• Wissenschaft
  • Mehr als nur mal schlechte Laune

    Leonie Asendorpf

    Das Leipziger Max-Plack-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften erforscht, warum bei manchen Frauen kurz vor Eintreten der Periode Symptome wie Müdigkeit und leichte Reizbarkeit auftreten.

    Viele Frauen in ihren fruchtbaren Lebensjahren, durchschnittlich im Alter zwischen zwölf und 51 Jahren, leiden unter prämenstruellen Stimmungsschwankungen. Bei etwa drei bis acht Prozent aller Frauen äußern sich diese Beschwerden jedoch besonders stark. Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) ist der Fachbegriff für eine starke Belastung in der Zeit vor Eintreten der Periode. Sie macht sich vor allem durch starke depressive Verstimmungen, Müdigkeit, leichte Reizbarkeit bis hin zu einer starken Beeinträchtigung des Arbeits- und Soziallebens bemerkbar.

    Ein Forschungsprojekt des Leipziger Max-Planck-Instituts (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften beschäftigt sich seit 2014 mit den Ursachen von PMDS und den genauen Vorgängen im Gehirn während des weiblichen Zyklus. „Wir interessieren uns für Sexualhormone wie Östrogen und wie sie die sowohl strukturellen als auch funktionellen Vorgänge im Gehirn beeinflussen können“, erklärt Rachel Zsido, Doktorandin am MPI.

    Der weibliche Zyklus dauert durchschnittlich 28 bis 30 Tage. Während dieser Zeit steigt und fällt der Östrogenspiegel. Beim Einsetzen der Periode sind die Östrogenwerte sehr niedrig. Für die Stimmungsregulation spielen diese Geschlechtshormone jedoch eine wichtige Rolle. Es wird davon ausgegangen, dass Frauen mit PMDS empfindlicher für die typischen Schwankungen der Geschlechtshormone sind.

    Um die Hintergründe besser zu verstehen, hat das Emotions & neuroimaGinG-Labor des MPI eine Studie mit insgesamt 59 Teilnehmerinnen durchgeführt. Anhand von Blutabnahme, täglicher Temperaturmessung, vaginalem Ultraschall und einer von den Teilnehmerinnen benutzten App kann der Zyklus der Frauen genau verfolgt werden. Während des Eisprungs und kurz vor Beginn der Periode wird die psychische Verfassung der Frauen mit Hilfe von Fragebögen und persönlichen Interviews festgestellt.

    Neben Östrogenen spielt der Botenstoff Serotonin eine zentrale Rolle für unsere Stimmung. Bei Menschen, die unter Depressionen leiden, ist oftmals das Serotonin-System dereguliert. Serotonintransporter befördern Serotonin, welches im Gehirn von einer Nervenzelle zur nächsten weitergegeben wird. Natürlicherweise wird das Serotonin anschließend wieder von der ursprünglichen Nervenzelle aufgenommen. Mittels einer Positronen-Emissions-Tomografie kann die Dichte der Serotonintransporter, also von Proteinen der Zellmembran im

    Gehirn der Teilnehmerinnen gemessen werden. Bei der Behandlung von PMDS-Symptomen wirkt typischerweise das Antidepressivum SSRI, ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Es sorgt dafür, dass der Botenstoff Serotonin nicht wieder aufgenommen wird, sondern aktiv bleibt. „Wir suchen nach dem Zusammenhang zwischen den Schwankungen der Sexualhormone und dem Einfluss des Gewebshormons Serotonin“, erklärt Zsido.

    Erst 2013 wurde PMDS offiziell vom diagnostischen und statistischen Leitfaden als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. „Das ist nicht nur in den Köpfen der Frauen. Es gibt mögliche biologische Erklärungen dafür“, betont Zsido. Noch immer werden die Beschwerden vieler Frauen jedoch nicht ernst genommen. PMDS wird häufig nicht diagnostiziert oder fehldiagnostiziert, zum Beispiel als bipolare Störung.

    Um herauszufinden ob eine Frau an PMDS leidet kann sie ihre Stimmung im Verlauf des Zyklus dokumentieren. Treten verstärkt in den Tagen vor Einsetzen der Periode starke Stimmungsschwankungen auf empfiehlt es sich diese beim nächsten Besuch eines*einer Gynäkolog*in oder Psychiater*in anzusprechen.

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