Baumpatenschaft

Per Pflanzflash zum Uni-Jubiläum

Pflanzaktion „600 Bäume für 600 Jahre“ geht in die Zielgerade

 

Ein Mann soll in seinem Leben bekanntlich drei Dinge tun: ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen. Familienplanung und Hausbau werden häufig umgesetzt, doch Letzteres fällt oft unter den Tisch. Ein Leipziger Student jedoch kann nicht nur für sich selbst behaupten, in seinem Leben schon einen Baum gepflanzt zu haben. Er ermöglicht dies mehreren hundert anderen Menschen ebenfalls.

Thomas Seifert und der Verein Studierende 2009 e. V. riefen zum Universitätsjubiläum das studentische Projekt „600 Bäume zum 600. Jubiläum der Universität Leipzig" ins Leben. Unverhofft schnell waren prominente Schirmherren gefunden: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, Bundesumweltminister a. D. Klaus Töpfer sowie Landtagsmitglied Johannes Lichdi waren begeistert von dem Projekt.

Die Gründer bauten mit ihrem Konzept auf der Idee des obigen Sprichwortes auf und setzen mit der Vergabe von Baumpatenschaften einen zukunftsträchtigen Gedenkstein zum Universitätsjubiläum. Dabei stehen 600 Bäume symbolisch für jedes Jahr in der Geschichte der Alma Mater. Geplant sind jedoch viel mehr Bäume, denn neben der Pflanzung von Starkbäumen im gesamten Stadtgebiet sowie im ehemaligen Universitätswald im Oberholz in Großpösna, entsteht durch die Pflanzung von Setzlingen in Großzössen ein Mischwald, der sozusagen zum Jubiläumswald der Universität wird.

Die Setzlinge werden am 14. November bei einem Pflanzflash, wie Thomas Seifert die Aktion taufte, in die Erde gesetzt. Hierbei sollen vor allem Studenten zum Zuge kommen, einen Eigenbeitrag zum Universitätsjubiläum zu leisten. Denn mit einer Spende von fünf Euro kann die Patenschaft für zehn Setzlinge übernommen werden. Damit können Studenten nicht nur einen großen Beitrag für ihre Umwelt leisten, sondern auch der Universität ein Geschenk zum Jubiläum machen. „Die Aktion ist ideal für alle, die nicht nur über die Dinge reden, sondern aktiv werden wollen“, meint Seifert. In der Praxis ist die Pflanzung folgendermaßen geplant: Die Studenten fahren zusammen nach Großzössen, zu zweit wird die Pflanzung eines Setzlings übernommen - einer am Spaten, der andere setzt den kleinen Baum in die Erde. So sollen im Minutentakt die Bäumchen gepflanzt werden, bisher sind knapp 3000 sicher. Bei dieser Zahl ist es kein Wunder, dass Seifert in Anlehnung an einen Flashmob der Aktion den Namen „Pflanzflash“ verlieh. Daran teilhaben können etwa 70 Studierende.

Schon jetzt hingegen kann man die Starkbäume in ganz Leipzig bewundern; 44 sind es mittlerweile im Stadtzentrum; 100 sollen es werden. Der erste Baum wurde Ende April im Schwanenpark an der Goethestraße gepflanzt. Universitäts- Rektor Franz Häuser übernahm diese erste Patenschaft, für eine Robinie, und griff dabei selbst zum Spaten. Auch am Geisteswissenschaftlichen Zentrum (GWZ) in der Beethovenstraße sowie in der Grimmaischen Straße direkt vor dem Universitätsgebäude wurden Bäume gepflanzt. Besonders gut zu erkennen sind die Neupflanzungen an der nebenstehenden Holzstele mit einem Schild, auf dem der Name des Baumpaten eingraviert ist. Sie werden auch noch nach Jahrzehnten an die Aktion erinnern. Die stadttypischen Bäume und Setzlinge stammen übrigens alle aus Baumschulen in der Region.

Erstaunlich am Projekt „600 Bäume zum 600. Jubiläum“ des 28-Jährigen ist auch, dass mit einem sehr geringen finanziellen Potenzial ein für die ganze Stadt sichtbares großes Produkt mit Langzeitwirkung entsteht. Sicher auch deshalb konnten so viele positive Stimmen, die prominenten Schirmherren und die Kooperationspartner gewonnen werden. „Alle traten uns stets aufgeschlossen und rundum positiv entgegen“, erzählt Thomas Seifert stolz, „und es war immer wieder schön, zu sehen, welch tolle Energien bei dem Projekt entstanden sind, wie immer wieder alle an einem Strang gezogen haben.“

Auch wenn das Projekt zum 31. Dezember dieses Jahres ausläuft, sei es durchaus denkbar, dass die Idee im kleineren Rahmen weitergeführt werde, erzählt Seifert. Gern würde er es auch sehen, wenn andere seinem Beispiel folgen, ob mit der Jubiläumsidee oder einfach damit, Städte und Landesregierungen zu mobilisieren, durch solch eine Aktion den Bürger mitwirken und die Städte grüner werden zu lassen. In Leipzig ist für März/April noch ein Pflanztermin geplant, bei dem alle Patenbäume gepflanzt werden, die man in diesem Jahr nicht mehr geschafft hat. Abschließend wird es am 25. April, am Tag des Baumes, eine Abschlussfeier für alle Paten, Spender und Mitwirkende geben. „Es wäre auch sehr schön, wenn der symbolische Wert des Projektes weitergetragen würde und weiterhin für jedes Jahr Universitätsgeschichte ein Baum gepflanzt würde“, wünscht sich Seifert.

Angehörige der Universität hat Thomas Seifert, der heute für sein Engagement den Wolfgang-Natonek- Preis erhielt, schon inspiriert. Nicht nur plant die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät ein Bepflanzungsprojekt für den Campus-Innenhofs am Augustusplatz, auch verschiedene andere Fakultäten haben schon angefragt, außerhalb des Projektes „600 Bäume zum 600. Jubiläum“ auf eigenen Liegenschaften Bäume pflanzen zu dürfen.

Katrin Tschernatsch

Mehr Informationen unter: www.600baeume.de

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