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  • Wie man mir selbst ABBA vermiesen kann

    Luise Bottin

    „Mamma Mia! Here we go again“ versucht, den Charme des Vorgängers aufzugreifen und scheitert daran grandios. Ein paar nette ABBA- Lieder gibt es aber trotzdem.

    Wir erinnern uns: In „Mamma Mia“ – übrigens vor fast genau zehn Jahren im Kino – stand die junge Sophie (Amanda Seyfried) kurz vor ihrer Hochzeit und hat zu diesem Anlass ihre Familie um Mutter Donna (Meryl Streep) nebst dem Männer-Trio Sam (Pierce Brosnan), Harry (Colin Firth) und Bill (Stellan Skarsgård), die allesamt als ihr leiblicher Vater in Frage kamen, auf die griechische Insel Kalokairi eingeladen. Nun ist Donna bereits seit einem Jahr verstorben, Sophie hat das Hotel übernommen und ausgebaut. Zur Neueröffnung lädt sie nicht nur erneut ihre drei Väter, sondern auch die Jugendfreundinnen und Bandkolleginnen ihrer Mutter ein: Rosie (Julie Walters) und Tanya (Christine Baranski). Da erfährt Sophie, dass sie ein Kind erwartet… In dieser schwierigen Situation erinnert sie sich dran, was ihre Mutter (in jung: Lily James) durchgemacht hat, als sie damals nach ihrem Schulabschluss ganz allein auf die griechische Insel kam und feststellte, dass sie von Harry (in jung: Hugh Skinner), Bill (Josh Dylan) oder Sam (Jeremy Irvine) schwanger ist.

    Rosie, Sam, Sophie und Tanja erwarten die Ankunft der Partygäste.

    Rosie, Sam, Sophie und Tanja erwarten die Ankunft der Partygäste.

    Ich muss zugeben: Trotz großer ABBA-Liebe bin ich nicht der allergrößte Liebhaber des ersten „Mamma Mia“-Films, dennoch schaue ich ihn mehrmals im Jahr aus purer Guter-Laune-Film-Laune heraus an. Zwar ist auch dort die Handlung etwas unlogisch und die Konflikte etwas konstruiert, was ich dank der Lieder und der allgemeinen Zuckerwatte-Atmosphäre jedoch verzeihen kann. Das wird bei seiner Fortsetzung garantiert nicht passieren.

    Gleich am Anfang verspüre ich ein leichtes Déjà-Vu: Der Film beginnt mit Sophie, die leise vor sich hinsingt und dabei Einladungen an ihre Väter verschickt – diesmal jedoch nicht für ihre Hochzeit, sondern für die Eröffnung ihres Hotels. Und trotz oder vielleicht wegen dieser Ähnlichkeit zum Vorgänger fühlt sich „Mamma Mia – Here we go again“ ab der ersten Sekunde irgendwie falsch an.

    Warum man das kitschige Emotionsgeflecht des ersten Films zerpflücken und durch etwas zu konstruierte Konflikte jagen muss, um es dann zum Finale des zweiten Teils erneut zu einem schnulzigen Happy End zusammenzufügen, ist mir unklar. (Okay, das war doch jetzt sicher für niemanden ein Spoiler, oder?)

    Wo sich beim Vorgänger die Handlung passgenau um die Lieder entspann, scheinen die musikalischen Einlagen hier eher mühsam in die Geschichte eingepflegt. Und da sich Teil eins auf Klassiker wie „Dancing Queen“ oder „The Winner Takes It All“ stürzte, bleiben für den Nachfolger nur die weniger bekannten Songs (wenn man das für ABBA überhaupt so sagen kann…). Diese erfüllen zwar ebenfalls ihre Ohrwurm-Funktion, aber „I’ve Been Waiting For You“ ist nun mal kein so guter Party-Hit wie „Super Trouper“.

    Donna lässt sich von dem jungen Bill verzaubern. Und von Harry. Und von Sam.

    Donna lässt sich von dem jungen Bill verzaubern. Und von Harry. Und von Sam.

    Zudem ist der Film halb Prequel, halb Sequel – eine etwas merkwürdige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass die Rückblenden dem Zuschauer absolut keine neuen Informationen bringen, sondern einfach nur das zeigen, was wir ohnehin schon von Donnas Vergangenheit wissen. Dazu noch Lily James, die zwar süß-naiv und immer gut gelaunt die Rolle der jungen Donna spielt, aber Meryl Streep einfach nicht das Wasser reichen kann. Diese ruft in ihren eineinhalb Songs, für die sie noch einmal ins Drehbuch hineingeschrieben wurde, mehr Emotionen hervor, als James es im ganzen Film schafft.

    Kinematographisch wird mehr experimentiert, viele Szenen-Übergänge sind genial umgesetzt und auch sonst weiß „Mamma Mia – Here we go again“ mit genre-brechenden Ideen umzugehen. Das könnte auch funktionieren, wenn es nicht so stark mit der Altbewährtheit kollidieren würde, auf die Film in der restlichen Zeit setzt.

    Es gibt sie, die wenigen Lichtblicke des Films, in denen die gute Laune sprüht und ein echtes Mamma-Mia-Feeling aufkommt, aber auch die können über die Schwächen dieses Werkes nicht hinwegtäuschen. Nur das Ende verströmt den gewissen Charme, auf den ich 120 Filmminuten gewartet habe – und das nur durch die unglaubliche Chemie zwischen Amanda Seyfried und Meryl Streep, die schon den ersten Teil emotional getragen hat.

    Alles in allem versucht „Mamma Mia! Here we go again“ zu viel und scheitert an der großen Aufgabe, an den Charme des Vorgängers anzuschließen. Das Kino verlässt man trotzdem mit mindestens einem Ohrwurm.

     

    In den Kinos ab 19. Juli 2018

    Fotos: Universal Pictures

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