• Hochschulpolitik
  • Kritisches Einführungssemester

    David Will

    Zum ersten Mal findet die linke Veranstaltungsreihe „Kritische Einführungswochen“ ein ganzes Semester über statt. Die Veranstalter begründen das mit besonderen politischen Umständen im Wahljahr 2019.

    Studierende der Universität Leipzig erwartet in diesem Sommersemester eine Überraschung: Im Rahmen der Kritischen Einführungswochen (KEW), die sich normalerweise auf die ersten Wochen eines Semesters beschränken, werden über den ganzen Frühling und Sommer hinweg Veranstaltungen stattfinden.

    Seit Herbst 2014 finden die KEW jeweils zu Semesterbeginn auf dem Campus der Universität und teils auch an anderen Leipziger Orten statt. Das Zelt auf dem Hauptcampus, in dem man sich bei Kaffee und dröhnenden Bässen das anstehende Programm durchsehen kann, kennen wohl die meisten. Über einen Zeitraum von normalerweise drei Wochen bietet hier ein Bündnis linker Gruppierungen Informationsveranstaltungen und Workshops zu einer Vielzahl von Themen an. So können sich Interessierte zum Beispiel mit Feminismus, rechter Gewalt in Sachsen oder Klimagerechtigkeit beschäftigen.

    Kritische Einführungswochen als Alternativprogramm

    Seit 2014 gibt es die Kritischen Einführungswochen in Leipzig.

    Wegen der anstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg spricht Frank Aurich, Pressesprecher der KEW, von einem „besonderen Jahr“. Darum werde man diesmal den Fokus auf Politik legen und die Veranstaltungen über das ganze Semester verteilen. In Anbetracht der vergangenen Wahlerfolge der AfD zeigt sich Aurich besorgt: „Wir sehen uns als Teil einer größeren Bewegung gegen eine rechte Wende und eine mögliche schwarz-blaue Koalition.“

    Im vergangenen Wintersemester gab es einigen Aufruhr, als aufgrund eines Berichts des sächsischen Landesamts für Verfassungsschutz (LfV) die Universität den KEW die Raumnutzung für einige Veranstaltungen zunächst verweigerte. Der StuRa der Universität Leipzig sah Studierende unter „Generalverdacht“ gestellt, die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften sprach von einem „Eingriff in die Hochschulautonomie“. Carsten Heckmann, Pressesprecher der Universität, weist allerdings darauf hin, dass die KEW schon seit Jahren unbehelligt auf dem Campus stattfinden konnten. Da der Verfassungsschutz aber zwei beteiligte Organisationen  PRISMA und die Anarchosyndikalistische Jugend Leipzig  als extremistisch einstuft, habe man die Raumvergabe erst nach einem klärenden Gespräch mit dem StuRa genehmigt. Eine Einflussnahme des LfV sieht Heckmann nicht: Bei einem Treffen mit Rektorin Beate Schücking habe dieser „lediglich darauf hingewiesen, dass linksextreme, gewaltbereite Gruppen versuchen könnten, zum Beispiel durch Teilnahme an den KEW neue Mitstreiter für sich zu gewinnen“. Martin Döring, Pressesprecher des LfV, bezeichnet die Kritik als „wolkiges Gerede“ und „himmelschreienden Humbug“. Die Behörde habe den „gesetzlichen Auftrag, über verfassungsfeindliche Bestrebungen zu informieren“ und wäre genauso vorgegangen, hätte etwa die rechte Identitäre Bewegung Veranstaltungen angemeldet. Über die Raumvergabe entscheide letzten Endes die Universität.

     

    Titelfoto: Annika Seiferlein

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