• Film
  • Filmkunst ist auch Handarbeit

    Von Lisa Marie Schulz

    Die Kategorie Animation eröffnete den Wettbewerbsteil des „Kurzsuechtig“-Kurzfilmfestivals und bot, im wahrsten Sinne, handgemachten Filmen und ihren Machern eine große Bühne.

    Insgesamt zwölf Kurzfilme gab es am gestrigen Abend in der zum Kinosaal hergerichteten Maschinenhalle des Kunstkraftwerks Leipzig zu sehen. Während „Ouch, Chou, Chou“ der japanischen Regisseurin Onohana als Gastfilm und somit außer Konkurrenz gezeigt wurde, traten die restlichen elf im direkten Vergleich gegeneinander an.

    Zu gewinnen gab es für die Macher der sowohl in ihrer Länge, Thematik und vor allem Machart sehr unterschiedlichen Filme den mit 700 Euro dotierten Jury-Preis. Außerdem wurde ein Zuschauerpreis direkt vom anwesenden Publikum vergeben. Ersterer wurde dem zweitkürzesten Film „Megatrick“ von Anne Isensee verliehen, welcher bereits beim DOK Leipzig im Oktober letzten Jahres Publikumsfavorit geworden war. Isensee diente das Zeichnen einer geraden Linie als knappe und in seiner Umsetzung sparsame, aber ziemlich witzige Metapher über das Leben.

    Der Zuschauerpreis und eine lobende Erwähnung der Jury gingen an „Zu Zahm“ von Rebecca Bloecher, einen Film, welcher auch mich mit seiner Mischung aus Zeichnung, Stopp-Trick und nicht zuletzt durch seine Thematik am meisten überzeugt hatte. Sieben Figuren vom muskulösen Poser über das smartphone-süchtige Mädchen bis zur Omi werden erst in ihren sich wiederholenden Klischees, bildlich in Schubladen gefangen, vorgestellt und tauschen schließlich immer wieder untereinander ihre Rollen, bis sie vom Sich-Zu-Sehr-Aufblasen zerplatzen.

    In Johannes Flick und Alexander Dietrichs „Shine“ wird mit Leuchtkraft gebalzt

    In Johannes Flick und Alexander Dietrichs „Shine“ wird mit Leuchtkraft gebalzt

    Nach dem ersten Film-Block, bestehend aus der aufwendigen 3D-Animation „Shine“ von Johannes Flick und Alexander Dietrich, „Paradies mit Laube“ von Sandra Barth und Anna Schöning und dem mit einer Minute und neun Sekunden kürzesten Film „Obvious“, folgte eine kleine moderierte Gesprächsrunde. Bei dieser erklärte Juri de Marco, Komponist der Filmmusik von „Shine“, seine Herangehensweise und offenbarte, dass ungefähr die Hälfte der Musik bereits bei der ersten Filmsichtung entstanden war.

    Der zweite Block begann mit „Höchste Zeit, Herold!“, eine Zeichentrickgeschichte von Francie Liebschner um einen heldenhaften Vater, die wie eine Mischung aus der Komik Loriots und Walter Moers den gesamten Saal zum Lachen brachte. Danach folgten „Lotte – Between the Lines“, ein illustriertes Interview mit Legetrickanimatorin Lotte Reiniger, in welchem insgesamt 14 Animateure jeweils eine Szene animiert hatten und schließlich der bereits erwähnte „Zu Zahm“.

    Heldenhafte Vaterliebe und schwierige Prüfungen in Francie Liebschners „Höchste Zeit, Herold!“

    Heldenhafte Vaterliebe und schwierige Prüfungen in Francie Liebschners „Höchste Zeit, Herold!“

    Im dritten und letzten Block lief zuerst „Compartments“ von Daniella Koffler und Uli Seis, eine von tatsächlichen Ereignissen inspirierte Geschichte um ein israelisches Mädchen und ihre jüdische Identität nach ihrem Umzug nach Berlin. Es folgte die außerirdische Stopp-Trick-Bastelei „Regression“ von Juliane Saul und die wunderschön anzusehende und nur mit Buntstiften kreierte Selbstreflektion „Lepidoptera“ von Omani Frei, welche ihr Projekt, wie sie später erklärte, nun endlich, da es auf der großen Leinwand gelaufen war, als abgeschlossen fühlte. „Megatrick“ und „Scharniere“, eine schwarz-weiß gehaltene psychologische Betrachtung der Ticks, die man als Kind hatte und als Erwachsener vergaß, aber vielleicht nie ganz loswurde, beendeten den offiziellen Wettbewerb.

    Mit seinem ersten offiziellen Film-Abend gelang „Kurzsuechtig“ ein abwechslungsreicher und wirklich spannender Einstieg in die Festival-Woche, welche heute Abend mit der Kategorie Dok nahtlos weitergehen wird.

    Karten gibt es an der Abendkasse im Kunstkraftwerk oder auf tixforgigs.com

     

    Fotos: Die Fotorechte liegen bei den jeweiligen Filmemachern.