• Film
  • Ein Pferdefilm fast ohne Klischees

    Pauline Reinhardt

    Schöne Landschaft, starke Mädchen, störrische Pferde: In „Ostwind – Aris Ankunft“ treffen die altbekannten liebgewonnenen Nebencharaktere auf eine neue Hauptdarstellerin.

    Der widerspenstige Hengst Ostwind lebt seit dem dritten Teil nicht mehr auf dem Gestüt Kaltenbach von Mikas Großmutter (Cornelia Froboess), sondern inmitten einer Wildpferdherde in Andalusien. Zu Beginn des nun vierten Films rettet die 17-jährige Mika (Hanna Binke) ihn dort aus einem schrecklichen Feuer. Dabei wird sie verletzt und liegt für längere Zeit im Koma in einem deutschen Krankenhaus, während Ostwind, inzwischen wieder auf Gut Kaltenbach untergebracht, das Fressen verweigert: Die enge Verbindung der beiden entpuppt sich als Teufelskreis. Währenddessen lernt Mikas beste Freundin Fanny (Amber Bongard) bei ihrem Sozialpraktikum die zwölfjährige Ari (Luna Paiano) kennen. Dank Fanny landet das Mädchen mit dem zügellosen Temperament schließlich auf Gut Kaltenbach. Dort freundet sie sich mit Ostwind an und muss nicht nur ihn und Mika aus dem Teufelskreis befreien, sondern auch Gut Kaltenbach, das wieder einmal in Gefahr ist.

    Filmrezension "Ostwind - Aris Ankunft"

    Für die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen wurde in Andalusien und Hessen gedreht.

    Die Ostwind-Filme erinnern in vielerlei Hinsicht an eine neue, erwachsenere Version von „Hände weg von Mississippi“, dem Kinderbuch von Cornelia Funke, das 2007 von Detlev Buck verfilmt wurde: Schöne Landschaften, ein paar schräge, gelegentlich etwas dorftrottelige Figuren und schick angezogene Bösewichte, die nach einer großen Portion Drama ordentlich auf den Deckel bekommen. Solides deutsches Kino mit bekannten und großartigen Schauspieler*innnen wie Detlev Buck, das Pferdeherzen höher schlagen lässt und ein Sehnen nach Sommerferien auf dem Bauernhof hervorruft – selbst wenn man gar nicht reiten kann.

    Auch wenn man nicht zur Zielgruppe gehört, gibt es viele Gründe, jüngere Schwestern und Brüder, Nichten und Neffen, Basen und Vettern als Alibi für den Gang in einen vermeintlichen Kinderfilm zu nutzen. Aus den früheren Ostwind-Filmen kennt man die vielen sympathischen Nebenfiguren, wie Herrn Kaan, der wieder auf unkonventionelle Art das Reiten lehrt – diesmal mithilfe eines Bienenstocks und mehreren hundert Nägeln. Seine neue Schülerin übernimmt nicht einfach Mikas Rolle als Ostwinds Gefährtin, sondern stellt sich als eigener, durchaus schlagfertiger Charakter heraus. Im Mittelpunkt steht zwar erneut die Beziehung zwischen Mädchen und Pferd, aber Ari und Ostwind ergänzen sich vielmehr, als dass sie sich ähneln. So wird eine ganz neue Spannung erzeugt.

    Ostwind Rezension

    Ari muss einige Prüfungen bestehen, bevor sie auf Ostwind reiten darf.

    In „Ostwind – Aris Ankunft“ spielen Mädchen die Hauptrollen. Mädchen, die noch auf der Suche nach ihrem Weg sind und herausfinden, wozu sie in der Lage sind. Das Reiten in der Natur mag ein kitschiges Symbol für Freiheit sein, aber es ist eins, das schon vielen Mädchen mehr Mut und Selbstbewusstsein gegeben hat. Auch soziale Themen kommen nicht zu kurz: Die beim Publikum sehr beliebte, vorlaute Fanny übt nicht nur Kritik an Pflegefamilien und Kinderheimen, sondern handelt auch dementsprechend rebellisch.

    Leider konnten sich die Filmmacherinnen nicht von allen Klischees befreien: Das böse Mädchen ist blond und schön, der böse Mann kleidet sich komplett in schwarz samt Cowboyhut, während Ari mit Pfeil und Bogen indianisch anmutet. „Filmmacherinnen“ – denn dieser Film bestärkt nicht nur die Zuschauerinnen zu handeln und sich durchzusetzen, sondern stärkt auch Frauen in der Filmbranche. Frauen haben Regie geführt (Theresa von Eltz), produziert (Ewa Karlström und Andreas Ulmke-Smeaton), den Soundtrack beigesteuert (vor allem das schweizerisch-deutsche Musikduo BOY) und vieles mehr.

    Natürlich bleibt „Ostwind – Aris Ankunft“ trotz Feminismus und Fantasie ein Pferdefilm. Und Pferdefilme können schnell langweilig werden für alle, die nicht bei dem Anblick von Vierbeinern mit Schweif und Mähne in Verzückung geraten. Aber es ist kein Reitfilm. Das Pferd könnte genauso gut ein Esel sein oder vielleicht sogar ein Tiger. Angesichts der fast vier Millionen reitenden Menschen in Deutschland liegt ein Pferd aber doch nahe.

     

    Ab 28. Februar im Kino

    Fotos: Constantin Film Verleih GmbH/SamFilm GmbH/Marc Reimann

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