• Hochschulpolitik
  • „Was die Gesellschaft im Innersten zusammenhält“

    Julia Nebel

    Vorgestern hielt Thomas de Maizière, seit letztem Sommersemester Honorarprofessor an der Universität Leipzig, seine Antrittsvorlesung. Thema war das Verhältnis von Staat und Religion.

    Dieses Mal bereite es ihm Schwierigkeiten, einen neuen Honorarprofessor vorzustellen, da eh jeder den neuen Kollegen kenne, begann Tim Drygala, Dekan der Juristenfakultät der Universität Leipzig, seine Ansprache. Thomas de Maizière, dem jene Worte galten, war im vergangenen Sommersemester zum Honorarprofessor an der Fakultät ernannt worden. Neben dem Politiker de Maizière gebe es auch den promovierten Juristen, der über ein umfangreiches Schriftenverzeichnis verfüge, führte Drygala aus. Nicht zuletzt wegen seines Bewusstseins für die Differenz zwischen geschriebenem und gelebtem Recht sei der neue Honorarprofessor ein Gewinn für die Fakultät.

    Thomas de Maizière

    Thomas de Maizière bei einem Interview mit student! im September 2018

    Der CDU-Bundestagsabgeordnete und unter anderem ehemalige Bundesinnenminister füllte mit seiner Antrittsvorlesung am 29. Januar auch noch um 18 Uhr den mittelgroßen Hörsaal 2 am Campus Augustusplatz – neben den geladenen Gästen stand immerhin gut die Hälfte der Sitzplätze interessierten Studierenden zur Verfügung. De Maizière kündigte seinen Zuhörer*innen einen „Impuls- und Debattenbeitrag“ über Religion im öffentlichen Raum an. Religion könne das sein, was die Gesellschaft im Innersten zusammenhält oder aber auseinandertreibt, stellte der Honorarprofessor fest.

    Während seines Vortrags graste er „Klassiker“ einer Staatskirchenrechtvorlesung ab, wie die Debatte um kopftuchtragende Lehrerinnen, Burkaverbote oder Lärmemission durch Kirchenglockengeläut. Dabei gab er Anekdoten aus seinen verschiedenen politischen Ämtern zum Besten und betonte immer wieder, für wie wichtig er einen gefestigten Glauben halte. Die kritische Frage nach einer islamophoben Prämisse seiner Ausführungen verneinte de Maizière mit der Begründung, ein engagierter Christ zu sein. Angst vorm Islam beobachte er hingegen eher bei Menschen ohne festen Glauben. Nach seiner Auffassung korreliere auch eine Verrohung der Sprache in sozialen Netzwerken mit der abnehmenden Bedeutung von Religion.

    Mit Applaus endete de Maizières erste Vorlesung als Honorarprofessor in Leipzig ohne Zwischenfälle. Nur vereinzelte, vor der Veranstaltung ausgeteilte „Krieg beginnt hier“-Flyer des Sozialistisch Demokratischen Studierendenverbands (SDS), erinnerten leise an die Nikolausvorlesung des damaligen Bundesministers für Verteidigung im Dezember 2012.

    Fotos: Paul Schuler

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