• Kolumne
  • Ich glaub‘, es geht schon wieder los

    Hagen Küsters

    „Das darf doch wohl nicht wahr sein“, denkt sich unser passionierter Karnevalist und Kolumnist Hagen mit Blick auf den politischen Zirkus in Berlin. Die Narrenzeit scheint bereits begonnen zu haben.

    Helau, Alaaf und Aloha! Als gebürtiger Niederrheiner bin ich nicht nur auf dem Fahrrad zur Welt gekommen, sondern habe das jecksche Dasein quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Deshalb bin ich mir auch absolut sicher, dass die Karnevalsaison erst am 11.11 um 11:11 Uhr eingeläutet wird. Doch mit Blick auf die politische und mediale Agenda kommen selbst erprobte Narren ins Grübeln und Staunen. Denn die Fünfte Jahreszeit, so scheint es, ist bereits in vollem Gange. Die Bundeshauptstadt Berlin hat Köln, Düsseldorf und Mainz als Hochburg des alljährlichen närrischen Treibens abgelöst. Im Reichstag gibt sich gegenwärtig das Who is Who der Karnevalisten die Klinke in die Hand. Eine Narrenburg sondergleichen, die ihrem Ruf alle Ehre macht. Und auch die Kostümierung kann sich sehen lassen: Grüne im Gewand von Lobbyisten, Sozialdemokraten im Clownskostüm, die selbst den Affen die Show stehlen oder alternative Politiker, die sich gemäß dem Standard als Piraten mit rechter Augenklappe inszenieren. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Und so ist es wenig wunderlich, dass Luzifer höchstpersönlich sein Unwesen in den demokratischen Gemäuern treibt. Bestens getarnt als Unionspolitiker. Donnerwetter, welch herrliches Bild! Da geht mein rheinisches Herz auf und läuft Marathon!

    Kolumnist Hagen kann über den politischen Zirkus in Berlin nur noch lachen

    Kolumnist Hagen kann über den politischen Zirkus in Berlin nur noch lachen

    Und wie es sich für eine richtige Karnevalssitzung gehört, dürfen auch die Büttenreden nicht fehlen. Und die Riege an qualifizierten Kaspern ist immens. Den Anfang macht Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit einem brennenden Appell an den menschlichen Verstand: „Es gab keinen Mob, es gab keine Hetzjagd in Chemnitz!“ Tobender Applaus ertönt aus der rechten Ecke der Narrenburg. Doch ehe sich der Ministerpräsident im Glanze der Zurufe rühmen kann, ergreift der scheidende Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen das Mikrofon und heizt der Meute noch einmal so richtig ein: „Die Skepsis gegenüber den Medienberichten zu rechtsextremistischen Hetzjagden in Chemnitz wird von mir geteilt“. Ein Tusch erfüllt den Raum – besser könnte die Stimmung nicht sein. Das ist Karneval vom Feinsten! Aber das sind doch alte Kamellen, mag der ein oder andere Zuhörer nun denken. In der Tat, vielleicht widmen wir uns mal zur Abwechslung den sozialen Fragen im Land. Lange müssen wir nicht suchen, schon betritt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Bühne und legt sich gleich mächtig ins Zeug. Mit einer erquickenden Rede, die einem das Lachen im Hals stecken lässt: „Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen“. Ein dreifaches Helau, Alaaf und halt doch einfach die Gosch, du Vollpfosten!!!

    Liebe Regierung, auch wenn ich mich der Narretei im Frühjahr erfreue, so wünsche ich mir doch inständig, dass der Karneval im politischen Berlin endlich seinen Höhepunkt erreicht hat und man sich nun den wichtigen sozialen Fragen widmen kann. Euer Rumgegurke ist nicht mehr feierlich und hat auch nichts mehr mit Politik im Sinne der Wähler zu tun. Es grenzt schon an Arbeitsverweigerung. Also reißt euch endlich am Riemen und überlasst die Bütten des Landes den wahren Künstlern. Denn diese verstehen ihren Job sowieso besser als eure Wenigkeit. Helau, Alaaf und auf ein Neues!

     

    Titelfoto: Pixabay

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