• Leipzig
  • So soll Leipzig 2030 aussehen

    Laura Camboni

    Seit einem Jahr wird das neue Leipziger Stadtentwicklungskonzept umgesetzt. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter dem 520 Seiten langen Zukunftsplan für die Stadt?

    Das Stadtentwicklungskonzept „Leipzig 2030“ (INSEK) umfasst 520 Seiten, auf denen die Zukunftsstrategie zur Entwicklung von Leipzig und seinen 63 Ortsteilen für die nächsten zehn bis 15 Jahre wiederzufinden ist. Bei der Entwicklung des Konzeptentwurfes waren nicht nur Politiker*innen und Expert*innen aus Wirtschaft und Wissenschaft beteiligt, auch die Leipziger Bürger*innen haben zahlreich an thematischen Werkstattgesprächen und Diskussionen teilgenommen. Genau diese umfangreiche Beteiligung der Bürger*innen mache nach René Hobusch, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Stadtrat, die Stärke des Stadtentwicklungskonzepts aus: „Als Leitlinie für die Arbeit der Verwaltung und die Gestaltung politischer Prozesse ist das Stadtentwicklungskonzept eine unabdingbare Grundlage“, erklärt er.

    In den letzten Jahren ist Leipzig durch einen starken Einwohner*innenzuwachs und eine hohe Geburtenrate bereichert worden, die wiederum für eine Anpassung der Altersstruktur und Arbeitslosenzahlen verantwortlich sind. Diese Entwicklungen brachten in fast allen Ortsteilen von Leipzig Veränderungen, die einen gegenwärtigen Handlungsbedarf nach sich ziehen. Zum Beispiel in puncto Wirtschaftskraft und Gewerbesteueraufkommen oder bei den Themen Schulabbruch und Einkommensarmut.
    Gerade die Mietpreiserhöhungen, der zunehmende Fachkräftemangel und fehlende Kitaplätze machen deutlich, dass die Stadt wissen müsse, was sie zukünftig zu tun habe, betont die Stadträtin bei den Grünen, Annette Körner. Für den CDU-Stadtrat Michael Weickert hingegen ist „die Sanierung unserer Schulgebäude mit Sicherheit die akuteste und aktuellste Herausforderung“.

    Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Franziska Riekewald, kritisiert die mangelnde finanzielle Bestandsaufnahme des Konzepts scharf und merkt an, dass eine ungefähre Größenordnung, beispielsweise für die notwendigen Investitionen bis 2030, fast komplett im INSEK fehle: „Daher halten wir eine Umsetzung bis 2030 für recht optimistisch.“ Ein weiterer Aspekt, der im INSEK zu kurz kommt, sei nach Franka Moritz, Stadträtin der Grünen, die Frage nach der Liegenschaftspolitik, also dem künftigen Umgang mit landeseigenen Grundstücken und dem damit verbundenen Bodenrecht: „Leipzig wächst, aber Flächen sind begrenzt.“ Deswegen sei es für Moritz wichtig sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie kommunale Fläche zukünftig genutzt werden wird. Soll die Fläche weiterhin verkauft werden oder sollten die Flächen im Besitz der jeweiligen Kommunen bleiben für mehr Wohnungsbau?

    Diese Fragen zum Thema Wohnen und weiteren Herausforderungen, mit denen die Stadt Leipzig derzeit konfrontiert wird, sollen mithilfe des INSEK zukünftig besser in Angriff genommen werden. Daran knüpft der Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Falk-Thoralf Günther, an und äußert sich abschließend positiv über das Konzept: „Aus meiner Sicht gibt es im INSEK keine Fehlstellen.“

    Tipp: Wenn du wissen willst, was sich demnächst in deinem Ortsteil verändert, kannst du hier die geplanten Maßnahmen einsehen.

    Foto: Dennis Hänel

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