• Leipzig
  • Hilfe auf vier Rädern

    Sophie Goldau

    Noch gibt es in Leipzig, im Gegensatz zu anderen deutschen Großstädten, keinen sogenannten Kältebus für Obdachlose. Der Verein TiMMi ToHelp und die Linksfraktion wollen das ändern.

    Am 15. November startete das jährliche Winternotprogramm der Stadt Leipzig für Wohnungs- und Obdachlose. Dabei werden neben 94 ganzjährig vorhandenen Plätzen in den Übernachtungshäusern 41 zusätzliche geschaffen, außerdem werden Schlafsäcke und Notfallrucksäcke ausgegeben. Nun will die Stadt die Angebote ergänzen. Zu den neuen Maßnahmen zählen zum Beispiel die Bereitstellung von Schließfächern und Plätzen für Wohnungslose mit Hund in den Notunterkünften, zudem sollen Sozialarbeiter Fahrscheine für den Weg in die Notunterkünfte verteilen. Für das verbleibende Jahr 2018 werden ungefähr 42 Fahrscheine zur Verfügung gestellt. Insgesamt soll es ab 2019 mehr als eine halbe Million Euro zusätzlich für die Obdachlosenhilfe geben. Das übergeordnete Ziel ist es, den Zugang zu Hilfe einfacher zu gestalten.

    Zentral ist auch die Einführung eines Kältebusses, was auf einen Antrag der Linksfraktion zurückgeht. Der Bus soll in den Abend- und Nachtstunden schnelle Kontakte und Hilfe sowie Essensversorgung und Trans­port zu Notunterkünften ermöglichen. Der ehrenamtliche Verein TiMMi ToHelp plant bereits seit Dezember 2017 einen eigenen „Care Bus“, noch gibt es ihn aber nicht. Ob der Verein für die Verwirklichung des Kältebus-Projekts der Stadt infrage kommt, ist noch unklar. „Wir wissen nicht, wie die Stadt das vorhat, warten aber gerade auf die Interessensbekundung, uns in unserem Projekt zu fördern“, berichtet Kay vom TiMMi-Team. Der Verein hofft da­rauf, dass der von der Stadt geförderte Bus im Dezember oder Januar endlich rollt, unabhängig von welcher Organisation. Billy, ebenfalls Vereins­mitglied, fügt hinzu: „Bei uns wäre der Kältebus kein saisonales Angebot, da Obdachlosigkeit kein saisonales Problem ist. Die Menschen haben auch im Sommer Hunger.“ Momentan verteilt der Verein noch zu Fuß einmal die Woche Essen, Kleidung und Schlafsäcke in der Leipziger Innenstadt.

    TiMMi ToHelp und Helfer beim Verteilen in der Innenstadt (Foto: Sophie Goldau)

    Dabei hilft auch der neu gegründete Verein Punkwerkskam­mer (PWK). Er soll Ob­dach­losen eine Art Notfall-Hilfe sein, unter seinen 15 Mitgliedern befinden sich selbst viele Betroffene. Luigi, der im Verein Abteilungsleiter für humanitäre Projekte ist und bis vor kurzem noch obdachlos war, sieht die bisherigen Angebote der Stadt kritisch: „Das Problem ist, dass die Notunterkünfte zu weit auseinander liegen. Ich müsste woandershin als meine Frau und mein Hund müsste ins Tierheim“. Seine Partnerin Nadine, Vorstandsvorsitzende und Frauenbeauftragte der PWK, ergänzt: „Außerdem hat man keinerlei Privatsphäre bei manchmal mehr als vier Leuten im Raum.“ Das ist ein Problem, auf das Luigi ebenfalls hinweist: „Viele Leute wollen aus diversen Gründen gar nicht zu den Notschlafstellen.“

    Das kann auch Frank Meyer bestätigen, der eigentlich anders heißt. Er ist seit einem Jahr wohnungslos und kommt gelegentlich bei Freunden unter, tagsüber ist er am Hauptbahnhof unterwegs. Er würde sich für Leipzig solche Projekte wünschen, wie es sie im vergangenen Winter in Berlin gab, als ein Verein Häuschen aus Spanplatten und Europaletten für Obdachlose errichtete. „Die Stadt und ehrenamtliche Vereine wie wir müssen endlich zusammenarbeiten, nur so können wir viel erreichen. So wie es jetzt ist, ist es einfach zu unorganisiert und wir können ohne Förderung nicht so viel leisten, wie wir gerne würden“ stellt Kay fest. Ob das beim Kältebus der Fall sein wird, ist fraglich. Aus einer Pressemitteilung der Linksfraktion geht hervor, dass der Bus mit sozial arbeitenden Vereinen zusammenarbeiten wird und hierfür 75.000 Euro von der Stadt bereitgestellt werden.

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