• Kolumne
  • Kaffeetante

    Nina Lischke

    Cafés sind vielfältige Orte. Zuweilen können sie auch als Wohnzimmer, Bibliothek, Wohlfühloase oder Lesezimmer dienen.

    Ich sitze im Café und trinke gemütlich meinen Koawach ­­– ein kakaohaltiges Getränk mit Guarana, sehr empfehlenswert. Neben mir kichert eine Gruppe von Freundinnen über irgendwelche Männergeschichten, am anderen Nachbartisch wird die Süddeutsche Zeitung gewälzt, im Hintergrund klingt leise Musik.

    Cafés sind meine Fluchtzone, hier bin ich auf neutralem Boden, kann dem Chaos in meinem Kopf eine neue Ordnung geben, in Erinnerungen und Träumereien schwelgen und einfach mit mir alleine sein, ohne mich dabei einsam zu fühlen, inmitten dieser vielen Lebensgeschichten um mich herum. Schreibe ich an einer Geschichte und komme nicht weiter, gehe ich ins Café. Habe ich das Gefühl, die ganzen Unitexte fesseln mich nur noch an den Schreibtisch, gehe ich ins Café und lese dort weiter. Möchte ich ein Buch lesen, lasse mich aber ständig ablenken – ratet mal – genau, gehe ich ins Café!

    Eine Frau mit einer Tasse Kaffee in der Hand

    Kolumnistin Nina findet immer Zeit für einen Kaffee.

    In jeder Stadt, in die ich stolpere, halte ich Ausschau nach gemütlich und atmosphärisch wirkenden ausgelagerten Wohnzimmern. Eine meiner besten Freundinnen hier in Leipzig habe ich an einem solch magischem Ort kennen gelernt. Jede von uns saß für sich schlürfend an ihrem Tisch neben der anderen, ich mit meinen Lernunterlagen, sie mit ihrem kleinen Hund, der ganz neugierig an mir schnupperte, und nach ein paar ersten ausgetauschten Floskeln kamen wir richtig ins Gespräch. Das hielt mich zwar letztlich vom Lernen ab, aber die Unterhaltung hatte einen deutlich größeren Mehrwert als die vor mir liegenden linguistischen Grundlagen.

    Cafés sind die perfekten Orte für jegliche Beschäftigungen und Nicht-Beschäftigungen. Sie retten mich vor der herabfallenden Decke, befreien mich von Schreibblockaden und fördern die Grundentspannung. In meinem Lieblingscafé grüßen einige Bedienungen mich schmunzelnd – ah, da ist sie wieder – und wir führen einen vertrauten Umgang miteinander, auch wenn wir nicht viel voneinander wissen (noch nicht).

    Wie andere einen Sneakers-Tick haben, so habe ich eben einen Café-Tick. Einzig mein Geldbeutel setzt meiner sündigen Leidenschaft regelmäßig Grenzen. Dann wird improvisiert und die Kaffeehaus-Playlist auf Spotify muss der Atmosphäre auf die Sprünge helfen. Gemeinsam mit einem selbst zubereiteten Kakao-Kaffee natürlich. Wenn ich so darüber nachdenke, trinke ich das bitter-braune Gebräu erst, seitdem ich meine Vorliebe für diese gemütliche Zimmervariante entdeckt habe. Seit Studienbeginn ist der Konsum dann drastisch angestiegen, was ich zeitweise schon als bedenklich einstufen musste, da ich auf Koffein nach wie vor sehr empfindlich reagiere und die Phasen unkonzentrierter Hibbeligkeit immer häufiger wurden.

    Vielleicht probiere ich es doch mal öfters mit Tee, das Flair um mich herum bleibt ja schließlich dasselbe. Die Mädchen neben mir haben mittlerweile einzelnen Männern auch etwas Gutes zugestanden und das Thema gewechselt. Die Süddeutsche Zeitung wird weiterhin gelesen, aber dafür braucht es wahrscheinlich auch mindestens den halben Tag. Ich werde noch etwas lauschen, meine Gedanken schweifen lassen und mich dann beglückt auf den Weg nach Hause begeben.

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