletzungen, dass sie ihr Gedächtnis verliert.

Eine Erinnerungslücke von mehreren Jahren führt zu dem Glauben, sie sei noch Jurastudentin und mit ihrem Kommilitonen Jeremy verlobt. Paige kann es gar nicht fassen, dass sie nun eine vegetarisch lebende und sich seltsam kleidende Künstlerin sein soll. An ihrem Hottie-Ehemann Leo (den jede andere Frau mit offenen Armen empfangen hätte) zweifelt sie ebenfalls und zieht eher den Erwerb einer Greencard als eigentlichen Hochzeitsgrund in Betracht. Sie fordert also Beweise für eine Ehe aus Liebe und lässt sich dafür zunächst auf das befremdliche Zusammenleben mit Leo ein.

Dieser bemüht sich aufopferungsvoll um seine kranke Frau und riskiert dabei sogar seinen Job, auf den er wegen der hohen Krankenhausrechnungen dringend angewiesen ist. Paige hingegen bleibt weitgehend unbeeindruckt von all den Bemühungen und zieht letztendlich doch zurück zu ihren Eltern (Sam Neill und Jessica Lange). Um sie nicht zu verlieren, fasst Leo einen Entschluss: Wenn er seine Frau schon nicht dazu bringen kann, sich wieder zu erinnern, dann muss er es wenigstens schaffen, dass sie sich noch einmal neu in ihn verliebt.

Eigentlich eine nette Idee: Viele langjährige Paare stellen sich ja ab und zu die Frage, ob sie sich auch zum aktuellen Zeitpunkt noch einmal ineinander verlieben würden, oder ob sie alles noch einmal genauso machen würden. Leo und Paige haben die Gelegenheit, uns genau das auf der Leinwand zu beantworten.

Channing Tatum hat sich dem Kinopublikum bereits als Tänzer in „Step Up“ und als Römer in „Der Adler der neunten Legion“ vorgestellt. Er ist ein Augenschmaus, ohne Frage, und um dieses Image zu pflegen, zeigt er sich im Film mindestens fünfmal oberkörperfrei. Ein ähnliches Verhalten lässt sich ja auch in diversen Filmen von Ryan Reynolds beobachten. Wiederholt geforderte Nacktheit ist wohl das schwere Los eines jeden attraktiven und durchtrainierten Hollywood-Schauspielers. Doch zwischen all der Muskelmasse bleiben die Emotionen ein bisschen auf der Strecke. Während sich Rachel McAdams für kein Lachfältchen und kein tränenglänzendes Auge zu fein ist und mit Gesichtsausdrücken nur so jongliert, wirkt ihr Gegenpart mimisch etwas versteift. Dessen Emotionen drückt Tatum lediglich durch genervtes oder verzweifeltes Ausatmen aus – als hätte er Privatstunden beim Pferdeflüsterer genommen.

Doch plötzlich, man will es in Anbetracht der fortgeschrittenen Filmlänge kaum glauben, kullert ihm tatsächlich ein Tränchen über die Wange. Nach dem zuvor Gesehenen fragt man sich ernsthaft, ob die wirklich echt ist oder nur aufgesprüht wurde.

„Für immer Liebe“ ist weder großes Kino noch weltbewegend, aber selbst ohne viele Lacher macht das Zuschauen Spaß. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und ihr Ausgang ist überraschender, als man dem Titel anfangs zugetraut hätte.

Ab 9. Februar im Kino

Foto: Sony Pictures

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