• Kultur
  • Turbulente Endzeit

    David Will

    Als taz- und Spiegel-Online-Kolumnistin hat sich Margarete Stokowski mit Themen um Feminismus und Sexismus beschäftigt. Ihr Buch „Die letzten Tage des Patriarchats“ zeigt nun eine Auswahl ihrer Texte.

    Umschlaggestaltung ist leider immer noch Verlagssache. „Sie nervt, aber sie hat recht“, darf ausgerechnet Thomas Gottschalk auf dem Buchrücken verkünden. Wetten, dass das Käufer anzieht? Und was wohl die Autorin selbst von solch gönnerhaften Worten hält? Schließlich ist sie nicht die erste Feministin, deren Worte als – hier immerhin notwendiges – lästiges Gesumm beschrieben werden.

    Margarete Strokowski Foto: Rosanna Graf

    Margarete Stokowski kommt mit ihrem Buch für eine Lesung nach Leipzig. Foto: Rosanna Graf/ Rowohlt Verlag

    Das Buch „Die letzten Tage des Patriarchats“ von Margarete Stokowski ist allerdings tatsächlich, das darf man dem Rowohlt Verlag ruhig glauben, ein Stück Zeitgeschichte. Von 2011 bis 2015 schrieb Stokowski Kolumnen für die taz, seit 2015 erscheint ihre Kolumne „Oben und unten“ wöchentlich bei Spiegel Online, in der sie sich mit Feminismus, Antifaschismus und Anarchie befasst. Für „Die letzten Tage des Patriarchats“ hat Stokowski nun ausgewählte Beiträge versammelt, redigiert und teilweise kommentiert. Auf rund 300 Seiten taucht man wieder ein in die Debatten der letzten Jahre: Stokowski begleitet, meinungsstark und angriffslustig, die MeToo-Bewegung, die Nein-heißt-Nein-Kampagne im Vorfeld der Verschärfung des Sexualstrafrechts, den „Flüchtlingssommer“ 2015 oder die Diskussionen um die Silvester-Übergriffe in Köln. Sie pflegt dabei einen eigenen Stil, der manchen missfallen wird und andere begeistern kann: Der Aufbau oft sprunghaft, aber schlüssig, die Sprache poppig mit Hang zum Vorschlaghammer und mit einer Unmenge an Sprachbildern. So entsorgt sie, „was irgendwelche Vögel zum Thema Frauenkörper hervorwürgen“, bezeichnet das unbezahlte Amt der Bundespräsidentengattin als „ein Überbleibsel aus den glanzvollen Zeiten des Patriarchats, deren Glanz aber daher rührte, dass Frauen ständig am Polieren waren“ oder wundert sich über die Verurteilung der Frauenärztin Kristina Hänel für das „Bewerben“ von Abtreibungen, „dass die Strafe in Euro gezahlt werden soll und nicht in Reichsmark, so unzeitgemäß ist das Urteil“.

    Vor allem aber schreibt sie über die Privilegien in unserer Gesellschaft, darüber, welche Bevölkerungsgruppen an den Schalthebeln der Macht sitzen und welche Gruppen höchstens mal das Getriebe ölen dürfen. „Viele, die anfangen, sich mit Gleichberechtigung zu beschäftigen, denken zu Beginn, sie wüssten schon, wo die Ungleichheiten liegen – um bald festzustellen, dass sie sich an viel größere Mengen von Scheiße gewöhnt haben, als sie zuvor ahnten“, schreibt Stokowski im Vorwort. Doch wenngleich Männerrechtler und Sexismusskeptikerinnen dagegen ankämpfen, seien die Tage des Patriarchats gezählt, davon ist sie überzeugt. Wer sich ein Andenken an diese turbulente Endzeit bewahren will, sollte sich „Die letzten Tage des Patriarchats“ ins Regal stellen.

    Margarete Stokowski: „Die letzten Tage des Patriarchats“. Rowohlt, 309 Seiten, 20 Euro.

    Am 26. Februar liest Margarete Stokowski um 19:30 Uhr im Literaturhaus Leipzig aus ihrem neuen Buch.

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