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  • Fridays for future: Klimademonstration in Leipzig

    Maximilian Mitschke

    „Teachers leave those kids alone” wird passend zum Beginn der Demonstration gespielt. Leipziger Schüler*innen nutzten ihren letzten Tag vor den Ferien, um für unsere Zukunft auf die Straße zu gehen.

    „Another World is Possible” sangen Schüler*innen europaweit auf ihren Demonstrationen für den Umweltschutz. Bereits 1997 versammelte sich eine weltweite Protestbewegung gegen den Neoliberalismus unter diesem Slogan. Angestoßen wurde die Bewegung von italienischen Milchbauer*innen, die sich gegen die italienische Regierung wehrten.

    Dem Aufruf von  Fridays for Future Leipzig (FFF), angelehnt an die Demonstrationen von Greta Thunberg, sind geschätzt 700 Schüler*innen an diesem sonnig warmen Freitag gefolgt. Die Demonstration im Herzen Leipzigs stellt jedoch keinen Einzelfall dar. FFF ist eine bundesweite Organisation, die seit Ende 2018 Proteste gegen die Klimapolitik der Bundesregierung und den fortschreitenden Klimawandel organisiert. Diese Form von Protest während der Schulzeit, geprägt von der mittlerweile 16-jährigen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg , ermöglicht den Schüler*innen europaweit, sich am Repertoire der politischen Mitbestimmung in demokratischen Staaten zu bedienen.

    Viele der Demonstrierenden sind aufgrund ihres Alters von Wahlen  ausgeschlossen, wollen ihrer Stimme jedoch trotzdem Gehör verleihen. Anstatt umgehend in die Ferien zu starten, schlossen sich Schüler*innen verschiedenster Altersgruppen dem Protest an, um die historische Leipziger Demonstrationsroute über den Innenstadtring zu begehen.

    Zu Beginn der Versammlung sprach auf dem Augustusplatz neben Mitgliedern von FFF, einem Vertreter der Leipziger Radfreunde,  auch Nachhaltigkeitsforscher Felix Ekardt, Gründer und Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig und Berlin. Er beschäftigt sich unter anderem mit “Gerechtigkeit (insbesondere Menschenrechte), Governance und Recht, also Nachhaltigkeitsrecht beziehungsweise Umweltrecht und Nachhaltigkeitspolitik beziehungsweise Umweltpolitik”, wie man auf der Webseite der Forschungsstelle nachlesen kann.

    Geschützt von mit fossilen Brennstoffen betriebenen Polizeifahrzeugen, zogen die Demonstrierenden  zunächst zum Neuen Rathaus, wo eine erste Zwischenkundgebung stattfand. Dort stellten die Demonstrierenden dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) ebenfalls ein Zwischenzeugnis aus . Das Zeugnis geht hart ins Gericht mit dem Ministerpräsidenten, welcher sich auf die offizielle Einladung von FFF von der Demonstration entschuldigen ließ. Wo Zeugnisausgaben das Potenzial haben, den Bewerteten Tränen in die Augen zu treiben, wäre dies beim Abschneiden Kretschmers nicht undenkbar gewesen – vorausgesetzt ihm liegt die Bewertung seiner Arbeit durch die sächsischen Schüler*innen  am Herzen.

    Fridays for Future in Leipzig

    Der Demonstrationszug erreicht das Neue Rathaus

    Nach diesem ersten Zwischenstopp  setzte sich die Demonstration am Martin-Luther-Ring Richtung Goerdelerring fort. Dort fand vor dem Einkaufscenter Höfe am Brühl eine weitere Zwischenkundgebung statt. Wo Redner im Laufe der Demonstration auch die Herstellung und Nutzung von Plastik kritisierten, nutzten manche Teilnehmer*innen die Verschnaufpause, um in einem der ansässigen Läden Getränke in PET-Flaschen zu kaufen .

    Bei der Vielzahl der Redebeiträge während des gesamten Protestes wurde der Klimawandel unter verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet. Man verkündete Positionen zu konkreten Sachverhalten, wie dem beschlossen Kohleausstieg Deutschlands bis 2038, der Gefährdung der Gemeinde Pödelwitz bei Leipzig, dem Pariser Klimaabkommen, dem Ausschluss der Schüler*innen von Wahlen, als auch zu Themen wie den Ausstoß von Treibhausgasen, die Klimagefährdung im Rahmen des Kapitalismus, und die ungleiche globale Verteilung der Folgen des Klimawandels.

    Sophia, aktives Mitglied von FFF und selbst Schülerin, sagt „wichtig ist, dass Jugendliche eine Stimme bekommen und dass diese ihre Stimme gegen den Klimawandel laut machen, damit politisch mehr dagegen getan wird. 2038, das reicht uns nicht, da bin ich fast 40. So lange möchte ich nicht noch von Kohleenergie leben müssen. Wir wissen aber auch, dass das Thema Klimaschutz ein großes ist, welches sich in allen Bereichen wie Verkehr und Landwirtschaft, welche aktuell einfach nicht nachhaltig sind, niederschlägt.”

    Nachdem sich vereinzelt Teilnehmer*innen von der Versammlung entfernten, setzte sich der Demonstrationszug wieder in Bewegung, um entlang der Höfe wieder zum Ausgangspunkt, dem Augustusplatz, zu ziehen . Auf diesem Weg erzeugte der Protest besonders viel Aufmerksamkeit, da die Innenstadt Leipzigs an diesem milden Februarnachmittag gut besucht war. Zahlreiche Passanten*innen und Leute, die ihre Köpfe aus den Fenstern der umgebenden Gebäude streckten, zückten ihre Telefone . Vereinzelt folgten auch beistehende Personen dem Aufruf der Demonstrierenden, sich dem Protest anzuschließen.

    Was bleibt, ist die Frage nach der Zukunft dieser Bewegung. Die Schüler*innen stellen eine Gruppierung dar, die sich bewusst für die Teilnahme am politischen Leben entscheidet und die damit einhergehenden möglichen Konsequenzen in Kauf nimmt. Es gibt Schulen, die sich gegen die Teilnahme ihrer Schüler*innen an den Protestaktionen stellen. Bundesweit erfährt die Bewegung auch Gegenwind aus den jeweiligen Bildungsministerien.

    Das,aus Zeitnot ein wenig verkürzte Ende der über dreistündigen Demonstration um 16 Uhr  wurde genutzt, um die Teilnehmenden darauf aufmerksam zu machen, sich noch für einen Platz im Jugendparlament der Stadt Leipzig zu bewerben. Dieses stellt einen weiteren Weg der politischen Mitbestimmung für diejenigen dar, die aufgrund ihres Alters noch nicht wählen dürfen.

     

    Fotos: Maximilian Mitschke