• Hochschulpolitik
  • Bücher abschaffen, jetzt!

    Felix Fischer

    Die Druckerverträge der UBL laufen zum Mai aus, Ersatz gibt es keinen. Die Verantwortlichen scheinen zu glauben, das sei richtig so und vor allem: den Studierenden egal. Ist es aber nicht.

    Kürzlich hat die Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) in einer E-Mail an alle Studierenden und online darüber informiert, dass ab dem 2. Mai die Buchscanner „for free [sic!]“ sind. Yay! Diese Buchscanner sind laut UBL auch „leise, buchschonend, umwelt- und ressourcenschonend“. Und weiter: „Damit wird es ab Mai keine Kopiergeräte und Drucker mehr geben.“ Wait, what!?

    Nach Aussage einer studentischen Hilfskraft, die bei der UBL arbeitet und lieber anonym bleiben möchte, werden die Drucker abgeschafft, „weil der Service von Canon schlecht war“ und die UBL deswegen im Mai den Vertrag nicht verlängert. Das deckt sich mit einer internen Mail an die Fakultäten, in der ausführlich die Nachteile des Vertragsverhältnisses mit Canon dargelegt werden. Aber den Studierenden serviert man den Umweltschutz als vorgeschobenen Grund, wahrscheinlich in der Annahme, dass diese „Argumente“ bei den Studierenden besser ankommen als die fehlgeschlagene Druckerplanung. Liebe UBL, sei doch wenigstens ehrlich!

    Warum aber ist die Abschaffung der Drucker eine unhaltbare Entscheidung? Als Jurastudent kopiere ich in der Hausarbeitszeit pro Arbeitstag meistens mehrere juristische Aufsätze. Und zwar aus drei Gründen: Erstens kann ich mich beim Lesen von Inhalten auf Papier deutlich besser konzentrieren, zweitens möchte ich meinen Kommilitonen die Aufsätze gleich wieder zugänglich machen, drittens kann ich Markierungen direkt in der Kopie hinterlassen. Mit der beschriebenen Praxis bin ich in der Jura-Bib nicht allein.

    Das wird ab Mai nicht mehr möglich sein. Aber alles kein Problem. Laut UBL kann ich ja einfach in die Copyshops gehen. Wenn ich etwas kopiere, dann verlasse ich einfach mit meinem Buch die Präsenzbibliothek … naja, wohl eher nicht. Dann gehe ich halt zu mir nach Hause, um schnell meinen (kostenlosen, yay!) Scan auszudrucken, bevor ich weiterschreibe. Das kostet mich höchstens eine halbe Stunde, wenn ich die Linie 8 erwische.

    Mal schnell einen Text in der Bib ausdrucken – Das soll ab Mai nicht mehr möglich sein. (Foto: Elisabeth Platzer)

    Die Abschaffung von Druckern in der Bibliothek ist nicht nur, wie gerade erläutert, unpraktikabel, es ziehen noch nicht mal die Argumente, die von der UBL vorgeschoben werden. Umweltschutz? Die Drucker stehen bereits und sind noch dabei ihr Produktions-CO2 abzuarbeiten. Egal, jetzt kauft sich halt jeder einen eigenen Drucker. Klar ist es besser weniger Papier zu verbrauchen, aber man braucht es nun mal zum Studieren. Und der Laptop, den ich alternativ zum Lesen verwende, ist voll von seltenen Erden und ich füttere ihn täglich mit Kohlestrom straight aus der Lausitz. Argumentum ad absurdum: Lasst uns die Bücher gleich mit abschaffen!

    Buchschonend? Stimmt, Scans sind buchschonend. Aber die Scans nicht mehr ausdrucken zu können hat gar nichts mit Bücherschonen zu tun.

    Leise? Bitte, liebe UBL, ich würde gerne die Drucker hören statt der Presslufthämmer, die seit zwei Jahren im Petersbogen meine Konzentration attackieren. Auch die Leute in der Albi würden sicherlich Druckergesänge dem Brandschutzmaßnahmengetöse vorziehen. Zumal sich die Drucker an allen Standorten in speziellen Räumen befinden, die eben genau eines tun: Die Druckergeräusche aussperren.

    Ich hoffe innig, dass die UBL auf ihre Studierenden hört und sich einen Vertragspartner sucht, der einen besseren Service als Canon bietet. Bitte, liebe UBL, diesmal auch ganz ohne Ironie: Führt die Drucker wieder ein!

     

    Titelfoto: Marie Zinkann

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