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  • Sächsische Sportler ausgezeichnet

    Hagen Küsters

    student! war zu Gast auf der Sächsischen Sportgala des Landessportbundes Sachsen (LSB) in Dresden. Neben der Vergabe der begehrten Sportkrone gab es auch kritische Stimmen der Laudatoren.

    Am Samstagabend wurden im Internationalen Congress Center Dresden Sachsens Sportlerin, Sportler und Mannschaft des Jahres geehrt. Unter dem gebührenden Applaus zahlreicher Gäste aus Sport, Politik und Gesellschaft nahmen Wasserspringerin Tina Punzel (Dresdner SC 1898), der Nordische Kombinierer Eric Frenzel (SSV Geyer) sowie das Bob-Team um Francesco Friedrich (BSC Sachsen Oberbärenburg) die Sächsische Sportkrone entgegen. Die Preisträger sowie die Preisträgerin wurden im Vorfeld durch eine landesweite Umfrage unter Sportjournalisten und Sportfans ermittelt.

    LSB-Präsident Ulrich Franzen, der die Sächsische Sportgala feierlich eröffnete, lobte all jene Sportlerinnen und Sportler, die „das kleine, starke Sportland Sachsen sehr erfolgreich auf dem internationalen Parkett vertreten“ haben. Allen voran ihre Zielstrebigkeit, ihr Fleiß und ihr vorbildliches Auftreten seien bemerkenswert, betonte Franzen. Einen besonderen Dank richtete er im Rahmen der Gala an die ehrenamtlichen Betreuer sowie an Förderer, ohne die der Nachwuchs- und Spitzensport nicht möglich wäre.

    Den Weg in den Spitzensport hat Wasserspringerin Tina Punzel bereits erfolgreich gemeistert. Die Dresdnerin nahm die Sportkrone als Beste Sportlerin entgegen. Punzel, die bei den European Championships in Glasgow 2018 einen kompletten Medaillensatz gewann, setzte sich unter anderem gegen die Leipziger Kanutin Tina Dietze durch. Erstmals seit zehn Jahren durfte sich wieder eine Wasserspringerin über die Krone aus Meißner Porzellan freuen. In ihrer Dankesrede appellierte Punzel an die Medien, sich auch weiterhin verstärkt den sogenannten Randsportarten zu widmen: „Wenn ich früher gesagt habe, ich mache Wasserspringen, dann wurde immer gefragt was das denn sei. Mit Turmspringen oder Stefan Raab, da konnten dann ein paar was mit anfangen.“ Mittlerweile habe sich das doch etwas geändert, resümierte Punzel. Dies zeige auch ihr Sieg in der Kategorie Sportlerin des Jahres.

    Bei den Männern setzte sich der dreimalige Olympiasieger Eric Frenzel gegen seine starke Konkurrenz durch und konnte bereits zum fünften Mal in Folge die Wahl zum Sportler des Jahres für sich entscheiden. Der gebürtige Sachse aus dem Erzgebirge verwies nicht nur Skispringer Richard Freitag, sondern auch die beiden Leipziger Athleten, den Kanuten Franz Anton und den Para-Triathleten Martin Schulz, auf die Plätze. Frenzel, der zum Zeitpunkt der Sportgala im italienischen Val di Viemme um Weltcup-Punkte kämpfte, konnte seinen Preis nicht persönlich entgegennehmen. Per Video-Einspieler ließ er das anwesende Publikum jedoch wissen, wie sehr er sich über den erneuten Gewinn freut: „Es gibt so viele tolle und erfolgreiche Sportler in Sachsen, daher ist es für mich jedes Jahr immer wieder eine große Ehre.“ Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang 2018 gewann Frenzel zweimal Gold und einmal Bronze.

    Für kritische und insbesondere ehrliche Worte sorgte Para-Triathlet Martin Schulz. Bei seiner Laudatio für die Wahl zur Sportlerin des Jahres stimmte er gleichsam Publikum wie Presse nachdenklich: „Ich stehe nicht hier, weil es womöglich eine Behindertensportlerin unter die Top drei geschafft hat. Das ist leider nicht der Fall. Para-Sportler müssen in Sachsen leider mit der Lupe gesucht werden.“ Bisher habe es nur die Behindertensportlerin Kay Espenhain geschafft, 1996 zur Sportlerin des Jahres gekürt zu werden, führt Schulz weiter aus. Mit seiner deutlichen Kritik richtet er sich auch an die Sportförderung im Freistaat.

    Neben Schulz stieß auch die Laudatio von Ulrike Gräßler auf Ovationen. Die ehemalige Skispringerin äußerte sich kritisch über die oftmals fehlende Gleichstellung bei Mannschaftswettbewerben. So haben Frauen etwa im Skispringen keinerlei Möglichkeiten, im Team einen gemeinsamen Wettkampf zu bestreiten. Gräßler appellierte, man solle Frauen den Zugang, zu welcher Sportarten auch immer, nicht verwehren. Generell dürfe es keine Frage des Geschlechts sein, welche Sportart Mann oder Frau ausübe. „Vor allem sollten solche Entscheidungen nicht von Gremien getroffen werden, die vornehmlich aus Männern weit jenseits des Rentenalters bestehen“, stellte Gräßler unter Beifall aus dem Saal fest.

     

    Titelbild: A. Müller (LSB)

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