• Kultur
  • Dystopie, Genderdiskriminierung und Selbstoptimierungszwang

    Sophia Müller

    Die aktuelle Ausstellung der HGB Leipzig zeigt die künstlerischen Arbeiten aufstrebender Studierender. Eine spannende Komposition unterschiedlicher Genres, Fachrichtungen und Themenkomplexe.

    In der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) werden momentan die Arbeiten der für den Studienpreis des HGB-Freundeskreises nominierten Studierenden ausgestellt. Auf zwei Ausstellungsräumen erwartet die Besucher eine Komposition unterschiedlichster Genres und Themenkomplexe.

    Die zehn jungen Künstler nutzen für ihre Arbeiten die Medien Grafik, Skulptur, Fotografie und Malerei und kreieren so ein vielfältiges Gesamtarrangement. Auf den beiden Ausstellungsflächen wird der Betrachter mit kritischen Inhalten wie Nationalsozialismus, Traumabewältigung und Sexismus konfrontiert.

    So beschäftigt sich eine Arbeit mit der Diskriminierung der Frau in Goethes „Faust“, ein Projekt verbindet an die Wand projizierte Momentaufnahmen mit fiktiven Geschichten und eine weitere fotografische Arbeit zeigt inhumane Architektur in grauen Großstädten. Die Fotos zeigen spitze Attrappen aus Stein und harte Sitzbänke an U-Bahn- Stationen, die Obdachlose oder betrunkene Studierende vom Verweilen abhalten sollen. 

    Die Jury hat drei der Exponate ausgewählt und die jeweiligen Studierenden mit einem Preisgeld geehrt. Christian Kölbl, der den dritten Platz erhielt, präsentiert in „The philosophers stone“ verschiedene Objekte, die unter anderem an Fitness-Equipment erinnern: eine diffus verbogene Hantel, eine lederbezogene elegant anmutende Streckbank und glitzernde Plastikgegenstände. Dahinter versteckt sich dekorativ verpackte Gesellschaftskritik am Selbstoptimierungszwang und der Eitelkeit unserer Zeit.

    Oscar Lebeck, der den zweiten Platz belegt, beschäftigt sich mit der Aufarbeitung von NS-Gedenkstätten. Auf acht Pigmentdrucken präsentiert er die Fundamente nationalsozialistischer Tatorte, erweitert durch Quader aus Plexiglas, die den Fotografien durch die Dreidimensionalität eine bedrückende Lebendigkeit verleihen.

    Die Plakate der Gewinnerin Josefine Schön spielen mit dem Wiedererkennungswert unterschiedlicher Schrifttypen sowie den jeweils vermittelten Gefühlen und unbewussten Schlussfolgerungen. Sie zeigen prägnante Text-Kombinationen in kontrastreichem Schwarz-Weiß: „Armut muss sich wieder lohnen“ oder „Protest muss sich wieder lohnen“. Die plakative Schriftart „COMPACTA“ erinnert an reißerische Schlagzeilen der Bild-Zeitung und Werbeplakate.

    Die jungen Künstler spannen mit ihren Ausstellungsstücken ein komplexes Netz aus Ideen und Geschichten, die den Betrachter berühren und zum Nachdenken anregen. Die Lage der Galerie im Herz der Akademie erzeugt eine familiäre und persönliche Atmosphäre sowie die Gelegenheit sich mit den ausstellenden Studierenden über ihre Arbeiten zu unterhalten. Die Ausstellung kann noch bis einschließlich 24. November von 14 bis 18 Uhr in der Galerie der HGB besucht werden.

    Titelbild: v.l.n.r. Thomas Locher (Rektor HGB), Oscar Lebeck (2. Preis), Josefine Schön (1. Preis), Christian Kölbl (3. Preis), Dr. Verena Tintelnot (Vorsitzende HGB-Freundeskreis) Foto: Elisabeth Stiebritz

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