• Hochschulpolitik
  • Sprung auf Examensniveau

    Felix Fischer

    Zur Vorbereitung auf das juristische Staatsexamen nutzen viele Studierende ein privates Repetitorium. An der Universität Leipzig machen die Programme LEO und Leonie privaten Anbietern Konkurrenz.

    Um sich angemessen auf das juristische Staatsexamen vorzubereiten, machen in Deutschland die allermeisten Studierenden ein privates Repetitorium. Die Kosten hierfür betragen schnell 2.000 Euro. Schätzungsweise 90 Prozent der Studierenden besuchen bundesweit solche privaten Anbieter. Und das nicht ohne Grund: Die Kurse stellen umfassend Lernmaterial bereit und gelten als besonders zuverlässig. Einige Studierende halten sie für unverzichtbar. Alternativ unterhalten inzwischen einige Universitäten staatliche Angebote.

    In den 90er Jahren war die Leipziger-Examens-Offensive (kurz LEO) eine der ersten Versuche den kommerziellen Kursen einen staatlichen entgegenzusetzen. Heute ist LEO ein erfolgreiches Projekt, circa 40 Prozent nutzen das universitäre Repetitorium. Immer mehr verlassen sich in der Examensvorbereitung auf das Angebot. Um dieses Konzept zu ergänzen, haben Zwanzger und seine Mitarbeiter im Sommer 2017 das Projekt „Leonie“ gestartet. Die kleine Schwester der großen LEO soll den Schritt vom Grundstudium zum Examen erleichtern, mit dem so viele Studierende kämpfen. „Der Sprung auf das Examensniveau ist für die Studierenden gewaltig“, sagt Professor Zwanzger, der einen Lehrstuhl für Rechtsgeschichte innehat.

    Weil in Leipzig viele BAföG beziehen, ist der Druck besonders groß. Denn die Regelstudienzeit einzuhalten, ist im Jurastudium nicht einfach. Nach dem Grundstudium gilt es vor allem, sich die juristische Arbeitstechnik anzueignen. „Aber ich kann mich nicht morgens in die Bibliothek setzten und sagen: ‚Heute lerne ich die Technik‘. Technik lernt man nur durch Training und dadurch, dass man mit der Examenssituation konfrontiert wird“, meint Zwanzger. Und deshalb setzt er seine Studierenden schon im fünften Semester vor echte Examensklausuren, aufbereitet mit Lösungshilfen, um die Teilnehmer nicht gleich zu frustrieren. Bei Leonie erarbeiten sich die Studierenden selbstständig eine Lösungsskizze, um sie anschließend in der vierstündigen Veranstaltung mit dem Professor durchzuarbeiten. Es sei nicht einfach, über eine so lange Zeit konzentriert zu bleiben, meint Zwanzger. Auch ihm selbst falle das zuweilen schwer. Umso beeindruckter zeigt sich der Zivilrechtler, dass so viele Studierende kontinuierlich die Veranstaltung besuchen. „Das zeigt auch, dass wir mit Leonie eine Lücke besetzen. Es gibt keine vergleichbaren Angebote privater Repetitoren.“

    Zwanzger ist nicht allein, Professorin Beckemper leitet den strafrechtlichen Teil des Projekts. Sie wirbt in ihrer Vorlesung Strafrecht für Fortgeschrittene intensiv für Leonie: „Wenn Sie meine Abschlussklausur bestanden haben, machen sie bloß keinen Haken hinter die Examensvorbereitung! Kommen Sie zu Leonie, davon werden Sie ungemein profitieren.“ Die Professoren sind sehr beliebt bei den Studierenden. „Beide haben die erforderlichen didaktischen Fähigkeiten, um die komplexen Klausurlösung anschaulich zu erläutern“, sagt Louis, der im fünften Semester Jura studiert und Leonie selbst regelmäßig besucht. Zwanzger weiß, dass für die Studierenden oft die Gewichtung in der Examensvorbereitung ein Problem ist. Er sagt, seine Sorge sei, dass die Studierenden den Stoff pauken, aber das Anwenden desselben zu kurz kommt. Genau das wollen er und sein Team mit Leonie adressieren. „Manchmal wirken die Examenskandidaten ein bisschen wie der mächtige Krieger, der ein viel zu schweres Schwert schwingt und dann damit vor sich hin torkelt. Ein Schwert ist nur effektiv, wenn man weiß, wie man damit umgeht.“

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