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  • Bist du zu uncool für diesen Roman?

    Celine Schmock

    Kiffen in Kalifornien, Surfen in Marokko und Feiern in Leipzig – all das findet man im ersten Roman von Fritz Schneider, der vor hipper Lebensentwürfe nur so strotzt.

    Auf in die weite Welt – das dachte sich auch Hanno, der Protagonist in „Marock’n Roll“. Geschrieben hat den Roman Fritz Schneider, der darin die Geschichte von vier ganz unterschiedlichen Menschen auf ihrer Reise zu sich selbst und auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit erzählt.

    Hanno wird zuerst vorgestellt. Nachdem ihm auf einer Familienfeier dazu geraten wird, sich doch endlich einen „richtigen“ Job zu suchen, reist er nach Marokko. Er mietet sich eine kleine Wohnung und beschließt, sich mehr auf Kunst und Surfen zu konzentrieren. Schnell wird jedoch klar, dass auch der Tod seines Bruders eine große Rolle spielt, denn er hat regelmäßig mit “Flashbacks” und Schuldgefühlen zu kämpfen.

    Parallel dazu stehen drei weitere Geschichten. Lena, Hannos Ex-Freundin, ist zur selben Zeit auf einer Marihuana-Farm in Nordkalifornien mit einem Mann, den sie zuvor auf einer Reise kennenlernte. Hier zeigt sich zuerst die Besonderheit des Buches: Es ist mehrsprachig verfasst. Dialoge, die in der Realität auch auf Englisch gesprochen werden würden, sind auch so geschrieben. Autor Fritz Schneider bezeichnet das selbst als „Multi Language Travel Novel“. Das Niveau der englischen Passagen ist jedoch immer leicht formuliert und, bis auf einige Fachbegriffe, gut zu verstehen – auch ohne gute Englischkenntnisse.

    Weiter geht es mit Hannos neuer Freundin Elli, die in Leipzig wohnt und neben ihrem „Nine-to-five“-Job, immer wieder durch die Nacht zieht. Auch sie ist noch nicht so recht angekommen, sucht ihr Glück in Sex und Drogen. Es wird deutlich, wie unterschiedlich die Beziehungen sind, die hier vorgestellt werden. Während Lena dem Konzept, dass ihr Freund auch andere Frauen küsst, eher skeptisch gegenübersteht, verkörpert Elli genau das. Sie träumt von der einen und schläft kurz darauf mit dem anderen. Der Roman zeigt so, wie Beziehungen heutzutage funktionieren können. Es gibt eben nicht nur Mann und Frau, sondern viel mehr.

    Zuletzt wird Rob vorgestellt, der sich in den Alpen herumtreibt. Hier klettert er und will so seinen Horizont erweitern. Immer wieder geht es auch um den verstorbenen Mark, der nicht nur Hannos Bruder, sondern auch Robs Freund war. In Rückblicken wird er wieder zum Leben erweckt.

    „Marock’n Roll“ beschäftigt sich mit „hippen“ Themen wie Surfen, Yoga, der Legalisierung von Marihuana und Frauenrechten, wirkt jedoch manchmal fast zu kitschig. Ein bisschen „zu cool“ für Leser, die nichts mit Surfen oder Yoga am Hut haben. Leider wirken auch die englischen Passagen oft zu gestellt und gewollt tiefsinnig. Mit der richtigen Vorliebe für die Themen kommt die Stimmung vielleicht ein bisschen mehr an.

    Doch Schneider schafft es gut den Leser mit in verschiedene Welten zu nehmen. Die Natur wird so beschrieben, als wäre man mittendrin. Generell ist es überaus interessant, in das Leben von so unterschiedlichen Menschen zu blicken. Es werden viele Facetten aufgezeigt, die man so gar nicht wahrnehmen würde, ohne verrückt zu wirken.

    Besonders interessant: das Buch hat einen eigenen Soundtrack. Jedem Kapitel ist ein Song zugeordnet. Wer es lesen möchte, sollte dies also in der Natur mit Musik auf den Ohren tun.

    Foto: Copyright Fritz Schneider

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