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  • Und jährlich grüßt die Buchmesse

    Anneke Schmidt

    Die Kundgebung des Leipziger Aktionsnetzwerks „Leipzig liest weltoffen“ gegen rechte Verlage auf der Buchmesse fällt kleiner aus als 2018, dafür gibt es erstmalig ein beachtliches Messeprogramm.

    „Keinen Regalmeter für Faschismus“ – unter diesem Motto rief das Aktionsnetzwerk „Leipzig liest weltoffen“ am 20. März, einen Tag vor offiziellem Beginn der Leipziger Buchmesse, zu einer Kundgebung auf dem Augustusplatz auf. Dem Aufruf folgten etwa 100 Personen. Mit Fahrrädern und Kinderwägen standen etwas verstreut vor allem Menschen, die alt genug wären, die Eltern der Fridays-For-Future-Demoteilnehmer*innen zu sein. Im Vergleich zum letzten Jahr war es ruhig um die feierliche Eröffnung der Buchmesse im Gewandhaus. Trotz kämpferischem Motto blieben die Redebeiträge beachtlich handzahm. So wurde in der Diskussion, was Meinungsfreiheit bedeute und wo sie aufhöre, beispielsweise die Frage in den Raum gestellt, wie als Buchladen denn nun mit den Thilo Sarrazins dieser Welt umzugehen sei. Die Antwort blieb lediglich ein etwas Schwammiges: „Na, Hauptsache keine Gewalt“ – denn selber zensieren wollte man dann doch nicht. Hätte die Versammlung unter dem Motto „Jeder Regalmeter der bürgerlichen Mitte“ stattgefunden, hätte dies sicherlich auch Sinn ergeben.

    Ein Redebeitrag von Leipzig liest weltoffen

    Irena Rudolph-Kokot (SPD) bei ihrem Redebeitrag vor dem Gewandhaus

    Versprengt wirkende Gruppierungen

    Der Eindruck entstand auch durch eine Abwesenheit, die besonders auffällt, wenn man die Buchmesse und ihre geradezu traditionell dazugehörigen Proteste der vergangenen Jahre betrachtet. 2018 hatte es noch harte Konflikte zwischen studentisch geprägten linken Gruppen darüber gegeben, ob hier eigentlich nur gegen die Rechten oder doch auch gegen die Buchmesse protestiert werden solle, die sich bereitwillig als Plattform für eine autoritäre Diskurs Verschiebung anböte. In diesem Jahr waren diese Gruppen nun gar nicht beteiligt. Zwar verteilte um die kleine Versammlung herum etwas verloren eine Hand voll junger Trotzkist*innen und eine ältere Frau von der sogenannten FDJ, eigentlich eine DDR Jugendorganisation, Flyer. Jedoch wirkten die Gruppierungen eher versprengt, als wie die Einzelteile eines wirkmächtigen Bündnisses.

    Wie bereits im vergangenen Jahr hatten die Teilnehmer*innen Bücher mitgebracht, die ihnen besonders am Herzen liegen und für sie Weltoffenheit symbolisieren, um diese als Geste in die Luft zu recken.  Darunter waren Titel wie „Gegen den Hass“ von Carolin Emcke. Auch diese Aktion fiel kleiner aus, als vermutlich von den Veranstalter*innen geplant. Das muss jedoch kein Grund zur Sorge sein, denn die Schwerpunktsetzung des Bündnisses ging in diesem Jahr eher weg von den symbolischen Aktionen und hin zu inhaltlicher Bearbeitung.

    Zur Aktion „Büchermeer“ wurden Bücher in die Höhe gereckt, die für Weltoffenheit stehen.

    Die Kundgebung war nur der Auftakt

    Das Programm des Aktionsnetzwerkes für die Buchmessetage selbst sieht vielversprechender aus. Am Buchmessen-Samstag findet beispielsweise im Institut für Zukunft eine Diskussion zum sogenannten „unruhigen Hinterland“ statt. Thema der Diskussion wird sein, wie antifaschistische und andere zivilgesellschaftliche Aktivist*innen im ostdeutschen Umland dauerhaft unterstützt werden können – und wie deren Alltag bereits aussieht.  Neu ist in diesem Jahr auch, dass „Leipzig liest weltoffen“ einen eigenen Stand auf der Messe hat. Dort informieren nicht nur über den gesamten Zeitraum der Messe politisch engagierte Menschen über ihre Arbeit und Organisationsmöglichkeiten, sondern es finden auch Lesungen, beispielsweise zur Biografie einer Auschwitz-Überlebenden, statt. Für diejenigen, die dem Aktionismus noch nicht gänzlich abgeschworen haben, hat sich das Aktionsnetzwerk auch etwas überlegt: In einem täglich stattfindenden „offenen Forum“ sollen Leute, die mit der Präsenz der rechten Verlage unzufrieden sind, zueinander finden und einen gemeinsamen Start- und Ausgangspunkt für das Erdenken und Ausführen kreativer Protestformen finden. Was auf die Kundgebung noch folgen wird, bleibt also offen.

    Hinter dem Aufruf steckten einige bekannte Lokalpolitiker*innen.

     

    Fotos: Anneke Schmidt

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