• Hochschulpolitik
  • Popcorn zur PowerPoint

    Pia Benthin

    Seit Beginn des Wintersemesters lagert die Universität Leipzig Vorlesungen ins CineStar-Kino aus, weil die Hörsäle am Campus Augustusplatz nicht mehr ausreichen. Eine Dauerlösung soll das nicht sein.

    Beim Blick ins Vorlesungsverzeichnis des Wintersemesters 2018/19 haben sich wohl einige Student*innen und Dozent*innen der Universität Leipzig gewundert. Denn die Hoch­schule lagert gleich mehrere Ver­anstaltungen ins CineStar-Kino im Petersbogen aus. Davon betroffen sind vier Vorlesungen der Anglistik, Bildungs­wissenschaften und So­ziologie. Nun sollen auch Veranstaltungen der Germanistik verlegt werden. Leipzig ist damit kein Einzelfall; in den vergangenen Jahren gingen schon die Universitäten Würzburg, Hannover und Duisburg-Essen diesen Schritt.

    Das liegt am „erhöhten Hörsaal-Bedarf am Hauptcampus am Augustusplatz“, sagt Carsten Heckmann, der Pressesprecher der Universität Leipzig. Alle großen Hörsäle seien von Montag bis Freitag komplett belegt, erklärt Fabian Tronicke, Geschäftsführer des StuRa der Universität Leipzig. Wie aus der Pressemitteilung der Universität hervorgeht, haben sich wie schon im letzten Jahr 7.000 Studienanfänger*innen an der Universität eingeschrieben, davon circa 1.300 Erstsemester des Lehramts und 600 in der Rechtswissenschaft. Heckmann sagt dazu: „Der Aufwuchs in diesen Studienfächern ist im Sinne der Daseinsvorsorge von der Landesregierung dringend gewünscht.“ Und auch Eva-Maria Stange, Sachsens Wissenschaftsministerin, lobte bei der Immatrikulationsfeier 2018 die Uni­versität, da sie erheblich dazu beitrüge, „dass in den nächsten Jahren genügend Lehrerinnen und Lehrer für die sächsischen Schulen zur Verfügung stehen“. Heckmann zeigt auf, dass die Landesregierung die Zahl der Studierenden senken möchte, verweist aber auf die Worte von Rektorin Beate Schücking: „Aus unserer Sicht passt in eine wachsende Stadt keine schrum­pfende Universität.“

    Das CineStar-Kino wurde für die Universität vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement angemietet. In den ersten Wochen des neuen Semesters scheinen die Vorlesungen im Kinosaal gut bei den Student*innen anzukommen. Von Heckmann heißt es: „Der Kinosaal ist zentral gelegen und damit gut erreichbar, er bietet zudem gute Voraussetzungen für Präsentationen.“ Ein Problem sind fehlende Tische und das nicht vorhandene WLAN. „Das Fehlen der Tische können wir zum Glück durch Klemmbretter ein wenig kompensieren“, meint Heckmann. Diese werden von der Universität zur Verfügung gestellt.

    Doris Schönefeld, Professorin für Anglistische Sprach­­­­­­­wissenschaft an der Universität Leipzig, bemängelt das fehlende Internet ebenfalls, befindet die Technik allgemein aber für „durchaus angemessen“. Sie äußert allerdings auch Bedenken: „Es wird wohl schwierig sein, die Aufmerksamkeit der Zuhörer an sich zu binden, das Ambiente ist doch sehr mit Entspannung und Spaß assoziiert.“ Die Vorlesungen im Kino werden bei Student*innen mit Humor gesehen, zumal man es sich in den Sesseln durchaus bequem machen kann. Eine Dauerlösung soll das nicht sein, da sind sich alle Beteiligten einig.

     

    Foto: Universität Leipzig / Swen Reichhold

    Verwandte Artikel

    Stau am laufenden Band

    Lange Schlangen und zu wenig Platz – das Studentenwerk Leipzig sucht Lösungen für die überfüllte Mensa am Park.

    Hochschulpolitik | 16. November 2018

    „An der Uni ist zu wenig Raum für Austausch“

    Vom 8. bis 26. Oktober finden die Kritischen Einführungswochen an der Universität Leipzig bereits zum siebten Mal statt. student!-Autorin Lucie sprach mit Jami, der an der Organisation beteiligt ist.

    Hochschulpolitik Interview | 21. Oktober 2018