• Hochschulpolitik
  • Russisch-Schwerpunkt der Translationsstudiengänge in Gefahr

    Pauline Reinhardt

    In den nächsten Wochen soll sich die Zukunft des Sprachenschwerpunkts Russisch am Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) an der Universität Leipzig klären.

    Seit 2013 musste die Universität Leipzig laut Pressesprecher Carsten Heckmann insgesamt 101 Stellen abbauen. Grund dafür seien Vorgaben des Freistaats Sachsen, die inzwischen gestoppt worden sind. Jetzt betreffen sie auch die Translationsstudiengänge. Bislang können Studierende im Bachelorstudiengang Translation und den beiden Masterstudiengängen Translatologie und Konferenzdolmetschen einen Russisch-Schwerpunkt wählen. Es gibt nur wenige Universitäten in Deutschland, an denen das möglich ist; neben Leipzig unter anderem Mainz und Heidelberg.

    Nun soll es in Leipzig eine Umstrukturierung geben. „Es hat aber niemand beschlossen, den Russisch-Schwerpunkt in dieser Ausbildung zu streichen“, betont Heckmann. Stattdessen seien am IALT nicht wie früher Professuren für die einzelnen Sprachenschwerpunkte, sondern zwei übergeordnete Professuren besetzt worden. Sprachliche Kompetenzen müssten nun in den jeweiligen Bereichen der Philologischen Fakultät erworben werden.

    Professor Oliver Czulo vom IALT kritisiert: „Wir sollten nur anbieten, was wir mit den uns zur Verfügung gestellten Ressourcen wirklich gut abdecken können. Zurzeit müssen wir jedes Semester neue Lösungen stricken, was sich negativ auf den Lehrbetrieb auswirkt.“ Je nach Semester funktioniere das mal besser und mal schlechter, koste aber unheimlich viel Zeit und Kraft, die woanders fehle. Der Fachschaftsrat Angewandte Linguistik und Translatologie (FSR ALuTi) schließt sich dem an und nennt konkrete negative Auswirkungen wie verzögerte Kursbeginne. Es sei unverantwortlich, den Schwerpunkt in dieser Form fortzuführen.

    Von Seiten der Studierenden gibt es Widerstand. Gut 3.000 Personen haben innerhalb von zwei Monaten die change.org-Petition „Für den Erhalt des Sprachschwerpunkts Russisch am IALT an der Uni Leipzig“ unterschrieben – das Ziel sind 5.000. Studentin Olga Frolova hat die Petition initiiert. Mit der Unterschriftenaktion wendet sich an das Rektorat, da sie von einer Abschaffung des Sprachschwerpunktes ausgeht. „Die Schließung bedeutet einen Rückschritt in der Völkerverständigung“, schreibt sie auf change.org.

    Dem FSR ALuTi ist es wichtig zu betonen, „dass kein Studiengang abgeschafft werden soll, sondern ein Schwerpunkt“. Es gebe Alternativen und Kooperationen, aber: „Das Angebot im Bereich Russischtranslation wird schlechter, und zwar bundesweit.“ Olga nennt bei change.org mehrere Gründe für einen Erhalt des Russischschwerpunktes. Global orientierte Wirtschaft und Politik konzentrierten sich heute nicht nur auf den Westen. Außerdem sei das Übersetzen und Dolmetschen des Russischen nicht nur für die Kommunikation mit Russland, sondern auch mit anderen ehemaligen UdSSR-Staaten unerlässlich.

    Die Petition hat viel Aufmerksamkeit erregt ─ davon ist auch Professor Czulo überzeugt. „Aber die Entscheidung über die mögliche Reduktion des Russischangebots hängt von vielen Faktoren ab.“ Der FSR ALuTi berichtet, dass die Entscheidung beim Fakultätsrat liegt, der zum nächsten Mal am 6. Mai zusammenkommt. Dieser habe sich deutlich für den Erhalt des Russischschwerpunkts ausgesprochen. Aber sollten „die benötigten Stellen vom Rektorat auch auf erneute Nachfrage nicht zur Verfügung gestellt werden“, könne auch der Fakultätsrat nicht agieren. Stellen aus anderen Fachbereichen umzuwidmen, ist laut FSR ALuTi keine Lösung. Es würde nur zu der „Unstudierbarkeit“ anderer Fächer führen – denn „keines der anderen Institute hat Stellen über“.

    Foto: Nicole Eyberger

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