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  • Nur eine kleine Rezension

    Pia Benthin

    Ein paar Martinis und eine Verabredung der Kinder zum Spielen. Mehr braucht es nicht um die Fassade des idyllischen Vorstadtlebens in „Nur ein kleiner Gefallen“ zum Bröckeln zu bringen.

    „Gossip Girl” trifft auf „Desperate Housewives”. Schmutzige Wäsche hat in „Nur ein kleiner Gefallen“ jeder zu waschen, egal ob von H&M oder Chanel. Mit viel Humor inszeniert Paul Feig einen einzigartigen Thriller und liefert geballte Frauenpower mit Blake Lively und Anna Kendrick in den Hauptrollen.

    Über ihre Söhne lernen sich die vielbeschäftigte PR-Chefin Emily (Blake Lively) und die alleinerziehende Vloggerin Stephanie (Anna Kendrick) kennen. Bei dem ein oder anderen Cocktail prallen die verschiedenen Welten der zwei Frauen aufeinander und trotz aller Unterschiede scheint es Freundschaft zu sein. Stephanie zögert somit keinen Moment als Emily sie bittet, ihren Sohn Nicky nach der Schule mit zu sich zu nehmen. Doch Emily taucht nicht wieder auf. Gemeinsam mit Emilys Mann Sean (Henry Golding) startet Stephanie eine Suchaktion nach ihrer Freundin und nutzt dabei auch ihre Online-Community.

    Was skurril klingt, ist es auch. „Nur ein kleiner Gefallen“ wirkt auf den ersten Blick wie ein normaler Thriller im perfekten Vorstadtort. Stereotype Charaktere und schöne Kleider unterstützen dieses Bild. Doch mit jeder Minute wird der Film vielschichtiger und die aufgebaute Fassade immer mehr zerstört. Wenn man während des Schauens glaubt, man wüsste wie der Film endet, irrt man gewaltig. Die Handlung ist so verstrickt und verwirrend, dass es schwer fällt zu glauben, dass sie auf wahren Begebenheiten basiert.

    Filmrezension zu "Nur ein kleiner Gefallen"

    Stephanie (Anna Kendrick) scheint in der Rolle der perfekten Mutter aufzublühen und lässt die Eltern in schlechtem Licht dastehen.

    Immer wieder ist der Film sehr spannend, an anderen Stellen eher lustig und nie weiß man ob es eher Parodie oder ernsthafter Thriller ist. Regisseur Paul Feig meint über den Film: „Ich liebe es, mit mehreren Genres zu spielen und genauso liebe ich es, bestehende Regeln und filmische Konventionen zu verdrehen Thriller habe ich schon immer am liebsten gesehen, deshalb war ich begeistert mit ihrer Struktur herumexperimentieren zu können“.

    Viele Dinge in „Nur ein kleiner Gefallen“ sind stark überspitzt dargestellt und scheinen uns auf diese Weise unsere Gesellschaft vor Augen führen zu wollen. Stephanie zum Beispiel ist Mom-Vloggerin und zeigt in perfekter Kulisse wie man mit nur wenigen Zutaten tolle Brownies backt. Als Emily verschwindet, nutzt sie ihre Zuschauer, um ihre vermeintliche Freundin zu finden und gibt immer wieder sensible Daten in den Videos preis. Die Realität bekommen die Zuschauer ihrer Videos nicht mit.

    Rezension zu "Nur ein kleiner Gefallen"

    In die Vorstadt passt Emily (Blake Livel) überhaupt nicht und so wirkt auch ihr Verschwinden anfangs nur wie eine ihrer Launen.

    Anna Kendrick zeigt in der Rolle der Stephanie, was sie schauspieltechnisch so alles drauf hat. Von Blake Lively ist man auch durchaus besseres gewohnt. So hundert Prozent harmonieren die Beiden nicht miteinander. Und das zieht den Film durchaus runter und lässt ihn an manchen Stellen noch konstruierter wirken. „Nur ein kleiner Gefallen“ ist ein Film, bei dem es auf keinen Fall langweilig wird. Über fast zwei Stunden wird einem von kiffenden Vorstadteltern, extravaganten Modeschöpfern und Kunstblut alles geboten. Bei einer guten Tüte Popcorn kann man hier richtig Spaß haben und sich der Skurrilität des Lebens erfreuen.

    Filmstart: 8. November 2018

    Fotos: Filmstarts / Metropolitan FilmExport

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