Jura-To-Stay, Jura-To-Go

Paul Schuler

Dennis und Ben studieren Jura an der Uni Leipzig. Dennis ist im 10. Semester und wird noch einige dranhängen. Ben ist im 5. Semester und will in zwei Jahren fertig sein. Was sind ihre Motivationen?

Ein Studium kann auf unterschiedliche Weise bestritten werden. Einige verbringen mehr Zeit an der Uni als so mancher Professor, andere vergessen fast, wie die Uni heißt, weil sie schon an ihren ersten Job denken. Nicht alle fallen in dieses Raster, doch umso spannender ist es, zwei Studenten gegensätzlicher Strategien zu treffen. student!-Redakteur Paul Schuler sprach mit den angehenden Juristen Dennis, ebenfalls Redaktionsmitglied, und Ben über ihr Studium an der Universität Leipzig.

Dennis

student!-Redakteur Dennis studiert Jura nicht im Schnelldurchgang

dennis

student!: Was ist deine Motivation, Jura zu studieren?
Dennis: Meine Motivation war ursprünglich ein spezifisches Berufsziel: Ich wollte etwas in Richtung Diplomatie beim Auswärtigen Amt machen, was sich aber während des Studiums recht schnell erübrigt hat. Dann dachte ich eher in Richtung Rechtsanwalt. Außerdem interessiere ich mich für Politik und dachte, dass Jura einen dazu befähigt, sich politisch zu engagieren. Zusätzlich wollte ich ein Grundwissen erwerben, von dem ich meinte, es im Alltag brauchen zu können.

Wieso nimmst du dir mehr Zeit als viele deiner Kommilitonen?
Weil ich am Anfang des Studiums relativ frustriert war und auch noch nicht wusste, ob ich zu Ende studieren wollte. Nebenbei habe ich mich an anderen Sachen versucht und erst später die Motivation gefasst, das Studium durchzuziehen. Zum einen war es mir aber immer wichtig, nebenbei an anderen Projekte mitzuwirken, bei denen ich etwas lernen kann. Zum anderen wollte ich nicht so schnell durchstudieren, sondern nach meinem eigenen Tempo machen und nicht meine ganze Woche mit Vorlesungen vollgestopft haben, wie es bei manch anderen der Fall ist.

Was hältst du von der Regelstudienzeit?
Nichts. Das Problem ist, dass diejenigen, die das Studium anfangen, oftmals noch 17 sind. Wenn sie dann ihr Studium durchziehen, wissen sie häufig noch gar nicht richtig, wer sie selbst sind. Deshalb halte ich gar nichts davon, das Ding in Regelstudienzeit durchzuziehen. Man sollte sein eigenes Tempo finden und andere Sachen ausprobieren, damit man hinterher sicher ist und sagt: „Ja, das ist es, was ich machen möchte!“, und nicht mit 40 denkt: „Ich hätte eigentlich doch was anderes machen sollen.“

Was sind deine Nebenbeschäftigungen und Hobbies?
Ich mache verschiedene Arten von Sport. Ansonsten geht viel Zeit für mein Enga­gement in der Hochschulpolitik und bei dieser Zeitung drauf. Ich bin auch bei der studentischen Rechtsberatung Law & Legal aktiv.

Treffen auf dich die Klischees eines Langzeitstudenten zu – bist du beispielsweise faul und eher ziellos?
Nein. Ich würde mich auch ganz klar nicht als Langzeitstudent bezeichnen, sondern als jemand, der keinen Bock auf Regelstudienzeit hat. Es gibt natürlich keine klare Definition von „Langzeitstudent“, aber ich würde nicht sagen, dass ich einer bin. Gerade in meinem Studiengang gibt es viele Leute, die genauso lang wie ich studieren. Das hat oft den Grund, dass sie sich neben oder an der Uni engagieren und trotzdem das Ziel haben, das Studium nicht unnötig in die Länge zu ziehen, sondern baldmöglichst einen Abschluss zu machen.

Wie rechnest du deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus?
Bei Jura ist es schon wichtig, dass man ein gutes Examen schreibt. Natürlich kann man, wenn man sich als Anwalt selbstständig machen will, auch mit vier Punkten abschließen. Da ich berufliche Selbstständigkeit anstrebe, vielleicht gar nicht im juristischen, sondern auch im wirtschaftlichen Bereich, denke ich, dass mir mein Engagement nebenher viel mehr bringt als ein besonders schnelles Studium. Ich habe ja wesentlich mehr Lebenserfahrung, ein deutlich größeres Netzwerk und schon viele Dinge gemacht, die andere wiederum gar nicht ausprobiert haben.
Zu guter Letzt weiß ich auch, was ich möchte und das ist eine Frage, die sich vermutlich viele, die in Regelstudienzeit studiert haben, nie gestellt haben.

 

Ben

Jura-Student Ben studiert schnell
Ben

student!: Was ist deine Motivation, Jura zu studieren?
Ben: Zum einen hat Jura verschiedene Gestaltungmöglichkeiten. Es gibt für unterschiedliche Sachverhalte nicht nur eine richtige Entscheidung, sondern immer einen Spielraum, in dem man sich bewegt. Ich finde es cool, mit den Möglichkeiten, die man hat, einen Fall lösen und so Menschen helfen zu können. Zum anderen reizt es mich, als Anwalt Interessen von Klienten zu vertreten oder als Richter zwischen verschiedenen Parteien zu vermitteln. Und es gibt die Möglichkeit, einen gewissen Einfluss auf das zu haben, was so alles in der Welt passiert.

Warum versuchst du dein Studium möglichst schnell abzuschließen?
Eigentlich geht die Examensvorbereitung im sechsten Semester los und würde normalerweise drei Semester dauern. Bei mir wären das wahrscheinlich nur zwei Semester, weil ich im sechsten Semester ins Ausland gehen möchte. Das wäre dann ein Semester vor Regelstudienzeit. Ich habe keinen Bock so ewig zu studieren, weil ich arbeiten, Geld verdienen und unabhängig sein möchte. Außerdem ist BAföG auf Regelstudienzeit ausgelegt. Ich will auch den Freischuss (Erstversuch des Staatsexamens, Anm. d. Red.) machen, weil man einen Verbesserungsversuch bekommt, den man sonst nicht hat. Es sind also nicht nur ideelle, sondern auch finanzielle Gründe.

Was hältst du von der Regelstudienzeit?
Zur Orientierung ist sie ganz sinnvoll. Bei Jura entspricht das durchaus einem hohen Workload, aber wenn man sich einen Plan macht und dahinter bleibt, dann überfordert das einen auch nicht. Ich mache nebenbei noch etwa 20 Stunden Sport die Woche; samstags habe ich Volleyballspiele. Es ist nicht so, dass ich kein Leben neben dem Studium habe.

Was sind deine Nebenbeschäftigungen und Hobbies?
Ich spiele Volleyball und gehe ins Fitnessstudio. Kombiniert mit der Uni bleibt da nicht viel Zeit übrig. Sonst treffe ich mich mit Freunden, wenn es denn mal passt. Im Sommer fahre ich manchmal an den See oder mache zum Beispiel eine Fahrradrunde um den Cossi.

Treffen auf dich die Klischees eines Kurzzeitstudenten zu – bist du beispielsweise sehr ehrgeizig und misst Noten eine große Bedeutung bei?
Ich würde mich schon grundsätzlich als ziemlich ehrgeizig bezeichnen und habe auch einen gewissen Anspruch an mich selbst. Es müssen nicht unbedingt immer die besten Noten sein und ich verspüre auch nicht den Drang, der Beste sein zu wollen. Ehrgeiz mit nicht zu viel Verbissenheit ist eigentlich ganz gut. Man sollte aber auch nicht zu hart mit sich sein, denn gerade bei Jura kann man einfach nicht alles wissen.

Wie rechnest du deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus?
Das Ausschlaggebende dafür, wo es hingehen wird, sind entweder Kontakte zu Kanzleien, wobei dann das Examen nicht ganz so wichtig ist, oder eben die Examensnote. Wenn das Examen nicht ganz so gut ist, fängt man irgendwo klein an und kann sich dann bis zu einem gewissen Punkt hocharbeiten. Mit einem guten Examen fängt man einfach drei Schritte weiter oben an.
Man kann sich natürlich gut auf die Prüfungen vorbereiten, aber es kommt vor, dass man mit Dingen konfrontiert wird, die man sich nicht angeguckt hat. Zusätzlich ist es bei Jura auch sehr abhängig von den Korrektoren. Manchmal hat man Glück und manchmal eben weniger. Ich weiß jetzt selbst noch nicht, wo es für mich hingeht.

 

Fotos: Paul Schuler

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