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  • Time’s Up for more superheroes!

    Hagen Küsters

    Nach unfassbaren 21 Filmen kommt mit „Captain Marvel“ erstmals eine Comicverfilmung aus dem Hause Marvel auf die große Leinwand, die sich um eine Superheldin als Protagonistin dreht.

    „Ich glaube ich habe ein Déjà-vu“, mag sich der ein oder die andere mit Blick auf das kommende Kinoprogramm fragen. Lief nicht gestern erst ein neuer Superheldenfilm in den Filmpalästen an? Kein Grund zur Panik, ihr befindet euch nicht in einer Zeitschleife wie Phil Connors (Bill Murray) in „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Euer Zeitempfinden ist nicht aus der Bahn geraten und auch die Erinnerungen spielen euch keinen bösen Streich. Denn in der Tat vergeht kein Jahr ohne eine neue Comicverfilmung aus den Franchise-Universen Marvel und DC. Getreu der Redewendung „Schuster bleib bei deinen Leisten“ entführen uns die Marvel Studios mit ihrem neuesten Coup „Captain Marvel“ in vertraute und fremde Welten. Der Plot des actiongeladenen Blockbusters ist gleichsam bekannt wie simpel: Im Zentrum des Geschehens steht der aus den Comics überlieferte Konflikt zwischen Kree und Skrulls. Nach einem Kampf im Weltraum stürzt die ausgebildete Kree-Soldatin Vers alias Captain Marvel (Brie Larson) auf die Erde ab. Doch der ihr fremde Planet kommt ihr alsbald ziemlich vertraut vor, denn sie wird von Visionen und Träumen geplagt, die auf ein früheres Leben auf der Erde hindeuten. Mit Hilfe des jungen S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson) versucht sie die drohende Gefahr abzuwenden und die Welt – also selbstverständlich die Vereinigten Staaten von Amerika – zu verteidigen.

    L to R: Maria Rambeau (Lashana Lynch) and Captain Marvel (Brie Larson)

    Carol Danvers (Brie Larson; r.) muss sich als Air-Force-Pilotin im männerdominierten Sujet behaupten.

    Man muss kein mit hellseherischen Fähigkeiten sein, um den nahenden Erfolg von „Captain Marvel“ zu prophezeien. Wenngleich der Film die Kommerztrommel des Franchise-Unternehmens ankurbeln und sich mühelos in die Riege der bisherigen Comicverfilmungen einreihen wird, so sticht der Streifen dennoch hervor. Das Besondere: Mit Carol Danvers alias Vers alias Captain Marvel konzentriert sich Marvel erstmals auf eine weibliche Hauptrolle, um die sich das filmische Geschehen dreht (Randnotiz: Scarlett Johansson spielt zwar schon von Anfang an bei den „Avengers“ als Black Widow mit, einen eigenen Film hat man ihr aber nie zugestanden). Dass eine Superheldin auch 2019 noch ein Novum darstellt, ist nicht nur für die weltweite Filmindustrie beschämend, sondern zeigt ebenso, wie wichtig gegenwärtige Bewegungen und Initiativen zur Gleichberechtigung von Frauen in der oftmals männlich dominierten Arbeitswelt und Gesellschaft sind. Bereits 2017 stellte das rivalisierte DC-Universum mit der fantastischen Gal Gadot als „Wonder Woman“ unter Beweis, dass Superheldinnen auf der Leinwand ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen und deshalb zweifellos eine Superheldinnen-Geschichte allein füllen können und müssen. Dass Comicverfilmungen zum politischen Diskurs beitragen, ist spätestens seit dem massiven Erfolg von „Black Panther“ (der erste schwarze Superheld im US-amerikanischen Comicuniversum), der jüngst mit drei Oscars ausgezeichnet wurde, bekannt.

    Captain Marvel (Brie Larson)

    Eine außerirdische Materie sorgt schließlich dafür, dass aus Carol Captain Marvel wird.

    Fernab der gesellschaftlichen Relevanz muss „Captain Marvel“ jedoch auch distanziert hinsichtlich Form und Inhalt betrachtet werden. Das Regie-Duo, bestehend aus Anna Boden und Ryan Fleck, bleibt dem Erfolgskonzept der Studios treu und setzt auf einen altbewährten Stoff, mit den obligatorischen humoristischen Momenten. Spezialeffekte, Montage, Sound und Tonschnitt sorgen für ein bildgewaltiges Sujet, dass das Publikum von Beginn an vereinnahmt. Die Filmmusik, die von der türkischen Komponistin Pınar Toprak komponiert wurde, trägt zur Kontinuität des Spektakels bei. Ästhetisch besticht „Captain Marvel“, wie es sich für eine Comicverfilmung aus dem Hause Marvel gehört, durch ein einzigartiges Szenen- und Maskenbild. Oscarpreisträgerin Brie Larson verkörpert eindrucksvoll die Rolle der Kree-Kriegerin, die auf der Suche nach Identität, Heimat und den intrinsischen Kräften immer wieder zu zerbrechen droht.

    „Captian Marvel“ bietet nicht nur passionierten Comicfans ein solides Schauspiel, sondern wird auch die Mainstream-Kinogänger*innen nicht enttäuschen. Neben seinem Blockbuster-Charme ist der Film darüber hinaus auch als ein Signal an die weltweite Filmindustrie zu verstehen: Time has come for superheroines!

     

    Ab 7. März im Kino

    Fotos: Marvel Studios

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