• Kolumne
  • Alter vor Schönheit

    Laura Camboni

    Wenn Breitensportler*innen versuchen, in öffentlichen Hallenbädern zu trainieren, endet das meist in unausgesprochenen Generationskriegen. Ein Abriss über die Beschwernisse von Hobbyschwimmer*innen.

    Er ist schon wieder da. Der Tag der Ruhe. Mein derzeitiger Austauschpartner nennt ihn Apokalypsen-Sonntag. Die Geschäfte sind geschlossen und Menschen wie vom Erdboden verschluckt. Es herrscht eine erdrückende Stille auf den Straßen.

    Mein Zufluchtsort an diesen endlos lang wirkenden Tagen ist das Schwimmbad. Das hat wenigstens auf. Ich treffe auf Menschen und es ist laut, wenn das Wasser an meinen Ohren vorbei rauscht.

    In Schwimmbädern ist meistens eine Sportbahn für schnelle Kraul- und Rückenschwimmer ausgeschildert, welche die Bahn von dem restlichen Schwimmbecken trennen. Sinn einer solchen Bahn ist es, in einem langgezogenen Kreis zu schwimmen, damit problemlos überholt werden kann und es demnach zu keinen Behinderungen kommt. Leider finden sich immer wieder Menschen, meistens ältere, die demonstrativ in der Mitte der Bahn Brust schwimmen, oder noch besser Rücken Altdeutsch (Brustschwimmen auf dem Rücken). Ihnen fällt anscheinend nicht auf, dass sie den Schwimmfluss der Sportler*innen auf der Bahn stören. Oder etwa doch?

    Sonntagskolumne von Laura

    Kolumnistin Laura

    Ich bin davon überzeugt, dass die älteren Damen und Herren ganz genau wissen, inwiefern sie mich und andere Breitensportler*innen behindern. Ihnen ist es schlichtweg egal. Für sie gilt das Prinzip first come first serve. Wer auch immer zuerst die Sportbahn belegt, bestimmt die Regeln nach denen geschwommen werden muss. Für mich gleicht das einem unausgesprochenen Krieg. Jede*r versucht, seine*ihre Regeln auf der Schwimmbahn durchzusetzen – ohne jegliche Kommunikation. Es sind eher abfällige Kommentare, die einem*r während der Rollwende zugemurmelt werden, wie: „Haben Sie schon mal was von Rücksichtslosigkeit gehört?“ oder „Frechheit, was Sie hier machen.“ Meine absolute Lieblingsaussage, wenn sich die älteren Schwimmer*innen beschweren, ist jedoch: „Die Jugend von heute hat einfach keinen Respekt.“

    Anscheinend ist es respektlos, wenn ich mich an die Regeln der Sportbahn halte, verschiedene Schwimmstile trainiere, gar mit Wasser um mich spritze, überhole und vermutlich einfach zu schnell mit Flossen schwimme. Schon ein bisschen lächerlich. Der demographische Wandel ist wohl auch im Schwimmbad angekommen. Nach einer aktuellen Volkserhebung der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sind 25 Prozent der deutschen Bevölkerung über 65 Jahre alt. Das macht sich auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmbädern bemerkbar.

    Der altbekannte Generationenkampf zwischen Jung und Alt wird nicht nur in der Politik oder am Arbeitsplatz ausgetragen, sondern mittlerweile auch auf der Sportbahn im Schwimmbad um die Ecke.

    Nachdem ich die beleidigenden Kommentare der älteren Generation erfolgreich ignorieren konnte, habe ich mein Training, inklusive Überholbehinderungen und Rücken-Altdeutsch-Blockaden, zu Ende gebracht. Bevor ich aus dem Schwimmbad gehe, lasse ich mich abschließend in der Dusche mit wichtigem Klatsch und Tratsch der Rentner*innen berieseln.

    Draußen erwarten mich zwar noch mehr Tropfen, dafür aber auch eine Stille, über die ich jetzt irgendwie doch ganz froh bin.

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