Pünktlich zum 800. Jubiläum des Leipziger Thomanerchors erscheint eine Dokumentation über diesen weltbekannten Knabenchor. Im Mittelpunkt stehen dabei jedoch nicht historische Fakten, sondern der Verlauf eines typischen Schuljahres der Thomaner, die von ihrem Kantor Georg Christoph Biller liebevoll „Thomasser“ genannt werden.
Der Film gibt dabei einen Einblick in die beengten Unterkünfte des Internats, das von allen nur „Kasten“ genannt wird. Aufgrund dieser Enge soll das Alumnat umgebaut werden – die Thomaner beziehen währenddessen ein schickes Interim aus Container-Elementen. Außerdem begleiten die Regisseure Paul Smaczny und Günter Atteln die Schüler in ihr alljährliches Chorlager nach Nebra, bei ihren täglichen Proben und sogar auf eine Konzertreise quer durch Südamerika, wo sie in Sao Paulo, Montevideo und Buenos Aires auftreten. Der Applaus nach solchen Auftritten ist jener Moment, der die Thomaner für all die Proben, Strapazen und Verzichte entschädigt, die sie im Verlauf ihrer Schulzeit und Kindheit auf sich nehmen müssen – einer der Schüler nennt das passenderweise „Zahltag“.
Die voll gepackten und streng durchgeplanten Tagesabläufe zwischen normalem Gymnasialunterricht, Gesangsprobe, Stimmbildung, Instrumentenunterricht, Hausaufgaben und dem Internatsalltag führen mitunter dazu, dass sich vor allem die jüngeren Thomaner überhaupt nicht vorstellen können, was Jugendliche für gewöhnlich mit ihrer Freizeit so anstellen. Es wirkt, als hätten sie noch nie etwas von Sportvereinen, Computern oder dem guten alten Fernsehen gehört. Solche naiven Momente sorgen zwischendurch immer wieder für Schmunzler.
Zum Schluss sowohl des Schuljahres als auch des Filmes resümieren die abgehenden Abiturienten, ob es die richtige Entscheidung war, ein Thomaner zu werden. Die Meinungen gehen dabei auseinander: Einige sind begeistert und bereichert von all den Erfahrungen, andere bedauern, eine normale Jugend verpasst zu haben.
Um nicht allzu PR-lastig zu wirken, dürfen im Film auch (vereinzelte) kritische Stimmen zu Wort kommen. Ein Werbefilm für angehende Thomaner würde ohnehin anders aussehen, mit weniger Proben und „Kasten“ sowie mehr Glamour und Neubau.
Wie aber der Chor gegründet wurde oder wie er sage und schreibe 800 lange Jahre Krieg und Krisen überstehen konnte, ist nicht zu erfahren. Vielleicht sollten damit die Geschichtsmuffel unter den Zuschauern nicht vergrault werden. Doch den wirklich Interessierten unter ihnen dürfte dieser fehlende Mehrwert an Informationen etwas bitter aufstoßen. So bleibt ein Film, der nicht langweilt, sich aber vorwiegend an Fans und Freunde klassischer Musik, vorwiegend Bach, richtet.
Ab 16. Februar im Kino
(Plakat: NFP)

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