• Kolumne
  • Orangene Verschwörung

    Dennis Hänel

    Du lässt dich gerne von der Mensa bekochen, magst aber keine Karotten, oder bist dagegen allergisch? Dann kann der Mensagang schnell zum Spießroutenlauf werden.

    Ob ich zum Mittagessen gerne in die Mensa gehe? Natürlich. Schließlich verfüge ich weder über die Zeit, noch die nötige Kochkompetenz, mir jeden Tag ein warmes Gericht zuzubereiten, welches dem Begriff „Mahlzeit“ gerecht werden würde. Wenn der Tag ohnehin nur aus Bibliothekstristesse besteht, ist es ja auch ungemein praktisch, das Hörsaalgebäude nicht verlassen zu müssen und einfach schnell „mal rüber“ gehen zu können.

    Das Gute an den Leipziger Mensen, insbesondere der Mensa am Park, ist die solide Qualität der Speisen und die große Auswahl, die im Gegensatz zu Schulzeiten eben nicht aus einem fragmentierten Einheitsgericht besteht, von meiner Nudeldiät in den Semesterferien mal abgesehen. Doch leider findet sich immer ein Haar in der Suppe, beziehungsweise ein Karottenstreifen in der Rindfleischsoße.

    Möhren sind scheiße

    Kolumnist Dennis mag keine Möhren.

    Es scheint vielen Mensagängern nicht aufzufallen, doch auf nahezu jedem Teller finden sich versteckte Karotten, egal ob das zum Gericht passt oder nicht. Reflexartig wird einem das Argument „Karotten sind gesund!“ entgegen gebellt und man könnte tatsächlich glauben, der Mensaleitung läge etwas an unserer Gesundheit. Doch anderes Gemüse wie zum Beispiel Brokkoli sind auch gesund, aber dennoch nicht in jeder Soße versteckt. Vielmehr kommt hier der Verdacht auf, die Karotten werden verwendet, weil sie vor allem preiswert sind und die Maxime ist ja, die Studierenden sollen für kleines Geld satt werden.

    Dagegen ist natürlich auch nichts einzuwenden, nur gibt es eben Leute, bei denen Karotten nicht Teil der Ernährungspyramide sind. Genau diese Leute, zu denen ich mich ebenfalls zähle, sitzen dann zu Tisch und entgräten den Wok-Teller wie einen Fisch, um am Ende einen Haufen Karotten übrig zu lassen.

    Klar sagt ihr jetzt, was regt er sich auf, typisch verzogenes First-World-Kind, soll er sich nicht so anstellen oder eben wo anders essen und hier nicht so eine Wohlstandsjammertirade in Textform darbieten. Ja, da ist natürlich was dran, zumal sich über die Mensa zu beschweren auch irgendwo zum Studierenden-Sein dazugehört. Mir schmecken Karotten schlicht und einfach nicht und ich möchte die Gerichte bitte trotzdem gerne mit ohne die selbigen, danke. Wenn nicht, werde ich irgendwann meinen Unmut so artikulieren, dass ich die aussortierten Karottenberge sammle und in den Beschwerdekasten am Mensaausgang werfe. Gruß an die Küche. Und weil ihr bis hier her gelesen habt, noch ein kleiner Witz: Bestellt ein Jurastudent Essen in der Mensa: „Ein Bundesverwaltungsgericht bitte.“

     

    Verwandte Artikel

    Stau am laufenden Band

    Lange Schlangen und zu wenig Platz – das Studentenwerk Leipzig sucht Lösungen für die überfüllte Mensa am Park.

    Hochschulpolitik | 16. November 2018

    Privatsphäre im Internet: Der Preis der Freiheit

    Vor 29 Jahren fiel die Mauer und damit auch der Überwachungsstaat DDR. Die heutige Online-Überwachung ist vielen gar nicht bewusst, oder egal. Zeit, mal über Privatsphäre im Internet nachzudenken.

    Kolumne | 11. November 2018