• Sport
  • Von Leipzig nach Tokio

    Laura Camboni

    Die Leipziger Studentinnen und Leistungssportlerinnen Friederike Freyer und Marie Pietruschka wurden vom Landessportbund Sachsen ins Team Tokio berufen. Was sie motiviert, für Olympia zu trainieren

    Der Landessportbund Sachsen (LSB) hat Anfang November 67 Sportler*innen in das Team Tokio berufen. Die nominierten sächsischen Athlet*innen „sollen in zwei Jahren bei den Spielen in Japan an den Start gehen und werden auf dem Weg dorthin ideell und aufwandsbezogen unterstützt“, ließ der LSB verlauten. Das Team Tokio ist demnach eine Aufstellung von Sportler*innen, denen der LSB große Qualifikationschancen für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio zuschreibt und sie deshalb gesondert fördern möchte. Der Sportbund sorgt für eine öffentlichkeitswirksame Begleitung der Sportler*innen und bietet ihnen seit Januar die Möglichkeit, finanzielle Zuschüsse für Trainingslager, Material oder auch Reisekosten für notwendige Qualifikationswett­kämpfe zu erhalten.

    Zu den Nominierten zählen die Leipziger Leistungssportlerinnen Friederike Freyer und Marie Pietruschka, die neben ihrer sportlichen Karriere an der Universität Leipzig studieren. Friederike ist Wasserspringerin und holte für Deutsch­land, zusammen im Duo mit Tina Punzel, bei den vergangenen Europameisterschaften (EM) 2018 in Kiew die Silbermedaille im olympischen Drei-Meter-Sprin­gen. Solche Erfolge werden nur durch hartes Training erreicht, wobei das Studium für Friederike kein Hindernis darstelle. „Ich war zwar noch nie zu Semesterbeginn da und kann aufgrund der Trainingszeiten nicht alle Vorlesungen besuchen, aber dennoch ist ein Teilzeitstudium als Leistungssportlerin machbar.“ Es sei der Zukunftsgedanke, der Friederike motiviert, ihr Lehramtsstudium für Sonderpäda­gogik abzu­schließen: „Ich weiß, dass ich mit Wasserspringen nicht viel Geld verdienen werde und das leider auch nicht ewig machen kann.“

    Leistungsschwimmerin und Psychologiestudentin Marie Pietruschka in Aktion

    Marie Pietruschka bei den European Aquatics Championships in Glasgow 2018 (Foto: Joseph Kleindl)

    Auch Marie verbindet ihre sportliche Karriere mit einem Bachelorstudium. Sie studiert Psychologie. Die Schwimmerin, die 2018 bei der EM in Kiew im 4×200-Meter-Freistil den dritten Platz belegte, hat sich erst im vierten Semester von der Regelstudienzeit verabschiedet. Sie sei keine vorbildliche Studentin, dennoch gelinge es ihr, neben einer 30-Stunden­-Trai­nings­­­woche, ihren univer­si­tä­ren Verpflichtungen nach­zu­kommen.
    Beide Sportlerinnen lassen ihre Ambitionen im Leistungssport nicht von einem Studium beeinflussen. Das heißt, sobald der Trainingsplan und die Termine der angestrebten Wettkämpfe für 2019 feststehen, integrieren beide Athletinnen ihr Studium in ihren Sport­alltag. Sie seien dankbar, dass ihre sportliche Weiter­entwicklung und mögliche Teil­nahme an den Olympischen Som­merspielen 2020 durch den LSB unterstützt werden.
    Wenngleich beide Sportler­in­nen von Wettkampf zu Wettkampf denken, rückt für die Studentinnen das Ziel der Qualifikation näher. Denn es ist nicht nur eine Medaille, die sie motiviert – allein eine Teilnahme würde Friederike unheimlich glücklich machen. Sie wisse, wie hart der Weg bis dahin ist. Falls sie sich nicht für die nächsten Sommerspiele qualifizieren sollte, sei es für Marie viel wichtiger, reinen Gewissens sagen zu können, dass sie alles für eine Teilnahme gegeben habe: „Vor­her könnte ich nicht mit dem Leistungssport aufhören“, merkt sie an.

    Auch Friederike sieht sich nicht als Verliererin: „Wettkämpfe zeigen mir, wie ich mich leistungstechnisch und per­sönlich in den letzten Jahren weiterentwickelt habe. Das ist schön zu sehen und mindestens genauso ein Gewinn für mich wie eine Medaille.“
    Noch ist nichts entschieden, denn der Weg zu den Olympischen Spielen 2020 hat für beide Wassersportlerinnen ge­ra­de erst begonnen.

     

    Titelfoto: privat

    Verwandte Artikel

    Sächsische Sportler ausgezeichnet

    student! war zu Gast auf der Sächsischen Sportgala des Landessportbundes Sachsen (LSB) in Dresden. Neben der Vergabe der begehrten Sportkrone gab es auch kritische Stimmen der Laudatoren.

    Sport | 14. Januar 2019

    „Ich bin näher an den Sportlern dran“

    Stefanie Weinberg ist neue Spitzensportbeauftragte der Uni Leipzig. Jahrelang vereinte sie ihre Profi-Schwimmkarriere erfolgreich mit einem Jura-Studium, nun gibt sie ihre Erfahrungen weiter.

    Interview Sport | 30. April 2018