• Kultur
  • Das Chaos der Buchpreise

    Elisabeth Kästel

    Jedes Jahr werden auf der Frankfurter Buchmesse unzählige Buchpreise vergeben. Doch für wen ist welcher Buchpreis interessant und braucht es wirklich so viele verschiedene?

    Vom 10. bis 14. Oktober fand erneut die Frankfurter Buchmesse statt und lockte 285.000 Besucher auf das Messegelände, um neuen Lesestoff zu entdecken, Autoren persönlich die wichtigsten Fragen zu ihren Büchern zu stellen oder sich durch die vollgestopften Hallen zum nächsten Kaffeestand zu schieben. Und wie jedes Jahr boomt der Buchmarkt zu dieser Zeit des Jahres.

    Zu keinem anderen Zeitpunkt erscheinen so viele neue Bücher wie zur Frankfurter Buchmesse. Um sich einen Überblick über all die Neuerscheinungen verschaffen zu können und Gutes von Schlechtem unterscheiden zu können, werden jedes Jahr verschiedene Buchpreise vergeben, die den Lesern zeigen sollen, welche Bücher lesenswert sind. Die größte Auszeichnung ist dabei der Deutsche Buchpreis. Dieser wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. ausgetragen und kürt den deutschsprachigen „Roman des Jahres“. In diesem Jahr gewann die Autorin Inger-Maria Mahlke den Preis für ihren Roman „Archipel“. Dieser ist eine Geschichte über drei Familien aus unterschiedlichen sozialen Schichten, die auf Teneriffa leben und durch die politischen Verhältnisse in Europa und Spanien vom Jahr 1919 bis in die Gegenwart gezeichnet werden. Viele der nominierten Bücher erzählen über düstere Ereignisse der Geschichte und wie diese das Leben mancher Familien oder Personen beeinflusst haben. So erzählt der Roman „Sechs Koffer“ von Maxim Biller die Geschichte einer jüdischen Familie im Kalten Krieg. Die Jury des Deutschen Buchpreises besteht aus sieben Juroren aus Literatur und Medien, die sich häufig für historische Romane und Kriegsromane interessiert. Aus diesem Grund ist der Deutsche Buchpreis für Leser dieses bestimmten Genres sehr gut geeignet, um sich einen Überblick zu verschaffen, für andere ist er jedoch vollkommen ungeeignet, da sie mit der Art der Bücher und Schreibstile nichts anfangen können.

    Buchpreis 2018

    Die Gewinnerin des deutschen Buchpreises 2018 Inger-Maria Mahlk (Foto: Sascha Erdmann)

    Etwas anders sieht es beim Deutschen Selfpublishing-Preis von der Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH und dem Selfpublisher-Verband e.V. aus. Dort sind alle Genres vertreten, von Belletristik über Krimis bis hin zu Ratgebern. Die einzige Voraussetzung, um für diesen Preis nominiert werden zu können, ist, dass der Autor sein Buch ohne Verlag selbst herausbringt. Das Publikum wird dort stärkereinbezogen, da es seinen eigenen Gewinner mit dem Publikumspreis auszeichnen kann. In diesem Jahr gewann der Roman „Mikroabenteuer“ von Christo Foerster, in dem es um viele Überlebenstipps und Motivationstricks rund ums Reisen geht. Der Deutsche Selfpublishing-Preis ist etwas breiter aufgestellt und kann somit ein größeres Publikum ansprechen, jedoch beschränkt er sich nur auf Selfpublisher und zeigt somit kein ganzheitliches Bild der Neuerscheinungen.

    Ein weiterer wichtiger Preis ist der Deutsche Jugendliteraturpreis, der seit 1956 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestiftet wird. „Ziel des Deutschen Jugendliteraturpreises ist es, Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihnen Orientierungshilfe bei einem schier unüberschaubaren Buchmarkt zu bieten.“ Dies ist das Selbstverständnis des Deutschen Jugendliteraturpreises. So steht der pädagogische Aspekt der Kinder- und Jugendbücher im Fokus. Diese Auszeichnung bildet am deutlichsten die „Bücher des Jahres“ ab, da es viele verschiedene Preise, wie den Preis des Gesamtwerkes oder des Sachbuchs gibt und auch eine Jugendjury ihren eigenen Buchpreis vergeben darf. So hat in diesem Jahr das Buch „The Hate U Give“ von Angie Thomas gewonnen, welches sich um das Leben eines schwarzen Teenagers im Ghetto dreht, gewonnen.

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