• Film
  • Den Horizont erweitern

    Pia Benthin

    „Die Farbe des Horizonts“ von Baltasar Kormákur verbindet verschiedene Genres perfekt miteinander. Von Romanze bis Tragödie ist alles dabei. Die Schönheit des Lebens steht der Endlichkeit gegenüber.

    Das wollen wir doch alle manchmal. Einfach den Alltag vergessen und sich wegträumen. Azurblaues Meer und einsame, endlose Strände. Mit über 97 Minuten Film lädt „Die Farbe des Horizonts“ in fremde Welten, Abenteuer und Betrachtungen des Horizonts ein. Ist ein Sonnenuntergang einfach rot oder doch lachsfarben bis scharlach mit einem Übergang zu orange?

    Tami (Shailene Woodley) ist seit ihrem Schulabschluss auf Reise – ohne Ziel, einfach von Hafen zu Hafen. Vielleicht ist es also das Schicksal, welches sie nach Tahiti verschlägt, wo Richard (Sam Claflin) gerade mit seiner Yacht anlegt. Es kommt wie es kommen muss, die beiden verlieben sich ineinander und harmonieren nahezu perfekt.

    Auf dem Markt treffen sie auf Bekannte von Richard, die sie darum bitten ihre Yacht zurück nach Kalifornien zu segeln, da sie selbst zurück nach London müssen. So begeben sich Tami und Richard gemeinsam ins Abenteuer. Bei bestem Wetter stechen sie in See, dies ändert sich aber, als ein Hurrikan aufzieht. Die wenig erfahrene Tami kämpft ums Überleben im Sturm, repariert das Boot und begibt sich auf die Suche nach Richard. Doch das Unglück scheint geschehen und die Situation aussichtslos. Das Boot ist schwer beschädigt, Land meilenweit entfernt und kaum Vorräte an Board.

    Liebe auf den ersten Blick bei Tami und Sam auf Tahiti

    Tami und Sam segeln in „Die Farbe des Horizonts“ auf einer Yacht von Tahiti nach Californien.

    Das Segler-Drama zeigt eindrucksvolle Bilder, genauso wie die Schattenseiten eines solchen Trips. Dabei ist der Film durch und durch spannend und nicht unbedingt leichter Stoff, vor allem wenn man bedenkt, dass die Handlung auf wahren Begebenheiten basiert. Zwar kennt man Shailene Woodley („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“; „Die Bestimmung“) und Sam Claflin („Die Tribute von Panem“; „Ein ganzes halbes Jahr“) vor allem aus Young-Adult-Filmen, doch schafft es „Die Farbe des Horizonts“  sich von Schnulzen und Teenie-Dramen klar zu entfernen und eher erwachsene Töne anzuschneiden, ohne dabei langweilig und witzlos zu sein. Shailene Woodley tritt ebenfalls als Produzentin auf und trägt den Film durch ihr Schauspiel auf ihre ganz eigene sympathische Art und Weise.

    Wer sich hier auf eine leichte Romanze einstellt, sitzt im falschen Kinosessel. Gleich am Anfang wirft einen der Film ins Unglück. Tami (Shailene Woodley) befindet sich schiffbrüchig auf dem offenen Meer. Immer wieder springt der Film zwischen den Zeiten, arbeitet viel mit Foreshadowing und setzt sich so stilistisch ein wenig vom Mainstream ab. Oft hat man als Zuschauer so das Gefühl, der Handlung einen Schritt voraus zu sein, was aber nicht der der Fall ist.

    Eingefangen in wunderschönen Bilder zeigt sich das Drama sehr spannend und nervenaufreibend. „Die Farbe des Horizonts“ ist kein typischer Feel-Good-Film, doch lädt Tamis Lebensstil zum Wegträumen aus dem Unialltag ein. Ich meine, wer wäre jetzt nicht gerne im Paradies auf Tahiti? Während der Hurrikan-Szenen hingegen erscheint das Leben sehr endlich und man merkt was wertzuschätzen ist, auch wenn es nur ein Platz in der Bib ist. Auf einmal erscheinen Kino- und Hörsaal vielleicht doch viel schöner als die Yacht auf hoher See. Wer auf Segeln, Natur, Drama und eine kleine Romanze steht, ist hier genau richtig.

     

    In den Kinos ab 12. Juli 2018

    Fotos: Copyright Metropolitan FilmExport